Der Wald und sein Beitrag zum Wohlbefinden: RPTU startet Forschungsvorhaben mit der Universität Chiba
Die Natur bzw. die Wahrnehmung von Natur hat viele positive Effekte auf unser Wohlbefinden. Was Natur messbar im menschlichen Körper bewirkt – das erforscht Yoshifumi Miyazaki, emeritierter Professor der Universität Chiba in Japan. Wie und warum Menschen Natur als erholsam wahrnehmen – das ist Forschungsschwerpunkt von RPTU-Wissenschaftlerin Dr. Claudia Menzel, aktuell Vertretungsprofessorin Umweltpsychologie. Ihre Expertisen bündeln die Forschenden nun in einem gemeinsamen Projekt, das den Blick auf den Wald als Ort des Wohlbefindens richtet. Das Vorhaben soll in eine längerfristige Forschungskooperation der beiden Universitäten münden.
Wald ist nicht gleich Wald. Und nicht in jedem Wald bzw. jedem Waldstück fühlen sich Menschen wohl. Was einen wohltuenden Wald ausmacht und wie er auf Menschen wirkt – das wollen Claudia Menzel und Yoshifumi Miyazaki in der gemeinsamen Forschung herausfinden.
„Das geplante Vorhaben beinhaltet zwei Teilprojekte, je eins in Deutschland und Japan, die sich ergänzen“, erläutert Claudia Menzel. „Anhand von Studien im Pfälzerwald werde ich untersuchen, welche Eigenschaften einen Waldaufenthalt erholsam und positiv gestalten – und welche eher nicht. Dabei arbeite ich eng mit Dr. Eva Bartaguiz und Dr. Anna Thomas aus den Sportwissenschaften zusammen, um anhand von physiologischen Markern – etwa Veränderungen des Cortisol-Spiegels und der Herzrate – nachzuvollziehen, was auf körperlicher Ebene passiert.“
Das an der Universität Chiba angesiedelte Teilprojekt wird den Fokus darauf richten die Veränderungen physiologischer Marker bei Waldaufenthalten weiter und detaillierter zu untersuchen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf individuellen Unterschieden.
Die gesammelten Erkenntnisse sollen dazu dienen, die Leistungsfähigkeit des Waldes als Ökosystem, das Forstwirtschaft und erholungssuchende Menschen gleichermaßen nutzen, besser zu verstehen. Und indirekt auch Impulse zu geben, wie sich beim Anlegen von stadtnahen Naturflächen der Faktor Wohlbefinden mitdenken lässt.
Japan zu Besuch in der Pfalz
Den Auftakt zur Planung für die Forschungsarbeiten bildete ein Besuch von Yoshifumi Miyazaki in Kaiserslautern und Landau, bei dem er die RPTU und das umliegende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen kennenlernte. Zugleich teilte er bei einem Treffen des Clusters „Nachhaltiges Leben in der Pfalz – Wald, Wein & Wissenschaft“ seine inspirierenden Erkenntnisse aus der langjährigen wissenschaftlichen Erforschung von Shinrin-Yoku (Waldbaden). Im Cluster engagiert sich die RPTU zusammen mit Landesforsten, dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten, dem Bezirksverband Pfalz, dem Julius Kühn-Institut für Rebenzüchtung, dem Weincampus Neustadt und dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen.
Die ersten wissenschaftlichen Kontakte zur Universität Chiba hatte Hanns Stephan Wüst, langjähriger Professor für Landschafts- & Grünordnungsplanung, 2019 während eines Forschungsaufenthalts geknüpft – in Abstimmung mit dem damaligen Universitätspräsidenten Helmut J. Schmidt. Gemeinsam mit Yoshifumi Miyazaki und Kurt K. Heinz, der mit der Heinz2-O-Stiftung nachhaltige Ziele verfolgt und nicht zuletzt die deutsch-japanischen Beziehungen fördert, entstand die Idee für eine Kooperation der Universitäten.
