Vortrag auf der EISA-Konferenz 2026 in Lissabon
Dr. Samantha Ruppel war mit einem Vortrag auf der diesjährigen Konferenz der European International Studies Association (EISA) in Lissabon vertreten. Präsentiert wurde das Paper „Remembering Violence, Living the Present: Generational Perspectives on Political Violence and Peace in Kenya“.
Im Zentrum des Vortrags stand die Frage, wie Versöhnung fast zwei Jahrzehnte nach der Gewalt rund um die Wahlen 2007/2008 in Kenia wahrgenommen wird – und zwar entlang der Generationengrenze zwischen denjenigen, die die Gewalt selbst erlebt haben, und jüngeren Menschen, die erst danach aufgewachsen sind. Statt Versöhnung als abgeschlossenes Ergebnis formaler Mechanismen wie der Truth, Justice and Reconciliation Commission (TJRC) zu betrachten, verstand der Vortrag sie als sozial hergestelltes und umkämpftes Wissen, das durch gelebte Erfahrungen, politische Erzählungen und fortlaufende Erfahrungen mit staatlicher Autorität geprägt wird.
Empirisch stützte sich das Paper auf eine Online-Umfrage sowie Interviews und untersuchte Einstellungen zu Versöhnung, das Wissen über und die Bewertung der TJRC, das Vertrauen in staatliche Institutionen sowie die Wahrnehmung aktueller Protestdynamiken und politischer Gewalt in Kenia. Damit leistet das Paper einen Beitrag zu Debatten über Frieden und Gewalt in Kontexten sich überlagernder Krisen und knüpft an Diskussionen in den Internationalen Beziehungen zu epistemischen Kämpfen, Erinnerung und der Produktion politischer Bedeutung jenseits linearer Post-Konflikt-Rahmungen an.
