Konfliktforschung trifft Geschichtswissenschaft: Vortrag zu Deutungskonflikten am Hambacher Schloss
Am 19. Mai stellte Annalena Groppe, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Friedensakademie Rheinland-Pfalz, im Kolloquium des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz ihre Forschung zu Deutungskonflikten am Hambacher Schloss vor. Rund 20 Teilnehmende diskutierten, wie historische Ereignisse in gegenwärtigen politischen Auseinandersetzungen aufgegriffen, umgedeutet und angeeignet werden.
Aus konflikttheoretischer und friedenspädagogischer Perspektive zeigte der Vortrag, wie seit 2018 rund um den Jahrestag des Hambacher Festes autoritär-populistische Proteste stattfinden und welche Herausforderungen daraus für lokale zivilgesellschaftliche und kommunalpolitische Akteur:innen entstehen. Auf Grundlage eines Aktionsforschungsprojekts mit Aktivist:innen und Bildungsakteur:innen aus der Region wurde nachvollziehbar, wie unterschiedliche Verständnisse von Demokratie, Frieden und Geschichte in diesen Konflikten wirksam werden.
Besonders produktiv war der Austausch mit dem geschichtswissenschaftlich arbeitenden Publikum und den internationalen IEG-Fellows. Gemeinsam wurden Anschlussstellen für mögliche Folgeprojekte diskutiert: Wie lassen sich gegenwartsbezogene Deutungskonflikte um historische Orte geschichtswissenschaftlich erforschen? Welche Rolle spielen Forschung und Bildung, wenn Erinnerungsorte politisch vereinnahmt werden? Und wie können historische Perspektiven dazu beitragen, solche Aneignungen kritisch einzuordnen?
Im Anschluss wurden bei Getränken weitere Ideen vertieft. Dabei wurde deutlich, dass die politische Vereinnahmung historischer Orte nicht nur zivilgesellschaftliche Akteur:innen, sondern auch Historiker:innen vor fachliche und gesellschaftliche Herausforderungen stellt.
