Kurzgeschichte „Das Unwetter“
Inhalt & Analyse
Die Schriftstellerin: Martha Saalfeld
Martha Saalfeld ist eine sehr heimatverbundene Lyrikerin und Schriftstellerin. Sie schrieb viele Gedichte, mehrere Romane und einige Kurzgeschichten. Als roten Faden in ihren Werken lässt sich immer wieder die Pfalz erkennen. Mal sehr deutlich und manchmal eher zwischen den Zeilen.
Heute liest man ihre Texte in einem anderen Kontext. Man fühlt sich zum einen in eine andere Zeit versetzt, bekommt einen ganz anderen Blickwinkel auf die Pfalz mit ihrer wunderschönen Natur, findet aber zum anderen auch viele Themen und Gedanken bei sich selbst wieder und kann Anreize und Gedankenanstöße aus der damaligen Zeit Martha Saalfelds in der aktuellen, heutigen Zeit wiederfinden. Auf eben diese Dualität aus Vergangenem und den Bezügen zu unserer heutigen Zeit, beziehen sich die folgenden Ausführungen.
Inhalt und Analyse der Kurzgeschichte „Das Unwetter“
Ph. Pfeiffer’s Buchdruckereien und Verlage [Hrsg.], Martha Saalfeld, Bunte Bilder, 1977
In der Kurzgeschichte „Das Unwetter“, welche in dem Sammelband „Bunte Bilder“ erschienen ist (Ph. Pfeiffer’s Buchdruckereien und Verlage [Hrsg.], Martha Saalfeld, Bunte Bilder, 1977), geht es um den Händler Herr Moog, der bei einem Unwetter, nicht wie die anderen Stadtbewohner seinen Laden verlässt und Schutz sucht, sondern zu Hause bleibt und den Regen aussitzen möchte. Dies wird ihm letztendlich zum Verhängnis.
Zu Beginn der Geschichte wird das Aufziehen des Sturms beschrieben. Als Kontrast zu den Häusern, die als „gefühlvoll“ und zu Herzen gehend beschrieben werden, ändern sich jedoch die Farben des Sturms in „[…] schwefelig gelb, dann bräunlich violett, dann ins […] Ungewisse“. Dies verdeutlicht eindrücklich die anstehende Gefahr, die kurz davor ist, die Normalität und den Alltag zu verdrängen. Während daher viele schon bereits morgens ihre Läden dicht machen und „in Scharen die Stadt verließ[en]“, weigert sich der Händler Herr Moog, seinen Laden zu verlassen und schließt lediglich seine Fenster und die Ladentür ab. Zwar ist ihm bewusst, dass weder er, noch sein Haus dem Sturm standhalten können, doch nichtsdestotrotz beschließt er zu Hause zu bleiben. Er macht sich viel mehr Sorgen um seinen Besitz und sein Anwesen, als dass er sich um seine eigene Sicherheit sorgt. Anfänglich scheint sein größter Feind die Stille zu sein. Die Tatsache, dass überhaupt nichts geschieht, stört ihn wesentlich mehr, als die, dass er demnächst im Zentrum des aufziehenden Unwetters stehen wird.
Während Herr Moog gegen die Stille ankämpft, nimmt er über seine verschiedenen Sinne die angespannte Stimmung wahr.
Die Dielen, die sonst „wie böse Hunde“ knurrten, geben diesmal keinen Laut von sich. Auch seine Zickzack- Bewegungen zum Fenster helfen nicht gegen die Stille. Dass er sich „ […] eine gemäßigte Hölle“ wünscht, betont, wie sehr er unter Spannung steht und nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Am Fenster angekommen, beobachtet er die ausgestopften Tiere des Präparators gegenüber und sieht in ihnen hauptsächlich Attribute für den Tod. So sind es beim Spitz die „[…] blanken Glasaugen“ oder die steife Sitzhaltung des Falken, weshalb er das Gefühl bekommt, bei ihm „[…] häuf[e] sich das Tote“. Auch die Gasse, welche er aus seinem Fenster sehen kann, vergleicht er mit einem Sarg. All diese Anspielungen auf den Tod lassen sich hier als Zeichen für den weiteren Verlauf der Geschichte sehen.
Als ein Lichtblick schweifen Herrn Moogs Gedanken nun zu dem Gasthaus mit dem Namen „zur Arche“. Betrachtet man diesen Namen im Kontext der Handlung, lässt er sich metaphorisch als Ausweg aus der Stille und der anstehenden Gefahr deuten. Doch zunächst denkt der Händler nicht daran, dorthin zu fliehen, sondern vergleicht die Kellnerin des Gasthauses mit einer Puppe, wie diese, die auch beim Friseur im Schaufenster stehen. Er verfängt sich mit seinen Gedanken wieder nur im leblosen Ausdruck der Puppen, die die „[…] Haar[e] lebendiger Menschen“ auf dem Kopf tragen und sonst nur tot und künstlich wirken. Auch sein Blick zum Schaufenster des Bandagisten löst in ihm wieder nur Todesassoziationen aus. Der Gummimensch, der dort mit medizinischem Equipment ausgestattet ausgestellt ist, empfindet er als „[s]chrecklich […]“.
Dass Herrn Moog die bevorstehende Gefahr doch durchaus auf gewisse Art bewusst sein muss, lässt sich aus seinem folgenden Gedanken schließen. Er überlegt sich, dass ein Luftring gut als Rettungsring taugen könnte, falls es beginnt zu regnen. Dieser Gedanke könnte der Auslöser sein, warum er sich nun doch entscheidet, zum Gasthaus zu gehen und sich dort in Sicherheit zu bringen. Als er aus dem Haus geht, fühlt er sich von der dicken Luft so sehr gestresst, dass er sich mit „[…] ein[em] kleine[n] Tier auf der Tischplatte unter den Augen des Menschen“ vergleicht.
Auch hieran lässt sich die Panik des Händlers Moog ablesen, da er sich sehr unter Druck gesetzt fühlt und nicht weiß, was er nun machen soll. Sein Versuch, diesem Gefühl und der Situation zu entfliehen wird jedoch schnell sehr abrupt beendet und sogar noch ins Gegenteil verstärkt, als er bei dem Gasthaus auf verschlossene Türen trifft. Seine einzige Möglichkeit besteht nun darin, zu seinem Haus zurückzukehren, was er folglich auch tut.
Die Vorahnung, die bereits durch die Assoziationen des Todes aufgestellt wurden, verdeutlichen sich nun auf dramatische Art und Weise durch einen Hahnenschrei, der zum einen von ihm als „Trompete des jüngsten Gerichts“ empfunden wird und er diesen Vogel zum anderen mutmaßlich als Traumerscheinung bereits in der Nacht zuvor wahrgenommen hatte. Dies scheint sich zu bestätigen, denn nur wenige Momente, nachdem Herr Moog wieder in seinem Haus eingekehrt ist und die Tür abgeschlossen hat, bricht das Unwetter über ihn hinein. Die Gewaltigkeit, mit der das Unwetter nun eingebrochen ist, lässt sich an der Beschreibung „Wasser fiel vom Himmel wie Blei. Es kam in Fetzen, in Fladen, in Stücken. Es war eine einzige sausende Fläche.“ sehr gut erkennen.
Die Panik, die vorher im Protagonisten der Geschichte aufgezeigt wurde, verharmlost sich nun, da er die Gefahr nicht erkennt und sich einredet, dass das Unwetter sich verteilt und vorbei geht und zudem für die Natur nützlich sei. Dies vertieft er mit seinen Gedanken an seinem Gemüsegarten und freut sich fast noch über den Regen. Er vergisst, dass er sich nun in unmittelbarer Gefahr befindet und träumt lieber von seinen Apfelbäumen im Herbst. Ob es die Angst ist, die Herrn Moog wie von einem Schutzmechanismus abschweifen lässt oder eine gewisse Verwirrung, lässt sich hier schwer sagen.
Die vermeintliche Nützlichkeit des Regens muss selbst er jedoch verneinen, als der Hagel all das, was noch stehen geblieben ist, zerschlägt. Das Unwetter bricht nicht ab und „[d]as Wasser [schießt] mit Getöse die Gasse hinab.“
Interessant ist, dass beschrieben wird, dass es in Herrn Moogs Hirn zu rauschen beginnt. Dies lässt sich zum einen als Überforderung verstehen, stellt aber auch eine Verbindung zum Wasser und seiner Umgebung dar, welche ihn auch zu dieser Überforderung bringt. Dieses Rauschen bringt ihn darauffolgend auch zu der Halluzination, dass er die ganzen toten Teile, wie den bandagierten Gummimann oder die ausgestopften Tiere, in der Flut wahrnimmt und personifiziert. Die von ihm eigentlich als tot identifizierten Objekte kämpfen nun bildlich lebendig gegen die Flut, während er in seinem Haus festsitzt und mit den Geschehnissen überfordert ist.
In einem Moment der Klarheit „[…] [fasst] er einen furchtbaren Verdacht“. Er geht zu seinem Hinterhof, in dem sich das Wasser von vier Dächern sammelt und nicht abfließen kann. Da Herr Moog die Gefahr, die davon ausgeht erkannt hat, greift er sich einen Besen und versucht die Wassermassen zu bändigen. Jedoch hat er keine Chance gegen die gewaltige Kraft des Wassers anzukämpfen und gibt sich mit einem Hilferuf geschlagen. Dass dieser jedoch unbeantwortet bleibt und er erkennen muss, dass niemand mehr da ist, um ihm zu helfen, löst bei ihm Ärger aus.
„Irgendwo hocken seine Kumpane in einer stinkenden Arche, sie rauchen und trinken und fahren gemächlich über den Ozean […]“
Mit diesem Gedanken lässt sich eine Art von Reue seitens Herrn Moog erkennen, die zwar nicht auf ehrlicher Reflexion beruht, da er es sich selbst zuzuschreiben hat, dass er nicht rechtzeitig geflohen ist wie die anderen. Er erkennt nun, dass er in einer ausweglosen Situation gefangen ist und bereut somit seine Verharmlosung und seine naive Haltung gegenüber dem Unwetter. Auch die Metapher der Arche wird hier wieder aufgegriffen, die hier als das tatsächliche Schiff, das Noah vor der Sintflut gerettet hatte, welches somit als Begriff für die Rettung dient, benutzt wird und zugleich auch das Gasthaus gemeint ist, da die Kumpanen dort trinken und rauchen.
Dass die Reue also nicht ganz ehrlich ist, ist klar erkennbar, da die Schuld in seinem Gedanken hauptsächlich bei seinen Freunden oder Bekannten liegt, die ihn nicht retten und nicht bei ihm selbst, da er nicht geflohen ist. Trotz dessen geht damit die Erkenntnis einher, dass es keinen Ausweg gibt.
Als Folge dessen, macht sich wieder Verzweiflung in ihm breit, die aber letztendlich in Kapitulation endet. Herr Moog öffnet die Tür, doch „[d]ie Gasse [ist] ein einziger brauner Strom“. Nur mit Mühe kann er diese wieder schließen.
Trotz der Verzweiflung und der eigentlichen Erkenntnis versucht er sich nun aber nicht etwa in Sicherheit zu bringen, sondern fängt jetzt noch an, die unteren Schubladen seines Ladens zu beschützen und in Sicherheit zu bringen. Dies betont auf eine sehr groteske Weise, wie verblendet Herr Moog ist und welche Priorität sein Hab und Gut im Vergleich zu seinem eigenen Leben haben. Aus dem gleichen Grund, weshalb er in dieser Falle sitzt, wird er nun wieder dazu verleitet, irrational und unüberlegt zu handeln.
Als das Wasser nun auch in der Wohnung anfängt zu steigen, beschließt er als letzte Reaktion, auf seinen Ladentisch zu steigen. Seinen letztmöglichen Versuch, gerettet zu werden, bekommt er nicht einmal mehr mit. Der Fischhändler versucht den Senkkasten vom Schlamm zu befreien und das Wasser somit zum Abfließen zu bringen. Dies gelingt ihm schließlich und der Regen und das Unwetter ziehen allmählich ab. „Die Ausflügler [eilen] [daraufhin] in Scharen nach Hause“. Mit dem Abziehen des Regens fließt auch langsam das Wasser ab und legt die Gasse wieder frei, an deren Eingang nun die Einwohner der Stadt stehen und auf Zugang warten. Nachdem das Wasser immer weiter aus der Gasse verschwunden ist, gelingt es den Menschen nun auch in die Läden vorzudringen. Endlich ergibt sich die Möglichkeit die Feuerwehr zu rufen. Stundenlang laufen die Pumpen, um das Wasser aus den Kellnern zu befördern. Die Menschen haben durch ihre Flucht zwar ihre Häuser verlassen und müssen nun mit den Folgen des Unwetters klarkommen, jedoch haben es alle überlebt und somit die richtige Entscheidung getroffen.
„Herr Moog [rührt] sich nicht. Der Schlamm hatte die Türen seines Ladens verstopft, das Wasser konnte nicht hinaus. Schwarz und unbeweglich [steht] es im Gewölb.“ Seine Entscheidungen und Handlungen kosten ihn das Leben und jegliche Hilfe kommt für ihn zu spät.
Betrachtet man den Hauptcharakter Herrn Moog, so lassen sich bei ihm recht schnell sehr stereotypische Verhaltensmuster erkennen. Er ist zum einen sehr von der Verlustangst seines Ladens und seiner Besitztümer getrieben und handelt daher meistens danach, dass er diese beschützen und bewahren will. Gleichzeitig überschätzt er seine Macht, gegen Einflüsse von außen vorgehen zu können und unterschätzt die Macht, die eben diese Einflüsse auf ihn haben können. Es vermischt sich seine Naivität mit seiner Verbissenheit auf das Materielle. Saalfeld schafft es mit einer bemerkenswerten Sprache, den Leser direkt in das Geschehen mitzunehmen, als stünde man direkt hinter Herrn Moog und wäre genauso vom Wasser und dem Unwetter bedroht wie er.
Die Kurzgeschichte zeigt zum einen auf eine sehr anschauliche Art die Kraft und Gewalt der Natur, gegen die der Mensch in so vielen Fällen machtlos ist und zum anderen kritisiert und entlarvt sie die schlechten Charaktereigenschaften der Menschen. Man erfährt an dem Beispiel des Protagonisten, wie der Mensch von den eigenen Entscheidungen und Prioritäten in verheerende Situationen treibt, die, wenn Habgier und Egoismus überwiegen, das Leben kosten können. Deutlich wird dies alleine schon durch die Tatsache, dass Herr Moog trotz des bestehenden Bewusstseins der Gefahr, welches auf jeden Fall vorhanden gewesen sein musste, da alle anderen Menschen rechtzeitig ihre Häuser verlassen hatten, lieber in seinem Laden geblieben ist, da er „[…] es nicht über sich gebracht hätte, sein Anwesen nur einen halben Tag im Stich zu lassen“.
Der Tod spielt in dieser Kurzgeschichte schon vor dem tragischen Ende eine Rolle. Der gestresste Herr Moog sieht schon überall in seinem Umfeld die Vorboten des Todes. Dies geschieht zum Beispiel durch die ausgestopften Tiere des Präparators, die er bei dem aus dem Fenster schauen entdecken kann oder auch in Form der Puppenköpfe, die ihn gruseln, da sie als leblose Geschöpfe das Haar von Lebendigen tragen und dabei starr und dauerhaft grinsend sich im Spiegel anschauen. Auch der Gummimensch im Schaufenster des Bandagisten steht für Verletzungen, Leid, Schmerzen und damit auch für das Schicksal des Protagonisten. Verstärkt werden diese Vorboten schließlich durch den Hahnenschrei, der das Gefühl der „Trompete des jüngsten Gerichts“ auslöst. Möglicherweise bereut der Händler Moog seine Entscheidung. Diese Erkenntnis ist jedoch nicht aufrichtig und von nachhaltiger Dauer. Das zeigt sich an der Schuldzuweisung gegenüber seinen Kumpanen, da er sich von diesen im Stich gelassen fühlt.
Auch die ständig wechselnden und widersprüchlichen Handlungen belegen, welche inneren Konflikte in ihm herrschen müssen. Auf der einen Seite ignoriert er die Tatsachen, indem er mit seinen Gedanken komplett abschweift und leugnet die Realität. Er redet sich schön, dass der Regen, der ihn schlussendlich umbringt, noch nützlich für seine Äpfel und Kräuter sei. Auf der anderen Seite realisiert er auch an der ein oder anderen Stelle, in welcher Lage er sich wiederfinden muss. Diese Handlungen wirken für den Leser im ersten Moment unverständlich und nicht ganz begreifbar. Wenn man jedoch ehrlich zu sich selbst ist und aufrichtig reflektiert, findet man in seinem Leben die ein oder andere Situation, in der man selbst nicht wahrhaben mochte, was man sich durch weniger kluge Entscheidungen eingebrockt hat. Der einfachste Weg ist dann meistens, sich die Schuld nicht einzugestehen und sie bei den anderen zu suchen. Betrachtet man die Deutung der Kurzgeschichte „Das Unwetter“ unter Berücksichtigung der Zeit, in der sie geschrieben wurde, so erzeugt die eigene Phantasie automatisch die Bilder der überfluteten Gasse des Herrn Moog und dem bis zur Decke mit Wasser gefüllten Raum. Man kann sich vorstellen, mit welcher Kraft die Natur auf den Lebensraum einwirkt und mit einer gewaltigen Zerstörungskraft auch zu Schutt und Asche verwandeln kann. Verlässt man diese neutrale Ebene und den Kontext der Entstehungszeit, kommen andere Bilder in den Fokus. Die Bilder der Flutkatastrophe im Ahrtal haben sich bei den meisten Menschen tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.
Im Juni 2021 laufen in Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz bei einem Starkregen die Flüsse innerhalb kürzester Zeit so voll, dass es zu gewaltigen Überschwemmungen kommt. Mehr als 180 Menschen verlieren dabei ihr Leben und große Teile der Städte und Ortschaften werden in Folge dessen zerstört.
Als Martha Saalfeld ihre Kurzgeschichte geschrieben hatte, war der Klimawandel und dessen Folgen etwas, was bei Weitem nicht die Tragweite hatte, die es heute hat. Erst 1986 kam dieses Thema in den Medien an, daher konnte Saalfeld mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ahnen, wie aktuell und mittlerweile auch alltäglich der Stoff ihrer Kurzgeschichte einmal werden wird. Überall auf der Welt liest man mittlerweile Meldungen über starke Fluten mit vielen Todesopfer. Ein schweres Unwetter, wie es in der Kurzgeschichte behandelt wird, ist grundsätzlich etwas, was nicht zwangsläufig durch den Klimawandel ausgelöst wird, auch vor der Erderwärmung gab es solche Unwetter. Doch die Tatsache, dass es aufgrund des menschengemachten Klimawandels wesentlich häufiger auftritt und auch die Stärke dieser Überflutungen ansteigt, lässt einen die Kurzgeschichte mit anderen Augen lesen. Was in der Zeit von Martha Saalfeld eine Ausnahmesituation darstellte, findet sich heute dauerhaft in den Medien. Während sich dieser Aspekt heute anders wahrgenommen wird, lässt sich jedoch die Sturheit des Herrn Moog auch heute noch unverändert wiederfinden. Für viele Menschen ist das eigene Hab und Gut so wichtig, dass aus dem Versuch, dieses zu schützen, gefährliche Situationen entstehen. Der Egoismus, die Gier und Naivität des Herrn Moog, die Martha Saalfeld sehr deutlich in ihrer Kurzgeschichte darstellt, lassen sich auch auf unsere Gesellschaft projizieren. Herr Moog wird somit zum Sinnbild der Eigenschaften des Menschen, die einen in solch eine Situation bringen.
Beim ersten Lesen der Kurzgeschichte „Das Unwetter“, fühlt sich der Leser in der Zeit zurückversetzt, er sieht die älteren Gassen vor sich und fiebert mit dem Händler Herr Moog mit. Er begleitet ihn auf seinen verzweifelten Versuchen, sich in letzter Minute zu retten, erfährt einiges über seine Todesahnungen und seinen orakelhaften Traum. Zunächst fühlt man sich möglicherweise eher außenstehend und analysiert die Geschichte für sich sehr objektiv von einer Außenperspektive. Die Probleme und Kernthemen, die angesprochen werden, sind jedoch auch in unserer heutigen Zeit aktuell. Umweltkatastrophen werden immer schlimmer und häufiger und auch die Sturheit der Menschen ist in unserer Gesellschaft präsent.
Martha Saalfelds Geschichte verdeutlicht auf eine poetische Art und Weise, ohne direkte Wertung, wie kostbar das Leben ist und wie schnell dieses vorbei sein kann.
Oft spielen unsere eigenen Entscheidungen eine größere Rolle, als es uns bewusst ist. In jedem von uns steckt ein Stück weit Herr Moog. Wir haben von Natur aus als Mensch die Angst, wir könnten etwas verlieren, setzen deshalb die Prioritäten nicht richtig und die vergessen die Wertigkeit des Lebens zu schätzen. Martha Saalfeld schafft es mit ihrer Sprache, Texte und Zeichen zu lebendigen und aktuellen Bildern werden zu lassen. Darin liegt die Kraft ihrer Literatur.