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Martha Saalfeld: Beweis für Kleber.

Inhaltsangabe zur Tragikomödie in drei Akten. Max Reichard Verlag: Freiburg im Breisgau. 1932

Martha Saalfeld: Beweis für Kleber - Inhaltsangabe
Tragikomödie in drei Akten. Max Reichard Verlag: Freiburg im Breisgau. 1932

 

 

Personen:

Georg Kleber, Beamter
Frau Kleber
Lucy, ihre Tochter
 
Stephan, entfernter Verwandter und
Pflegesohn
 
Karl, Neffe
Minchen, Hausmädchen
Joseph, Minchens Liebhaber
Schutzmann
Schlosser
 

 

Zusammenfassung

 

Alle drei Akte spielen in einem bürgerlichen Wohnzimmer. Türe rechts. Links gegenüber Fenster.

1. Akt

Durch die Tür in der Rückwand treten Kleber und Stephan ein.

Herr Kleber begrüßt seinen angekommenen Pflegesohn Stephan, der wegen des Verdachts eines Verbrechens in Untersuchungshaft gesessen hatte. Er wurde aber aufgrund fehlender Beweise vom Gericht freigesprochen. „Ich bin ein Mensch, den man nackt ausgezogen und auf den Markt gestellt hat“. (S. 1)

Frau Kleber ruft zum Essen. Herr Kleber erklärt, dass sie nur zu dritt sind, da Lucy, ihre Tochter, aus gesundheitlichen Gründen aufs Land geschickt werden musste. Sie hatte Stephans Situation mit Verhaftung und Verhör zu sehr mitgenommen. 

Minchen, das Hausmädchen, erscheint und begrüßt Stephan. Sie bekommt den Auftrag, den Tisch zu decken. Stephan und Georg Kleber unterhalten sich. Minchen bekommt mit, dass Stephan von außen immer noch als schuldig betrachtet wird. Sie erschrickt und gesteht, dass sie nur noch im Hause ist, weil die Familie Kleber ihr zehn Mark im Monat mehr geboten hat. Stephan macht sich mit bösen Bemerkungen darüber lustig: „Für zehn Mark willst Du Dich frikassieren lassen?“ (S. 3)

Frau Kleber erscheint mit hochrotem Kopf und verbittet sich, dass ihr Hausmädchen verängstigt wird und dann vielleicht noch kündigt. Frau und Herr Kleber reden auf Stephan ein, in seinen Ausdrücken und seinem Gebaren vorsichtiger zu sein. Stephan: „Aesthetisches Gefühl ist mir abhanden gekommen“ (S. 4).

Herr Kleber schlägt vor, dass sich Stephan in ärztliche Behandlung begibt. Stephan verweigert dies, „ich gebe Euch meinen Geist nicht preis“ (S.4).

Dann motiviert ihn Kleber, seine Studien wieder aufzunehmen, was Stephan ebenfalls verneint. Nach einigem Hin und Her fragt Stephan, warum man Lucy „fortgeschafft“ (S.5) habe. Sie wurde zu Frau Klebers Schwager aufs Land geschickt. Das Kind sei blutarm und aus den Träumen heraus würde sie um Hilfe schreien. Herr Kleber verteilt Zeitungsseiten zum Lesen. Minchen räumt den Tisch ab und bittet darum, nach dem Abwasch hinunter auf die Straße zu dürfen zu ihrem Liebhaber Joseph. Minchen gerät durch einen unangemessenen Kommentar Stephans mit ihm aneinander. Frau Kleber hat Angst, Minchen zu verlieren. 

Stephan fragt nach Lucy und ob sie denn überhaupt weiß, dass er wieder zuhause ist. Kleber deutet an, dass man erst das Verfahrensergebnis abwarten wollte. „Wir glauben an Dich, Stephan!“ (S.7). Dann wird Stephan vor vollendete Tatsachen gestellt, dass er in Zukunft in der Mansarde zu schlafen hat, da Minchen nun in seinem alten Zimmer in der Wohnung wohnt. Sie würde sich fürchten, nicht vor Stephan, aber im Allgemeinen. Seine Bücher würden aber weiterhin in seinem Zimmer aufbewahrt, da sonst kein Platz vorhanden gewesen sei. Stephan macht sich lustig. Wie er wohl nachts an seine Bücher gelangt?

Es klingelt und Lucy und Karl, der Neffe, erscheinen. Es ist schon sehr spät und Frau Kleber macht sich sofort Sorgen, dass sie so spät unterwegs sind. Lucy und Stephan begrüßen und unterhalten sich. Stephan fragt sie, warum sie gerade heute nach Hause gekommen ist: „Du hast an mich gedacht?“ (S. 9) Lucy denkt laut über Stephans inneren Zustand aus der Vergangenheit nach: „Es treibt Dich um…“ (S. 9). Stephan: „Ich bin von Natur ein Mensch, kein Angeklagter“ (S. 9/10). 

Karl erklärt nun, dass Lucys gesundheitlicher Zustand sich erheblich gebessert hat, sie trinkt Milch und hat zugenommen. Lucy widerspricht entrüstet. Frau Kleber erklärt, dass Karl und Lucy heute Nacht nicht zurück dürfen, sondern im Hause übernachten sollen: „Da haben wir die Familie hübsch beisammen“ (S. 10). Stephan fühlt sich ausgeschlossen, da er in die Mansarde ziehen muss. Stephan greift das Unwohlsein Minchens ihm gegenüber auf und tut so, als wäre er geistig daneben. Lucy konstatiert: „Du bist krank, Stephan.“ (…) „Brauchst eine Pflege.“ Stephan: „Einen Wärter, meinst du“ (S. 11). 

Stephan erklärt Lucy, dass sie nicht das Recht hat, ihn als Bestie zu verdächtigen und nennt sie Hure. Lucy entschuldigt ihn und versucht ihn zu verstehen. Frau und Herr Kleber diskutieren mit Stephan über sein fremdes und teilweise unverschämtes Benehmen und Karl stellt klar, dass er froh ist, wenn er wieder aus dem Haus ist. 

Joseph kommt herein und erklärt, dass Minchen nicht bleibt, obwohl sie mehr Geld bekommt. Frau Kleber versucht mit allen Mitteln Joseph zu locken, dass er Minchen überredet, zu bleiben. Stephan stellt fest, dass dies alles aufgrund seiner Anwesenheit geschieht. Lucy bietet sich an, die Magd zu ersetzen. Dies wird verneint.

 Herr Kleber und Karl wollen schlafen, Frau Kleber verlässt ebenfalls den Raum, Lucy erklärt Stephan, dass sie ja vom Land geflohen sei zurück in die Stadt, da alles so still war. Stephan stellt fest, dass sie beide wenig voneinander wissen und auch wenig von sich selbst: „Ich habe auch nicht gewusst, dass ein Verbrecher in mir sei“ (…) „Keine Angst, er hat erst nach dem Verbrechen angefangen“ (S. 15). Lucy glaubt, Stephan zu verstehen. Sie geht davon aus, dass Stephan den Verbrecher in sich herauslockt. Stephan: „Ich lock ihn, mach ihm Avancen; ich bin direkt verliebt in den Kerl“ (S. 15). Lucy warnt ihn, dass er damit gegen sich selbst vorgeht. Frau Kleber ruft aus der Küche und ärgert sich, dass keiner antwortet und auch, dass Stephan immer noch nicht zu Bett gegangen ist.

 

Vorhang

 

 

2.  Akt

Im gleichen Zimmer.

 

Karl und Lucy unterhalten sich am nächsten Morgen über die schwierige Situation mit Stephan. Dass das leidige Thema kein Ende nimmt. Karl möchte, dass Lucy wieder mit ihm zurück geht. Frau Kleber erscheint und sucht Minchen. Karl vermutet, dass sie noch in ihrem Zimmer schläft. Frau Kleber beklagt sich zum wiederholten Male, dass sie alle Arbeit allein machen muss. Lucy möchte ihr helfen. Frau Kleber: „Ich bin froh, wenn ich Dich aus dem Haus weiß“ (S. 18).

Stephan kommt hinzu und erklärt, dass er gut geschlafen habe, kein schlechtes Gewissen habe ihn daran gehindert und auch kein gewalttätiger Traum. Frau Kleber erklärt, dass sie nicht seine Feinde seien und er sich nicht erklären muss. Nun greift Stephan Frau Kleber verbal an und sie geht gekränkt ab. Karl motiviert Stephan, auch mit aufs Land zu kommen. Stephan antwortet ironisch und auch zurückhaltend: (…) „ ich mache Ihnen die Leute scheu…“ (S. 19).

Lucy stellt fest, dass Stephan wie früher ein bisschen blass und schwach aussieht und dass sie dies an ihm mag. Stephan behauptet, dass sie auch wünschte, dass er krank sei und ihn dann mehr lieben könnte, als Empfindung, die sich nicht „in Gefühl“ verwandelt (S. 19): 

„Bedenke, dass mein Kranksein nicht mehr der Schauplatz Deiner erotischen Phantasien sein kann“ (S. 20). Im Laufe des Gesprächs scheint es so, dass Stephan eine Tat zugibt, die er tun musste, da sie beide – Lucy und er – in der Vergangenheit „nicht endlos weiterreden“ konnten (S. 20). Lucy fragt ihn, ob er tatsächlich ein Mörder sei. Er verneint, er habe nur die Notwendigkeit einer Tat gestanden. Keiner versteht Stephan. Stephan: „Ich lobe auch nicht den Mörder. Aber ich kann ihm eine gewisse Anerkennung nicht versagen“ (S. 21). 

Frau Kleber erscheint und erklärt, die Tür zu Minnas Zimmer sei verschlossen, sie käme nicht hinein und der Vater schreie nach Kaffee. Stephan stellt in den Raum, dass Minchen vielleicht tot im Bett liege. Karl kann sich das nicht vorstellen bis Stephan unkt, dass es vielleicht einen Mord gegeben habe, ein Mensch wie er, vielleicht unschuldig, aber doch fälschlicherweise beschuldigt, zu dieser Tat getrieben wurde. Herr Kleber erscheint und will sich verabschieden: „In den Dienst, meine Liebe“ (S. 23). Frau Kleber diskutiert stattdessen mit ihm, ob man den Schlosser bzgl. des Zimmers holt. Herr Kleber verneint, er möchte nicht, dass die Öffentlichkeit darüber spricht. Stephan bedankt sich, als sei er involviert. Frau und Herr Kleber beginnen sich zu streiten. Stephan hingegen tut so, als mache sich um Minchen Sorgen, andererseits habe er eine gewisse Antipathie ihr gegenüber. Aber diese würde nicht soweit reichen, ihn nun einer Tat zu belasten. Stephan führt Szenarien aus, was passiert sein könnte, dass z.B. Minchen beim Putzen vom Fensterbrett gestürzt sein könnte…Karl stellt fest, dass Stephan erregt ist. Alle sind aufgebracht. Stephan bringt Joseph ins Spiel: „Der Kerl ist mir verdächtig (…)“ (S. 29). 

Stephan und Herr Kleber diskutieren erneut über Stephans eventuelle Schuld in der Vergangenheit. Sie stehen weiterhin vor der verschlossenen Tür. Stephan albert herum, dass da vielleicht eine Leiche sei, die sich bewegt, man hätte ja ein Geräusch gehört. Herr Kleber zu Stephan: „Es ist also meine Pflicht, uns alle, mich und meine Angehörigen vor Deinen Angriffen zu schützen. (…) Den zersetzenden Einfluss Deiner unverschämten und ich muss leider sagen, höchst verdächtigen Reden, konstatiere ich schon jetzt an meiner Tochter Lucy“ (S. 31). 

Karl mischt sich ein und will Stephan verbieten, wegzugehen. Er sei verdächtig. Karl holt nun den Schlosser. In der Zwischenzeit scheint es so, als hätten alle Angst vor Stephan. Stephan behauptet, er besäße eine Waffe. Er will sie nicht aushändigen. Kleber: „Wir sind in Deiner Gewalt, Stephan; ich hoffe, dass Du sie nicht missbrauchst.“ 

Stephan: “ Ich missbrauche sie natürlich“ (…) (S. 35). Er verlangt, dass Lucy sich auf seinen Schoß setzt. Lucy folgt und erklärt, dass sie keine Angst vor ihm habe. Karl kommt mit dem Schlosser zurück, der angeblich jedoch zuerst noch eine Zigarette raucht. Es klingelt und ein Schutzmann erscheint. Er befragt die Anwesenden zum Sachverhalt. Nun stellt sich heraus, dass Stephan sehr wohl einen Schlüssel zum Zimmer hat. Stephan behauptet, man habe ihn nicht danach gefragt. Frau Kleber ist entsetzt, dass Stephan den Schlüssel besitzt und Herr Kleber konstatiert, dass dies Stephan entsetzlich belaste. Der Schutzmann ist verwirrt, nachdem Stephan erklärt, dass Minchen und er je einen Schlüssel zum Zimmer besitzen. Und dass dies alles mit Wissen von Herrn Kleber passiert ist. Theatralisch spielt sich nun das Öffnen der Türe ab. Der Schutzmann tritt ins Zimmer und erklärt, dass niemand in dem Zimmer ist. Herr Kleber deutet an, dass das Mädchen vielleicht beseitigt worden sei. Kleber und Stephan stehen sich nun drohend gegenüber. Frau Kleber bittet den Schutzmann einzugreifen, der aber abwinkt, schließlich spiele sich diese Auseinandersetzung in den eigenen vier Wänden ab. Er verlässt das Haus. 

 

 

Vorhang.

 

3.  Akt

 

Am gleichen Vormittag, Minchens Zimmer.  Dort ist Stephan im Begriff, Abschied zu nehmen. Es kommt Lucy. 

 

Lucy erzählt Stephan, dass man jetzt nach Joseph geschickt habe, um herauszubekommen, wo Minchen ist. Lucy fordert Stephan heraus: „Stephan! ... Denkst du dass wir in diesem Zimmer…“ Stephan: „Es wäre Vermessenheit daran zu denken“ (S. 41) (…) Lucy: (…) „Du bist wie der Vulkan vor dem Ausbruch.“ (…) „…ich will verschüttet werden…“, (…) „Ich möchte etwas Unerhörtes tun, etwas sehr Unvernünftiges…“ (S. 41). „Ich liebe dich sehr, Stephan…“ (S.42)

Stephan erzählt aus der Vergangenheit, wie sie beide sich näher gekommen waren, Lucy ihn liebte, er sie im Arm hielt, er dachte, dass sie weinte, aber sie lachte damals. Wieder ist die Situation so, Lucy lacht, macht Stephan „verrückt“ (S. 42), er trägt sie ans Bett, aber diesmal weint Lucy wirklich. Stephan sagt ihr, dass er von ihr weggehen muss: „Ein Dienstmann ist unterwegs“ (S. 43). Lucy will mit ihm zusammen fliehen. Stephan macht ihr klar, dass sie kein Geld hat, dass sie nicht mitreisen kann. 

Lucy packt. Stephan wird klar, dass sie alles gedanklich mitnehmen, was sie beschwert: …“ von 11 Uhr an in der Nacht“ (…) Wenn ich mich an das Geschehene erinnern muss…“ (S. 46). Stephan fühlt, „wie es anschwillt“ (…), „Blut im Gehirn“ (S. 46) (…), er fühlt sich verwachsen mit dem Anderen, er, „der das Verbrechen begeht“ (S. 46). 

Aber er äußert dann doch anschließend, dass er das Verbrechen nicht begangen hat. Stephan hört, dass Herr Kleber nach Hause gekommen ist. Er öffnet die Tür und Kleber wundert sich, dass sie offen ist. Lucy hat sogar das Schloss geölt, was Herr Kleber als übergriffig empfindet. Nur er schließt eine Tür, nur er ölt eine Tür. Lucy erklärt, dass der gepackte Koffer von ihr ist. Frau Kleber begreift im Gegensatz zu Herrn Kleber sofort, dass Lucy mit Stephan weggehen will. Herr und Frau Kleber geraten in Streit, wer wohl Schuld an der Situation hat. Herr Kleber behauptet, Stephan habe Lucy verführt, sie aber entgegnet, dass sie Stephan verführt habe. 

Karl erscheint und wird über die Sachlage aufgeklärt. Er wundert sich nicht, denn man sagt ja, „dass sowas die Mädchen anzieht“ (S. 50). Karl erklärt Stephan, dass er nicht das Recht hat, mit irgendeinem Mädchen allein zu sein und schon gar nicht mit Lucy. Kleber verweist darauf, dass Lucys Ruf keinen Schaden aufgrund ihres Fehltritts nehmen wird. Lucy sei eine Kleber. Stephan macht sich die optischen Ähnlichkeiten Lucys zu den Eltern deutlich und schlägt die Hände vors Gesicht.  Joseph erscheint und will fragen, was mit Minchen geschehen ist. Karl erklärt, er habe Stephan nachts um 2 Uhr im Garten gesehen. Die Verdächtigungen gehen weiter. Stephan will gehen. Joseph lässt ihn nicht vorbei. Karl zu Stephan: „Die Ruhe, die Sie haben wollen, kennen wir. Sie wollen in Ruhe (auf Lucy deutend) Ihr drittes Opfer verschleppen“ (S. 52).

Stephan droht mit dem Revolver. Lucy hält ihn zurück: „Das wollen sie doch nur! ... den Beweis!“ (S. 53)

Plötzlich steht Minchen in der Tür. Sie erklärt, dass sie früh zur Stellenvermittlung gegangen ist und sich auch bei einer neuen Stelle vorgestellt hat. Stephan macht nun Herrn Kleber zum Angeklagten, er solle sich verteidigen. Kleber lenkt das Gespräch wieder auf Stephan zurück und reagiert gehässig auf die Frage, warum man Stephan nichts beweisen konnte. Daraufhin schießt Stephan ihn nieder.

Lucy: „Stephan! (Sie weicht entsetzt vor ihm zurück), Der – Beweis!“

Stephan: „Der Beweis… (zu Kleber gewandt). Der Beweis für Sie – mein Herr…“  (S. 54)

 

 

Ende