Mann im Mond
Ausgabe: Berthold Roland (Hrsg.): Martha Saalfeld. Pan ging vorüber. Anna Morgana. Mann im Mond. Werkausgabe. Gollenstein: Blieskastel, 1999.
"Der Mann im Mond" ist eine Erzählung über Sehnsucht, Träume und die Frage nach dem Unbekannten. Der Protagonist lebt in einer Welt voller Routinen, bis er eines Tages von einem mysteriösen Ereignis aus seinem Alltag gerissen wird. Der Roman erkundet, was es bedeutet, zu träumen und was passiert, wenn die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit überschritten wird.
Detaillierte Inhaltszusammenfassung
Der Taube Gurren
Ein Haus in großer Einsamkeit zwischen Laub- und Kiefernwäldern mit freundlichem Hund hinterm Zaun. Das Haus mit Erdgeschoss und einem darüber liegenden Stockwerk ist eine Schenke mit Gastzimmer. Im Haus lebt eine Dogge. Der Wirt selbst lebt jedoch nicht mehr.
Zwei Frauen sitzen im Gastzimmer und putzen selbst gesammelte Pilze.
Frau Dorst, die jüngere der Schwestern bäckt für Gäste Rahmkuchen. Es gibt auch Eier, Käse und Wein. Besenbinderinnen, die nach der Arbeit vorbeikommen, trinken Wein. Das Haus selbst beherbergt viele Tiere, Hund, Katze, Igel, den Raben Wolf und Molli, den Maulwurf, der eingesperrt ist. Die jüngere Schwester mit verbrannten Wangen und blondem Haar bittet die ältere, freundlicher zu den Flüchtlingen zu sein, die im ersten Stock wohnen. Diese seien keine Zigeuner, sondern hätten Verwandte in der Stadt. Die Ältere, Kätha, würde am liebsten das Haus verkaufen und hat auch schon einen Käufer, ein Herr Bozz sucht für Tochter und Schwiegersohn, Dr. Rupertus Sohn, ein Haus. Die Jüngere lehnt diesen Verkauf ab.
Aus dem oberen Stockwerk erscheint ein hübsches dunkelhaariges Mädchen, eine junge Frau, die wie ihr Vater mit Vögeln spricht. Sie schaut nach Post für ihren Vater, die wohl noch nicht da ist. Irgendwann ist die jüngere Schwester, Frau Dorst, mit Delia allein.
Delia fragt, warum Kätha immer gegen sie und ihren Vater eingestellt ist. Frau Dorst antwortet auf die Frage nicht. Delia geht zurück in das obere Stockwerk zu ihrem Vater, dem Künstler Wilfried Xander. Er ist ein alter Mann, der angespannt auf die Post wartet: „Es ist, als ob man seine Briefe auf den Mond geschossen habe“. Delia: „Der Mann im Mond wird eines Tages Antwort geben, oder gar der Engel (…)“ (S. 337).
Delia sieht ihrer Mutter Elisabeth, die durch einen Luftangriff im Krieg ums Leben gekommen ist, so ähnlich, dass der Vater sie manchmal zum Ärger der Tochter mit dem Namen der Mutter anspricht.
Delia wird an diesem Tag neunzehn Jahre alt. Der Vater schenkt ihr zwanzig Mark; sie soll sich etwas zum Anziehen kaufen.
Dann kommt der Postbote und Delia bringt die Briefe hoch. Herr Xander ist enttäuscht, dass sein Aufsatz noch nicht erschienen und damit dann auch im nächsten Monat kein Geld zu erwarten ist. Stattdessen erhalten sie Nachricht über die Geburt eines Kindes. Und der Verlag hat zwei Bogen Papier geschickt, die aber Delia beim Öffnen des Umschlages verletzt hat. Werbung für Bücher mit einem Los offenbaren sich. Xander bittet Delia, ihm bei der Suche nach einem Stoff für ein neues Buch zu helfen. Delia verspricht es.
Die Kirchenmaus
Delia geht in die kleine Stadt, die eine Stunde von der Waldschenke entfernt liegt. Diese hat eine Wandlung durchgemacht. Die alten Villen werden von neuen, reichen Besitzern bewohnt, die alles Alte verschwinden lassen für geschmackloses Neues. Der Stolz der Straße ist das Haus des reichen Herrn Bozz, Bozzhall genannt. Delia eilt die Straße entlang und überlegt sich, was sie nun mit den zwanzig Mark alles kaufen könnte. Dann entschließt sie sich, für den Vater Schreibpapier zu kaufen, denn daran mangelt es immer. Delia weiß, dass in der Stadt ein Bruder ihrer Mutter wohnt. Obwohl der Vater immer behauptet, man wolle von ihm nichts wissen, will Delia den Bruder der Mutter besuchen. Sie bewundert bei ihrem Gang in der Natur „das späte Blühen“ (S. 342). Sie bleibt vor einer Kirche stehen und hier entdeckt sie zu ihrer Freude eine kleine Maus, die gerade ins Freie rennt. Delia lacht und wird von einem jungen Mann mit einer Baskenmütze angesprochen, der aus der Kirche schaut. Auch ihn lacht sie an und freut sich über seine Mütze. Sie geht weiter.
Die Muschel rauscht
Delia betrachtet die Schaufensterläden und betritt das winzige Papiergeschäft von Mathilde Concha. Sie findet die Ladenbesitzerin schlafend vor, umgeben von einer riesigen Muschelsammlung, deren Rauschen am Ohr Frau Concha sehr liebt. Die Ladenbesitzerin erkennt in Delia Gesicht die Züge der Mutter Elisabeth wieder. Sie unterhalten sich über die Familie. Frau Concha erklärt, dass der Bruder der Mutter, Rupertus, ein sehr ängstlicher Mensch sei. Ein Orgelspieler betritt den Laden und will Briefpapier.
Kurz darauf nehmen die Frauen das Gespräch wieder auf und Delia verrät, dass sie Rupertus besuchen will. Frau Concha verweist auf einen alten Familienstreit. Sie rät ab, ihn zu besuchen. Delia verspricht, zurückzukommen.
Haus mit Trauerrand
Sehr verunsichert betritt Delia das Ärztehaus des Onkels. Sie geht ungesehen durch die Räume und nimmt im Oberteil des Treppenhauses einen Sockel mit breiten schwarzen Leisten war. „Ein Haus mit Trauerrand“ (S. 349).
Im zweiten Stock gibt es wieder viele Türen, hinter denen es ganz still ist. Irgendwann steht Delia im Speicher. Sie muss lachen bei dem Gedanken, dass sie hier angeblich den Onkel suche. Sie geht in das letzte Speicherzimmer und schaut aus dem Fenster. Sie sieht Stare, Schwalben, braune Äcker und weiße Tauben. Sie „schienen aus dem weißen Mond zu fallen“ (S. 350). Dann entdeckt sie eine alte Kastenuhr, die sie aus Erzählungen zu kennen scheint. „Kein Zweifel: hier in dieser Kammer hatten ihre Eltern einst gelebt“ (S. 351)
Im kleinen Öfchen findet sie – wie es bei ihrem Vater so Sitte ist – Papier mit der ihr bekannten Schrift.
Delia verirrt sich kurze Zeit später in einen schmalen Innenhof und begegnet dem Onkel. Er spricht sie nicht an. Sie stellt sich vor, er aber spricht weiterhin kein Wort zu ihr. Sie fragt, ob ihn ihre Mutter interessiere - keine Antwort! Sie verlässt das Haus.
Sonderbarer Mittwochnachmittag
Delia kehrt zu Frau Concha zurück und erzählt sichtlich erschüttert von Rupertus. Sie trinken Tee. Frau Concha erläutert, dass das Haus einer Tante der Mutter gehört hat. Nach deren Tod war Rupertus gekommen; man vertrug sich nicht.
Und Herr Bozz hat die Mutter Elisabeth gehasst, denn er wollte das Haus kaufen, scheiterte jedoch an ihr. Herr Bozz hatte die Mutter einer Freundin von Elisabeth, Debora um ihre Möbel betrogen. Alice Schwarz, deren Tochter, war die Freundin von Elisabeth gewesen.
Delia erzählt Frau Concha, dass sie in der Waldschenke wohnen und hört, dass Alice Schwarz sich eine Zeitlang in der Schenke vor den Judenverfolgungen versteckt hatte und nie mehr zurückgekehrt ist. Aber Debora Schwarz sei neulich erst zurückgekommen.
Herr Bozz betritt den Laden und fragt nach seinem Schwiegersohn. Delia betritt aus dem Hinterzimmer ebenfalls den Laden und muss lachen, als sie Herr Bozz sieht. Dieser sucht nun Streit. Er fragt Delia aus, sie nennt auch ihren Namen. Herr Bozz starrt sie mit aufgerissenen Augen an und geht. Kurz darauf betritt der Schwiegersohn, der schon einmal da war und Delia gesehen hatte, nochmals den Laden und will einen Miniaturglobus, den Delia sich hatte reservieren lassen, ebenfalls kaufen. Wichtiger scheint ihm aber zu sein, Delias Namen zu erfahren. Frau Concha verschweigt allerdings den Namen. Delia hört das Gespräch mit an, auch, dass dieser junge Mann sagt, dass es verfrüht sei, ihn Schwiegersohn zu nennen. Der Mann ist Delia nicht unsympathisch. Frau Concha erzählt, dass er schon jahrelang im Studium sei, ihm es aber mehr um die Kunst als um Wissenschaften gehe. Sie unterhalten sich über Wunder, an die Delia wirklich glaubt, an Tote, die in Lebenden weiterleben. Frau Concha macht den Vorschlag, dass Delia doch Debora gehen solle, die sehr einsam sei. Delia verneint.
Die Verschwörung
Delia geht mit Schreibpapier und Miniglobus weiter durch die kleine Stadt. Sie tritt in ein Café und setzt sich ans Fenster, schaut in die Natur und sieht den weißen, dünnen Mond an und alles war wie Spuk und Zauber“ (S.361). Sie bestellt. Hinter der Trennwand sitzen auf einmal Herr Bozz und seine Tochter, eine junge Dame. Debora hört dem Getuschel zu und den Vorwürfen der Tochter gegenüber dem Vater bzgl. eines Hauses.
Delia flieht aus dem Café.
Zur schönen Aussicht
Delia flieht in eine Gasse, die ihr aber auch nicht geheuer ist. Sie hat Angst, dass Bozz sie verfolgen könnte und stellt sich wie im Traum düstere Dinge vor. Sie rennt in ein Wirtshaus mit dem Namen: Zur schönen Aussicht. Hier wird Bozz sie nicht finden. Im Schankraum trifft sie auf einen Gast. Sie setzt sich ihm gegenüber und trinkt widerwillig ein bitteres Bier unter Beobachtung des Fremden. Er spricht sie an. Sie erfahren, dass sie beide „von drüben“ (S. 365) kommen. Er erzählt, dass er aus der Waldschenke weggejagt worden sei, er sei angeblich ein Zigeuner. Auf die Frage, woher er komme, habe er der Wirtin geantwortet: „Aus dem Mond – und wenn er voll ist, komm´ ich wieder (S. 366).
Delia vermutet, dass er Käthe Minz begegnet ist. Der Fremde erzählt, dass der Mann im Mond auch ein Werk der Gerechtigkeit sein kann. Delia antwortet, dass sie „Angst vor den Gerechten“ hat (S. 366). Dass sie mit Liebe im Herzen zu ihrem Onkel gekommen sei – vergebens. Der Fremde entgegnet: „Ich glaube, dass Liebe auch den Mond bewegt“ (S. 367).
Delia erzählt, was ihr geschehen ist und dass sie auf der Flucht sei, dass Kätha Minz Herrn Bozz das Haus im Wald verkaufen will. Wo sollen sie dann bleiben? Der Fremde bittet, dem Mond zu vertrauen, dann zahlen sie und gehen
Ein Gentleman erinnert sich
Delia beschließt, die tote alte Dame Rupertus zu besuchen. Sie kommt an einen alten Friedhof und obwohl das Grab auf dem neuen Friedhof liegt, bleibt Delia. Sie sitzt auf einem Stein. Hinter den Ligusterhecken sieht sie einen Trauerzug und wird von einem Fremden im hellen, eleganten Anzug angesprochen. Er meint, Elisabeth in Delia zu erkennen und sie gibt sich als Delia Xander zu erkennen. Der Herr erscheint zornig. „Kommen Sie, man darf Sie nicht in diesem Zustand (erheitert, angetrunken) finden!“ (S. 372)
Der Herr will sie mitnehmen in sein Haus, in das Haus des Dr. Brill. Er behauptet, schon ihrem Vater sehr geholfen zu haben. Sie geht mit ihm, „schon, um den schwarzen Männern zu entkommen“ (S. 374).
Was junge Damen tun
Das Haus von Dr. Brill ist von vielen Bäumen umgeben und viele Pflanzen von den gegenüberliegenden Gräbern wachsen in seinem Garten.
Dr. Brill erzählt, dass Elisabeth früher allein bei ihm gewesen ist, dass die Mutter ein Buch des Vaters gebracht hatte, er sollte es besprechen, denn damals legte man auf sein Urteil viel wert. Es war aber nicht dazu gekommen.
Delia bekommt Angst angesichts eines Leopardenfells am Boden. Sie fürchtet, der alte Herr sei wie ein böser Zauberer. Dr. Brill erzählt weiter, dass er später ein Buch des Vaters kritisiert habe, da die Natur über den Helden des Buches obsiegt hat. Delia entgegnet, dass die Natur auch schon sein Haus umzingelt. Er: „Ihre Mutter war ebenso voll Leidenschaft und leider auch so unklug wie Sie selbst“ (S. 379). Er nimmt Delias zarten, dünnen Arm, er bedauert sie, auch die Mutter sei vom Vater nicht gut versorgt worden. Delia ist entzürnt. Sie glaubt, der Leopardenkopf bewege sich. Er nimmt ihre Hand und will sie auf den Diwan ziehen. Der Alte hält sie fest und droht ihr. Sie reißt sich los und springt aus dem Fenster. Eine junge Dame kommt den Weg entlang, Brills Patenkind, Bella Bozz. Delia verschwindet zurück zum Stein im alten Friedhof. Dann kehrt sie um, da sie das Schreibpapier und den kleinen Globus vergessen hat. Sie beobachtet am Fenster das Liebesspiel zwischen Dr. Brill und Bella Bozz. Auf Delias Bitten wird das Schreibpapier und der Globus ihr nicht gegeben, sondern aus dem Fenster geworfen. Delia sammelt das schmutzig gewordene Papier im Schein des Mondes ein.
An Tote denken
Delia findet das Haus von Debora Schwarz. Ein Junge wirft Kastanien auf die halb geschlossenen Läden. Als Delia ihn packt und fordert, er solle sich im Haus entschuldigen, sagte er grinsend: „Bei der doch nicht, die hätte auch in Palästina bleiben können“ (S. 385).
Delia tritt in das scheinbar leere Haus und entdeckt Briefe an Alice Schwarz und auch einen Brief an ihre Mutter gerichtet. Sie empfindet den Raum als unheimlich. „Die Eisenplatte zeigte den im Schilf ausgesetzten winz´gen Moses. War es das Kind, das klagte? War´s der Mond? Wer aber hat den Mond je klagen hören? Es war kein Zweifel, dass ein Stöhnen von der Tür kam“ (S. 387). Debora – eine kleine hässliche Frau trat ein. „es war, als sei der Engel still mit ihr hereingekommen“ (S. 387)
Debora, scheinbar fast blind, fragt nach Alice und Delia antwortet mit: „Ja“. Dann stürzt sie zur Tür hinaus, entsetzt, denn sie weiß: Der Mond „war es, der gesprochen hat, nicht ich“ (S. 388).
Aug in Aug
Delia gelangt wieder zum alten Friedhof. Sie trifft auf Bozz. Sie sagt ihm alles, was sie am Tisch hinter der Trennwand gehört hat. Delia fordert das Eigentum von Debora Schwarz an sie zurück. Bozz droht. Sie droht zurück, auch mit ihrem Wissen über Dr. Brill.
Rupertus Sohn
Delia trifft auf den jungen Mann mit der Baskenmütze, der ihr am Anfang ihrer Wanderung schon einmal begegnet war. Er hatte sie gesucht. Er drängt sie, miteinander zu reden. „Ich weiß nicht, was ich mit dem Schwiegersohn des Herrn Bozz zu reden haben soll“ (S.393) Sie erzählt von Dr. Brill. Sie muss immer wieder lachen und er ist beglückt. Sie unterhalten sich über ihre weiteren Nachmittagsbegegnungen. „Ach“, seufzt sie, „ich fürchte jetzt, dass meine Toten mit mir unzufrieden sind“ (S.395). Sie erzählt von Rupertus. Sie sprechen über die Bewohner im Wald. Auf Nachfrage Delias gibt sich der junge Mann als Rupertus Sohn zu erkennen. Erst ist sie sprachlos, dann freut sie sich und steckt ihn mit ihrer Freude an. Er erzählt, dass er sich unbeliebt gemacht hat, da er behauptet hat, dass das Haus im Wald kein fremdes Haus für Delia und ihren Vater ist. Und auch er stellt fest, dass sich die Toten etwas wünschen. Sie antwortet: „Sie sehnen sich nach Liebe“ (S. 397). Er berichtet, dass heute der Hauskauf von statten gehen soll und dass er da nicht mitmachen wird. Und er wird sich nicht mit der Tochter von Herrn Bozz verloben. Er schildert das öde Leben im Rupertushaus, im Hause Bozz sei es lebendiger gewesen. Nun aber wisse er Bescheid. Er drängt, zur Waldschänke zu gehen. Seine Familie sei schon über seine Entscheidungen unterrichtet. Er werde auch nicht bei Bozz als Teilhaber in der Firma arbeiten. Sein Gepäck warte schon am Bahnhof, um abzureisen. Delia ist bedrückt, „man wird jetzt mir die Schuld an allem geben“. „Sie sind natürlich schuld. Als ich sie sah, kam alles in Bewegung“. „Das Denken?“ „Das Denken nicht, das Herz“ (S.400).
Beide wissen, dass Bozz ihnen auf den Fersen ist. Aber Delia stürzt und sie müssen noch einmal im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ einkehren.
Die Parzen
In der Schenke treffen sie auf drei Flüchtlingsfrauen. Rupertus Sohn jedoch kommt mit den Parzen ins Gespräch. Delia möchte angesichts der schmerzenden Knie „den Schnaps doch trinken, den der Mann im Mond (…) empfohlen“ hatte (S. 403). „Der Mann im Mond?“ „Ich habe vorhin erst mit ihm gesprochen“ (…) „Er sagte, dass ich auf dem Heimweg nicht allein sein würde“ (S.403/404).
Dieser Fremde war vor nicht allzu langer Zeit gegangen und Delia will ihm jetzt nach. Sie erzählt, dass sie glaube, dass dieser Mann vielleicht mehr weiß über die Tochter von Debora Schwarz. Delia: „Ich habe das Gefühl, dass er mir etwas mitzuteilen hat“ (S. 405). Sie habe keine Angst vor dem Wald, auch wenn Kätha Minz erzählt, dass es dort spuke. Rupertus Sohn drängt zum Aufbruch.
Spuren im Moos
Sie gehen Richtung Wald. Delia beobachtet die Vorgärten der Villen und ihre Bewohner. Rupertus Sohn ist ständig abgelenkt und denkt an Delia. Sie aber nimmt die Schönheit der Natur wahr. Sie entdeckt Spuren von breiten Sohlen und ist sich sicher, dass sie dem Mann aus dem Mond gehören. Er hatte sich durchs Gebüsch gezwängt, wie es Delia auch immer tut. Sie erzählt, dass Kätha Minz ihr das Pilze sammeln im Wald immer übelnimmt. Rupertus Sohn empfindet Delia wie ein Kind, sie berührt einen Baum, beobachtet die zwei Tauben, die sie beglücken. Sie sprechen über das Gefühl der Liebe und Delia will den Spuren durchs Gebüsch folgen. Der Mond scheint und Delia erinnert sich an einen Keller, in dem sie Schutz auf der Flucht fanden. Sie flohen weiter bis die Mutter (…), weiter erzählt Delia nicht. Delia aber erkennt, wohin die Spur am Boden führt.
Der Waldpavillon
Sie erreichen einen Pavillon. Er hilft ihr durch Ginster, Heidekraut und Büsche. Sie gehen in den Pavillon, finden aber zu Delias Enttäuschung nicht den Mann aus dem Mond. Eine Taubenfeder sieht Delia als gutes Zeichen für sich und ihn. Er erinnert sich an ein Kind in einem roten Jäckchen. Die Vorstellung an das Mädchen quält ihn. Delia hatte früher auch als Kind ein rotes Jäckchen getragen. Plötzlich steht ein Hund vor ihnen, ergreift aber die Flucht. Rupertus Sohn fürchtet, dass der Mann ihm Mond ihm nicht geneigt sei. Er erzählt von der Zerstörung der Stadt und über allem hatte der Mond gestanden „zur Verewigung der Schuld entschloßner Zeuge“ (S.416)
Dort hatte Delia auch ihre Mutter verloren. Als sie ihn anfleht, die Tür des Pavillons aufzuhalten, erkennt er die Wahrheit. Sie hatten damals gemeinsam in demselben Keller gesessen. Delia: „Heißen Sie Felix? Der eine der Soldaten wurde so genannt“. „Ich heiße Felix (…)“. Delia: „Wenn Sie die Tür geöffnet hätten, würde meine Mutter noch am Leben sein“ (S. 417).
Nun ist beiden klar, dass es keinen Weg mehr zueinander gibt.
Die Perle
Felix ist gegangen. Delia bleibt allein zurück. Sie geht nun durch den Wald. Im Orchideengrund findet sie einen „verwachsnen Knaben“, der Gras und Moos durchschnüffelte (S. 419).
Delia findet eine Perle aus Glas. Der Junge besteht darauf, den „Stein“ zu bekommen, der der Minz gehört. Dann plötzlich erkennen sie die dunkle Silhouette eines Mannes auf dem Berg stehend und der Junge flieht.
Delia weint
Als sie zur Waldschenke kommt, hat ihr Vater schon auf sie gewartet. Er spricht sie mit Elisabeth an. Sie fühlt sich verlassen. Er beruhigt sie, er meine immer nur sie. Der Vater erzählt, dass die Minz überfahren wurde. Delia spricht vom Mann aus dem Mond, der es „vorausgewußt“ hat (S. 422).
Sie erzählt, dass sie alles für den Vater erlebt hätte. Auch der Vater erzählt, was sich zugetragen hat. Nun ist „Binge“, der Hund im Haus. Die Treppe knarrt. Der Hund scheint sie oben zu bewachen. Sie erzählen sich gegenseitig von ihrem Wissen um Dr. Brill. Der Vater schildert, dass auch die Mutter damals dachte, dass sich Brill ein Raubtier hält. Er ergänzt, dass die Mutter damals auch in Rupertus Haus war. Delia weint. Der Vater vermutet nach den Schilderungen, dass Delia unglücklich verliebt ist.
Die schwarzen Schuhe
Der Vater schildert nun den ganzen Tagesablauf. Das, was er erlebt hatte, quäle ihn, weil es grundlos und gespenstisch sei. Ein eleganter Wagen mit einer Dame und einem Herrn habe die Minz überfahren, danach sei man gleich ins Krankenhaus. Und „der aprikosenfarbene Mond sah grinsend zu“ (S. 427). Delia wirft ein, dass sie ihren Weg heute aus Liebe gegangen sei und nicht, um sich vom Vater zu entfernen. Der Vater erzählt weiter von einem Streit zwischen der Minz und ihrer Schwester. Er selbst hatte Enten betrachtet, was der Minz missfiel. Die Dorst und die Minz streiten sich anschließend im Haus weiter, sie werfen einen Schuh und zerschlagen Gläser. Die Begräbnisschuh, die die Dorst die ganze Zeit geputzt hatte, hat die Minz anschließend in den Teich geworfen und sie schickte den Hund auf Xander und Dorst los, was dieser aber nicht tat. Dann tauchte ein koboldhafter Knabe auf mit Fliegenpilzen gegen Ungeziefer. Im Schankraum schien es Xander inzwischen so, als lebten die ausgestopften Tiere. Der Kobold verstand sich gut mit der Minz, sie hatte ihm Wein und Brot gegeben. Der Knabe verschüttete Xanders Wein, die Minz schützte den Kobold vor Xander. Sie hat ihn auf den Armen hinausgetragen.
Delia unterbricht den Vater. Sie behauptet, dass sie angesichts Binge Gefangene sind. Dann fliegen Steine durchs Fenster. Binge rührt sich vor der Tür nicht. Delia will warten, bis es morgen ist. Sie erzählt von Rupertus Sohn und die dazugehörige Geschichte. Der Vater beschwichtigt: Sie selbst hätten damals auch schuldig werden können. Sie endet: „Da war im Wald ein Tippelbruder, was er gesagt hat, wird geschehn (…). Wenn wir wollen, wird noch alles gut. Wir dürfen immer noch dem Mond vertraun“ (S. 435)
Der fremde Gast
Delia schläft ein. Als sie erwacht, erzählt der Vater von einem fremden Wanderer, dessen monotone Stimme mit ungeheurem Rauschen unterlegt war, so ähnlich, wie sie es jetzt gerade hören. Als der Fremde zur Tür hereingekommen war, sei alles in Silber getaucht gewesen. Xander beschreibt, dass es gewesen sei, als sei der Mond herabgestiegen, um sich in der Taverne zu erfrischen. Delia erzählt, dass alles im Haus für das Verlobungsfest vorbereitet werden sollte, ebenso wie der gleichzeitige Hausverkauf. Dass das jetzt vorbei sei, da der Neffe sie kennengelernt hatte.
Xander erzählt weiter, dass der Fremde ihm zugelächelt hatte. Der Fremde schien nicht ohne Absicht gekommen zu sein. Die Minz hatte sich aufgeregt und Xander war es gewesen, als sei die Luft mit Geschrei erfüllt als Minz die Arme hochgeworfen hatte. Der Fremde hatte Wein verlangt, die Minz wollte nichts geben, die Dorst schenkte Rotwein ein, den der Fremde dann auf den Tisch geschüttet hatte, bezahlte, wollte sein Wechselgeld und die Dorst hatte gefragt: „Josef, was hast Du gegen uns nach soviel Jahren?“ (S. 439)
Er aber malte daraufhin einen Mond mit Kreide in allen seinen Phasen an die Tür und sprach, dass sie im letzten Viertel seien. Er ist dann gegangen und die Minz ist ihm nachgestürzt. Nach Xanders Schilderung schwebte sie fast, die Arme hätten sich wie Flügel bewegt und als sie die Fahrstraße erreicht hatte, war der Wagen gekommen, der sie überfuhr. „Ich habe nie den Mond so riesenhaft gesehn“. Delia: „Das war, als er hineinging“ (S. 439).
Hexentanz
Der Teich erscheint im Morgengrauen wie ein großer See. Unten im Haus wird es lebendig. Aus dem Nebel tauchen drei hexenhafte alte Frauen mit Ginsterbesen auf. Sie kehren vor dem Haus – es scheint, als ob sie tanzen. Delia fragt sie, was sie machen. „Wir kehren, weil sie heute kommt“ (S. 441)
Delia meint daraufhin, dass die Minz nicht mehr kommen kann. Sie erwähnt Binge. Diese sei im Wald, sagen die Frauen und betreten das Haus. Sie trinken Wein und kehren die Stube. Delia reißt einen Besen an sich und kehrt ihrerseits. Sie geht in Käthas Zimmer. Sie findet eine Kette, ähnlich der, die ihre Mutter getragen hatte. Sie stammte von Alice Schwarz. Delia sieht, dass der Kette eine Kugel fehlt, genau die, die sie am Vortag gefunden hatte. Es ist ihr klar, dass das Alice Kette sein muss, denn sie hatte für sich den gleichen Schmuck wie für die Mutter. Delia geht zum Vater. Der sitzt und schreibt Delias Erlebnisse auf. Sie spricht von der Kette, sie geht hinunter, um sie zu holen, aber sie ist weg.
Die Botschaft
Delia geht aus dem Haus und bewundert die Natur. „Natur will, dass auch wir vergessen“ (S. 445). Sie sieht den Mond. „Und hatte jener Fremde nicht gesagt, dass Liebe auch den Mond bewegt?“ Er würde Delia ein Zeichen senden. Sie geht mit Angst durch den Wald und auf den Höhenweg. Dann sieht sie den Postboten. Auch ein Brief für sie ist dabei. Debora Schwarz hat ihr geschrieben. Sie hat sie damals im Hause erkannt, aber hoffe, dass Alice sie gesandt hat.
Delia geht zu ihrem Vater zurück. Der Vater betrachtet sie, „sie ist doch wirklich mit dem Mond im Bund!“ (S. 446)
Delia legt den Brief auf seinen Tisch.
„Dann nimmt sie ihm die Feder aus der Hand und schreibt auf einen großen, weißen Bogen den Titel seines neuen Buches: MANN IM MOND“ (S. 447)