Staub aus der Sahara
- Staub_aus_der_Sahara_Originaltext.pdfDownload 183 MB
Staub aus der Sahara
Inhaltsangabe
Im Stück „Staub aus der Sahara“ von Martha Saalfeld, welches im Jahr 1932 veröffentlicht wurde, geht es um die Figuren Anne, Robert, Marcel und Pierre, die sich in Annes Haus im Maastal treffen. Im Mittelpunkt des Liebesdreiecks steht Anne, welche von Robert und Marcel umgarnt wird. Marcel, ein Mann, welcher durch seine Ängstlichkeit auffällt, seine Angst vor dem Tod nicht verstecken kann und existenziellen Zweifeln geplagt wird, teilt die Nachricht, dass eine tödliche Bedrohung durch Zinkoxydgase bevorsteht. Diese Gase sollen aus der nahegelegenen Zinkfabrik an der deutsch-belgischen Grenze austreten und die Luft vergiften. Aufgrund dieser Tatsache ist Marcel davon überzeugt, dass diese Nacht ihre letzte sein wird und versucht Anne zu überzeugen, ihre letzten Momente miteinander zu teilen. Robert, der mutige Herr, präsentiert sich dagegen eher als pragmatischer und bodenständiger Charakter, welcher nicht davor zurückschreckt, dem Tod in die Augen zu sehen. Im Verlaufe konfrontieren sich die Herren gegenseitig mit ihren Schwächen und konkurrieren um Annes Zuneigung. Später tritt Pierre, der fromme Jüngling, hinzu, was zur Folge hat, dass sich das Gespräch in eine noch philosophischere Richtung entwickelt.
Als die Fenster abgedichtet sind, suchen die Figuren trotz der scheinbar aussichtlosen Lage noch nach Hoffnung, indem Marcel von Anne aufgefordert wird, die Geschehnisse in Textform zu bringen. Gleichzeitig ist es Robert, der sich immer weiter mit der unvermeidlichen Situation des bevorstehenden Todes auseinandersetzt. Während Marcel sich immer weiter in dem Gedanken und der Angst vor dem Tod verliert, versucht er trotzdem, Anne für sich zu gewinnen. Pierre, welcher zwischenzeitlich Annes Haus verlassen hat, kehrt zurück und berichtet, dass er sich, nachdem er sich von der Idee gelöst hat, ein Opfer zu sein, besser fühlt. Aufgrund der immer noch präsenten Bedrohung durch die vergiftete Luft ist die Stimmung nach wie vor angespannt. Später erscheint Pierre mit einer Gasmaske, was die Situation noch dramatischer macht, da Anne, Marcel und Robert der Meinung sind, dass ihn diese entmenschlicht. Bis zum Schluss sind die Figuren mit der Atmosphäre der Unsicherheit und der Angst sowie dem Zinkoxyd konfrontiert. Zum Ende setzen sich Anne und Marcel nochmals mit ihrem Gefühlen zueinander auseinander, was darin mündet, dass Anne sich wiederholt mich ihrer Sehnsucht nach Leben beschäftigt. Marcel macht es sich währenddessen zum Ziel, Anne von der Sinnlosigkeit gegen ihren innneren Widerstand zu überzeugen, indem er sich ausdrücklich gegen das Tragen der Gasmaske wehrt. In einem Zustand der Unentschlossenheit seitens Marcel und Anna aus unterschiedlichen Motiven endet das Stück ohne Auflösung.
Inhaltszusammenfassung der Akte
Akt 1
Die erste Szene findet in einem saalartigen Zimmer in Annes Haus statt, das im Maastal liegt. Anne und Robert befinden sich in einem Gespräch, in dem sich schnell herausstellt, dass Anne sich in einem emotionalen Zwiespalt befindet. Als Robert sie mit dieser offenkundigen Unentschlossenheit konfrontiert und von ihr fordert, dass sie sich zwischen ihm und Marcel entscheiden soll, wächst der Druck auf Anne. Robert und Marcel sind Männer, die Anne regelmäßig in ihrem Haus besuchen und um ihr Herz buhlen. Robert, der sich sonst mutig und pragmatisch Zeit, ist über Annes ausbleibende Entscheidung frustriert und drängt sie weiter zu einer Offenbarung ihrer Gefühle, indem er Marcel, den jungen Dichter, der einen Hang zum Schwermut und der Angst vor dem Tod aufweist, ausredet. Anstatt sich gegen diesen zu entscheiden, verteidigt Anne ihn jedoch, indem sie auf seine Sensibilität und sein tiefgründiges Wesen verweist, mit welchem er die Welt betrachtet. Dies unterstreicht die Unterschiede zwischen Robert, der den Herausforderungen der Welt mit Stärke und Entschlossenheit begegnet und Marcel, welcher von Angst und Zweifeln getrieben ist, hervor. Als Marcel das Haus betritt, ändert sich die Stimmung. Seine Zerstreutheit und aufgewühlte Art münden in einer Diskussion über die Vergänglichkeit des Lebens. Als sich herausstellt, dass Marcel in diesem Zustand versucht, die anderen vor einer unheilbaren tödlichen Krankheit zu warnen, kündigt er an, dass dieser Abend der letzte sein könnte. Seine mysteriösen und unbegründeten Anspielungen sowie sein bekannter Hang zur Angst und Sorge verstärken die Spannungen zwischen den beiden Männern. Pierre, der fromme Mann, kommt wenig später zur Gruppe dazu und bringt eine weitere Dimension in die ohnehin schon komplexe Dynamik der Konstellation. Seine eher fromme und naive Weltsicht stehen in einem starken Kontrast zu den anderen Figuren, besonders zu Marcel. Die Ankunft Pierres führt zu weiteren Diskussionen über den Glauben, den Tod und die Suche nach dem Sinn des Lebens in einer zunehmend unsicheren Welt.
Akt 2
Im zweiten Akt von Saalfelds Stück wir die bedrohliche Atmosphäre weiter ausgebaut und die introspektiven Auseinandersetzungen intensiviert. Der Schauplatz bleibt erhalten, doch die Stimmung hat sich deutlich verändert. Nun wurden die Fenster mit Matratzen und Kissen abgedichtet, um das Eindringen des schädlichen Zinkoxydgases zu verhindern, das eine unsichtbare Bedrohung für die Anwesenden darstellt. Die physische Isolation verstärkt die bereits vorhandene metaphorische Isolation der Figuren und die Intensität ihrer Auseinandersetzungen. Der Beginn des Akts gleicht einer alltäglichen Szene. In dieser versucht Anne, Robert zum Essen zu bewegen und Marcel scheint in tiefer Trauer. Schnell wird jedoch klar, dass die allgegenwärtige Bedrohung durch das Zinkoxyd sämtliche alltäglichen Aktivitäten der Figuren beeinträchtigt. Dadurch scheitern sowohl die Nahrungsaufnahme, das Trinken als auch die Kommunikation untereinander. Deshalb strebt Pierre an, eine gewisse Normalität zurückzugewinnen, indem er nach trostspendenden Worten sucht. Allerdings muss er erkennen, dass die Lage unhaltbar scheint.
Die individuellen Reaktionen auf diese Krise werden im weiteren Fortgang der Handlung verdichtet. Marcel leidet unter der Schwierigkeit, seine Empfindungen in Worte zu fassen, die der Situation entsprechen würden. Im Schreiben sieht er eine Möglichkeit, dem Unausweichlichen entgegenzutreten, doch seine Kreativität ist beeinträchtigt. Anne, die zwischen Hoffnung und Resignation schwankt, fordert Marcel auf, seine Gedanken und Gefühle festzuhalten, als könnte das Schreiben eine Brücke zwischen dem Unverständlichen und der realen Welt schlagen. Robert dagegen zeigt eine andere Form der Verzweiflung, denn er erkennt keinen Ausweg. Seine bis dahin dargestellte Entschlossenheit weicht nun einer stoischen Gelassenheit. Die Erkenntnis, dass weder Mut noch Pragmatismus gegen eine unsichtbare Bedrohung helfen können, führt ihn in eine existenzielle Krise, die er kaum überwinden kann. Pierre steht mit seinen Empfindungen im Kontrast zu den anderen Figuren, da sein Glaube, der ihn bisher getragen hat, wird nun hinterfragt. Seine Bemühungen in Form körperliche Betätigung, das zu einer tiefen Atmung und folglich zur Rückerlangung von Kontrolle führen soll, wirkt eher naiv und verzweifelt. Doch gerade in dieser Naivität liegt eine Art von Widerstand gegen die ihm begegnende Ablehnung, die die anderen Charaktere an den Tag legen.
Akt 3
Der abschließende Akt des Stücks führt die emotionale Stimmung der vorherigen Akte fort und steigert die Intensität der existenziellen Auseinandersetzung der Figuren auf einen dramatischen Höhepunkt. Inmitten der anhaltenden Bedrohung durch das weiterhin vorhandene Zinkoxyd und der isolierten Lage im Maastal entwickelt sich die Handlung weiter und treibt die Charaktere in ultimative psychologische und emotionale Grenzbereiche. Pierre tritt zu Beginn des Aktes mit einer Gasmaske auf, ein verstörendes Symbol für die Angst vor der unsichtbaren Gefahr. Diese Maske verleiht ihm ein monströses Aussehen und ist ein visuelles Symbol für Entfremdung und Transformation. Die Maske, die sowohl Schutz als auch Barriere darstellt, rückt in den Mittelpunkt des Konflikts zwischen Pierre und Anne.
Anne, die vorher zwischen Hoffnung und Resignation schwankte, reagiert auf Pierres Anblick mit Faszination und Furcht. Ihre Interaktion offenbart tiefe Verwerfungen in ihren Beziehungen und Weltanschauungen, die durch die vorhandene Krise intensiviert werden. Auf ihrer Suche nach menschlicher Nähe kämpft Anne nun gegen Einsamkeit und Sehnsucht, während sie gleichzeitig die Unmöglichkeit einer echten Verbindung angesichts der überwältigenden Bedrohung erkennt.
Marcel, dessen literarische Sensibilität und Angst vor dem Tod den Kern seiner Persönlichkeit bilden, befindet sich nun in einem Zustand der vollkommenen Lähmung. Die Kreativität, die bis dahin sein Mittel zur Bewältigung der Welt diente, scheint völlig verloren gegangen zu sein. Angesichts der Bedrohung durch das Zinkoxyd, erweist sich seine Suche nach Bedeutung und Trost in der Kunst als erfolglos. Als die Grenzen zwischen Selbstschutz und Selbstverleugnung verschwimmen, wird seine hoffnungslose Lage deutlich. Es folgt eine intensive Auseinandersetzung mit der Gasmaske und den damit verknüpften Gefühlen von Sicherheit und Isolation. Dies mündet in einer intensiven emotionalen und philosophischen Reflexion. Es werden Fragen nach dem Wert und Sinn des Lebens, der Natur des menschlichen Zusammenhalts sowie der Rolle des Glaubens in Krisenzeiten gestellt. Während die Bedrohung von außen, in Form des Zinkoxyds, immer bedrohlicher wird, kämpfen die Figuren mit ihren tiefsten Ängsten und Wünschen. Schienen die abgedichteten Fenster des isolierten Hauses im Maastal zu Beginn noch als Schutz, werden sie nun immer mehr zum Symbol der Gefangenschaft der Figuren. Es scheint unmöglich, aus der Situation zu entfliehen, was in Fragen und einer Auseinandersetzung bezüglich der eigenen Sterblichkeit mündet. Abschließend philosophieren die Figuren über ein Leben in Würde und die Bedeutsamkeit eines würdevollen Todes.