Unsere RPTU Story

Erfolgreich gründen: Von der ersten Idee zum eigenen KI-Start-up

Zwei junge Männer nebeneinander
„Wir verhelfen Unternehmen zu zuverlässigen Lieferketten“: RPTU-Absolventen Markus Heidt (links) und Daniel Antonatus haben das erfolgreiche KI-Start-up "Crateflow" gegründet. Foto: RPTU, Thomas Koziel

Viele Studierende und Nachwuchsforschende tragen Ideen in sich, die das Potenzial für ein Start-up haben – wissen aber nicht, wie der erste Schritt gelingen kann. Wie aus einer anfänglichen Idee ein erfolgreiches Unternehmen wird, zeigt das Beispiel von Crateflow. Das Start-up wurde von Absolventen der heutigen RPTU gegründet und verbindet technisches Know-how mit unternehmerischem Mut.

„Wir verhelfen Unternehmen zu zuverlässigen Lieferketten“, bringt Gründer Markus Heidt das Geschäftsmodell seines Start-ups Crateflow auf den Punkt. Gemeinsam mit Mitgründer Daniel Antonatus hat er eine KI-gestützte Plattform zur Bestandsoptimierung und Lieferkettenplanung auf den Markt gebracht. Die Idee dahinter klingt simpel, ist aber sehr wirkungsvoll: In einem Lager soll genau so viel Material liegen, wie tatsächlich gebraucht wird – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Crateflows KI-Plattform wertet dafür historische Verkaufsdaten, Kundenverhalten und externe Einflussfaktoren aus, prognostiziert die Nachfrage über die gesamte Lieferkette hinweg und erkennt frühzeitig Anomalien wie plötzliche Nachfrageschwankungen. Der Effekt ist messbar: „Rund 30 Prozent der Lagerbestände lassen sich so einsparen, gleichzeitig steigern Unternehmen ihren Umsatz um etwa 20 Prozent“, sagt Markus Heidt.

„Rund 30 Prozent der Lagerbestände lassen sich so einsparen, gleichzeitig steigern Unternehmen ihren Umsatz um etwa 20 Prozent“, sagt Markus Heidt über die Vorteile der KI-Plattform von Crateflow.

Besonders attraktiv ist das Angebot für produzierende mittelständische Unternehmen – etwa Automobilzulieferer oder Kunststoffproduzenten. „Diese produzierenden Mittelständler tragen die großen Unternehmen und damit die Industrie insgesamt“, betont Markus Heidt, wohlwissend, dass Crateflow damit in das Herz der deutschen Wirtschaft trifft.

Vom internen Problem zur eigenen Geschäftsidee

Die Gründungsidee entstand nicht im Hörsaal, sondern in der Praxis. Markus Heidt ging nach seinem Informatikstudium an der heutigen RPTU zunächst in die freie Wirtschaft und arbeitete als Data Scientist bei einer großen deutschen Supermarktkette. Dort beschäftigte er sich genau mit den Fragen, die inzwischen den Kern von Crateflow ausmachen: Welche und wie viele Produkte sollten wann im Lager abrufbar sein?

Dabei erkannte er ein enormes Optimierungspotenzial – und die Chance, daraus ein eigenes Unternehmen zu entwickeln. Für die Gründung holte er einen Studienfreund mit an Bord: Daniel Antonatus, Absolvent der Betriebswirtschaftslehre. Gemeinsam entschieden sie sich, ein EXIST-Gründungsstipendium zu beantragen, um die frühe Phase ihrer Selbstständigkeit finanziell abzusichern.

Mit fachlicher Begleitung gründen

Für den Antrag benötigten sie einen Mentor – und klopften dafür im Jahr 2024 an die Tür von Dennis Steininger, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Entrepreneurship an der RPTU. „Es wird gern gesehen, wenn es sich um einen fachlichen Mentor handelt“, berichtet Steininger aus seinen Erfahrungen heraus. Die Idee des KI-Start-ups passte thematisch ideal zu seinen Forschungsfeldern Entrepreneurship und digitale Innovationen.

Daniel Antonatus kannte Steininger bereits aus dem Studium – insbesondere aus Lehrveranstaltungen, die auf Gründungen im digitalen Umfeld vorbereiten. „Ich will Studierende motivieren, das Gründen zunächst in einem geschützten Rahmen auszuprobieren“, erläutert Steininger die Intention eben jener Lehrveranstaltungen. Dennis Steininger ist zugleich einer von zwei Gründungsbotschaftern für die Wirtschaftswissenschaften an der RPTU. Das heißt: Er sorgt im Fachbereich für die Sichtbarkeit des Themas „Gründung“ bei Studierenden und bei Mitarbeitenden.

Erfolgsfaktor Team: heterogen, motiviert, komplementär

Was braucht es zum erfolgreichen Gründen? Für Dennis Steininger ist die Antwort klar: „Begeisterung für das, was man tut – und ein kleines, heterogenes Team.“ Zwei bis drei Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen seien ideal. Crateflow ist dafür ein gutes Beispiel: Während Markus Heidt als CEO Produkt, Vertrieb und Strategie verantwortet, kümmert sich Daniel Antonatus als COO um Finanzen und betriebswirtschaftliche Steuerung.

Zusätzliche Unterstützung erhielten die Gründer durch das Gründungsbüro der RPTU und der Hochschule Kaiserslautern. Über das Gründungsbüro reichten sie auch den Antrag auf das EXIST-Gründungsstipendium ein – mit Erfolg. Für ein Jahr wurde Crateflow durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert. „Die Erfolgsquote bei der Bewilligung von EXIST-Gründungsstipendien liegt dank der hervorragenden Arbeit des Gründungsbüros mit Katharina Neitzel an der RPTU bei rund 90 Prozent“, betont Steininger – bundesweit seien es lediglich 50 bis 60 Prozent.

„Die Erfolgsquote bei der Bewilligung von EXIST-Gründungsstipendien liegt an der RPTU bei rund 90 Prozent. Bundesweit sind es lediglich 50 bis 60 Prozent.“

Mit der Förderung begann die eigentliche Arbeit: Prototypen entwickeln, Kundenbedürfnisse verstehen, Netzwerke aufbauen. „Ich bin vom Arbeitnehmer zum Arbeitgeber geworden“, beschreibt Heidt seinen damaligen Perspektivwechsel. Während dieser Zeit waren die Gründer am Lehrstuhl von Dennis Steininger angebunden, nutzten die Infrastruktur und erhielten Unterstützung von dessen Team bei organisatorischen und administrativen Fragen. „Wir haben versucht, ein guter Sparringspartner zu sein“, sagt Steininger.

Über Messen wurden erste Kunden gewonnen. Der Ansatz war dabei immer derselbe: zuerst zuhören, das Umfeld und den Bedarf des Kunden verstehen – und dann eine passgenaue Lösung präsentieren. „Crateflow verkauft keine Beratung, sondern eine Software, die die Bestandsplanung der Kunden täglich automatisch optimiert – mit messbarem Ergebnis: weniger Kapital im Lager, mehr Lieferfähigkeit“, betont Markus Heidt.

Gestartet sind sie mit Unternehmen aus der Region, inzwischen pflegen sie Kontakte zu Kunden und Investoren bis in die USA. Nach Auslaufen der EXIST-Förderung konnte Crateflow fünf Investoren gewinnen – darunter die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Die Entwicklung spricht für sich: Das Unternehmen ist inzwischen als Crateflow GmbH in Worms ansässig, beschäftigt aktuell zehn Mitarbeitende – und hat noch keinen Kunden verloren.

Tipps für Gründungsinteressierte

Welche Tipps geben die Gründer weiter? Markus Heidt sagt: „Man muss sich trauen, ins kalte Wasser zu springen.“ Wichtig seien aber auch frühzeitiges Netzwerken und die bewusste Wahl der Mitgründer. Letzteres bringt Daniel Antonatus so auf den Punkt: „Wie man sich bettet, so liegt man – schließlich verbringt man sehr viel Zeit miteinander.“

Auch Dennis Steininger ermutigt, Unternehmertum auszuprobieren. Gründen bedeute, anzupacken und vielseitig zu denken: „Man ist ein Zehnkämpfer.“ Außerdem zeigen Studien, dass Gründerinnen und Gründer besonders zufrieden mit ihrer Arbeit sind – vor allem wegen der hohen Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit. Alles Vorteile, die Daniel Antonatus und Markus Heidt bestens zu nutzen wussten: Dank einer guten Idee und ihres unternehmerischen Muts blicken sie in eine vielversprechende Zukunft.

Hier gibt es Unterstützung: Von der ersten Idee zum eigenen Start-up

Das EXIST-Gründungsstipendium unterstützt Studierende, Absolventen und Wissenschaftler aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die innovative, technologieorientierte oder wissensbasierte Geschäftsideen in ein Start-up umsetzen möchten. 

Und als gemeinsame Einrichtung der RPTU und der Hochschule Kaiserslautern bietet das Gründungsbüro allen Studierenden, Mitarbeitenden, Gründerinnen, Gründern, Alumni und Forschungsinstituten umfassende Unterstützung in der Vorgründungsphase.

Zwei junge Männer nebeneinander
„Wir verhelfen Unternehmen zu zuverlässigen Lieferketten“: RPTU-Absolventen Markus Heidt (links) und Daniel Antonatus haben das erfolgreiche KI-Start-up "Crateflow" gegründet. Foto: RPTU, Thomas Koziel