Unsere RPTU Story
Nachhaltigkeit international erforschen: Für die Bachelorarbeit nach Kalifornien
Während sie an ihrer Bachelorarbeit schreibt, ist RPTU-Studentin Sarah Albert in Kalifornien. Dort untersucht sie, wie Wasserknappheit den Weinbau in einer der bedeutendsten Anbauregionen der Welt verändert. Hier berichtet sie, was ihr der Auslandsaufenthalt gebracht hat – und warum sich der Blick über den eigenen Campus hinaus lohnt.
Ein geöffneter Datensatz des California Department of Water Resources, eine Karte mit Weinregionen – und draußen vor dem Fenster die trockenen Hügel Kaliforniens: So sieht der Alltag von Sarah Albert aus, während sie in der San Francisco Bay Area an ihrer Bachelorarbeit forscht. Die Geographie-Studentin im Bachelor of Education schreibt über Weinbau und Wasserknappheit in Kalifornien. Die Region gehört zu den bedeutendsten Weinproduzenten der Welt und kämpft gleichzeitig seit Jahrzehnten mit sinkenden Grundwasserspiegeln – ein Thema, das Sarah Albert nicht loslässt.
Naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen zusammendenken
Weil das Fach naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen zusammendenkt, hat sich Sarah Albert für das Geographiestudium in Landau entschieden. „Es geht immer um verschiedene Aspekte: die ökologischen Prozesse, die gesellschaftlichen Auswirkungen und die politischen Entscheidungen, die damit zusammenhängen“, erklärt sie.
Schon früh im Studium hat Sarah Albert gemerkt, dass sie nicht nur verstehen will, wie Ökosysteme funktionieren, sondern auch, warum politische Entscheidungen schwerfallen, wenn es um Ressourcen geht. Dafür hat sie an der RPTU das richtige Umfeld gefunden – auch im Hinblick auf ihren Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt.
RPTU-Professor betreut sie von Deutschland aus
Prof. Dr. Hermann Jungkunst, Leiter der Arbeitsgruppe Geoökologie & Physische Geographie an der RPTU, begleitet ihr Forschungsvorhaben von Deutschland aus: „Die fachliche Betreuung durch Professor Jungkunst war das Fundament meiner Arbeit und die Voraussetzung für meine Forschung in Kalifornien“, sagt sie. „Auch wenn ich tausende Kilometer entfernt war, hatte ich durchgehend einen verlässlichen Ansprechpartner. Das hat mir Sicherheit gegeben.“
Kalifornien als Labor für Nachhaltigkeitsforschung
Kalifornien ist für ihre Fragestellung ein idealer Untersuchungsraum. Der US-Bundesstaat ist einer der größten Weinproduzenten weltweit und gleichzeitig von jahrzehntelanger Dürre geprägt. „Kalifornien leidet unter chronischer Wasserknappheit und zählt gleichzeitig zu den bedeutendsten Weinregionen weltweit“, sagt Sarah Albert. „Das macht den Staat zu einem echten Labor für Fragen nachhaltiger Ressourcensteuerung.“
„Kalifornien leidet unter chronischer Wasserknappheit und zählt gleichzeitig zu den bedeutendsten Weinregionen weltweit. Das macht den Staat zu einem echten Labor für Fragen nachhaltiger Ressourcensteuerung“, erklärt Sarah Albert zu den Hintergründen ihrer Forschungsarbeit.
Im Zentrum ihrer Analyse steht eine überraschende Erkenntnis: Technische Effizienz allein löst das Problem nicht. Tröpfchenbewässerung und präzise Bewässerungssteuerung können auf einzelnen Betrieben zwar Wasser einsparen. Auf der Ebene ganzer Grundwasserbecken führt das jedoch nicht automatisch zu einem geringeren Gesamtverbrauch – ein Phänomen mit politischen Konsequenzen.
Genau deshalb hat Kalifornien 2014 mit dem Sustainable Groundwater Management Act erstmals verbindliche Obergrenzen für die Grundwasserentnahme eingeführt. Regionen müssen seither nachweisen, dass ihre Grundwasservorkommen langfristig stabil bleiben. Für die Weinbranche bedeutet das tiefgreifende Veränderungen: „Es geht nicht mehr nur darum, effizienter zu bewässern“, sagt Sarah Albert. „Die Betriebe müssen grundlegend überlegen, welche Flächen sie überhaupt noch bewirtschaften können.“
Klimawandel ist allgegenwärtig
Ihr Alltag in Kalifornien ist geprägt von intensiver Literaturarbeit, der Analyse politischer Dokumente und der Auswertung von Behördendaten. Gleichzeitig erlebt sie das Thema ihrer Bachelorarbeit nicht nur am Bildschirm: „Wasserknappheit ist hier kein rein akademisches Thema. Die Menschen reden darüber – in den Nachrichten, in der Politik und im Alltag“, sagt sie.
Die Offenheit, mit der Nachhaltigkeit und Klimawandel in Kalifornien diskutiert werden, hat sie beeindruckt. Neben der Forschung nutzt sie die Zeit, um die Landschaft zu erkunden: Küstenregionen, trockene Innentäler und die Weinhänge des Napa Valley – wenn auch oft aus der Ferne. Für die Geographie-Studentin ist das mehr als Tourismus: „Mein Aufenthalt in Kalifornien hat meinen Blick für geographische Zusammenhänge noch einmal verändert“, sagt sie.
Forschen im internationalen Kontext
Was Sarah Albert in Kalifornien besonders überrascht hat: Wie eng Wissenschaft, Behörden und landwirtschaftliche Praxis miteinander verzahnt sind. Studien werden nicht nur für die Forschung erstellt, sondern fließen direkt in politische Entscheidungen ein.
Gleichzeitig ist die Regulierung stark dezentral organisiert: Jede Region entwickelt eigene Nachhaltigkeitspläne, was zu unterschiedlichen Lösungsansätzen führt. Für Sarah Albert eröffnet das eine neue Perspektive – nicht nur auf Kalifornien, sondern auf die grundlegende Frage, wie Gesellschaften mit knappen Ressourcen umgehen.
Tipps für den Auslandsaufenthalt
Wer selbst einen Auslandsaufenthalt mit Forschungsbezug plant, sollte früh beginnen, rät Sarah Albert. Entscheidend sei vor allem ein klar umrissenes Thema: „Ein präzises Projekt gibt dem Aufenthalt Struktur und überzeugt auch die Betreuenden.“
"Wer selbst einen Auslandsaufenthalt mit Forschungsbezug plant, sollte früh beginnen. Ein präzises Projekt gibt dem Aufenthalt Struktur und überzeugt auch die Betreuenden“, empfiehlt Sarah Albert
Unterstützung bietet das Referat Internationale Angelegenheiten der RPTU, das bei administrativen und organisatorischen Fragen hilft. Für die Finanzierung kommen Programme wie DAAD-Stipendien oder andere Fördermöglichkeiten infrage – je nach Vorhaben und Zielland.
Ihre Bachelorarbeit hat Sarah Albert im Februar 2026 eingereicht. Der Aufenthalt in Kalifornien hat ihr Interesse an umweltpolitischen Fragestellungen vertieft und ihr gezeigt, dass Ökologie, Politik und Wirtschaft in der Praxis zusammen gedacht werden müssen.
Was sie aus Kalifornien mitnimmt, lässt sich nicht in einem Studienverlaufsplan festhalten: der Blick für globale Zusammenhänge, das Vertrauen in die eigene Initiative und die besondere Möglichkeit, ein Thema genau dort zu erforschen, wo es gesellschaftlich verhandelt wird – eine Erfahrung, die kein Seminar ersetzen kann.
Interesse an Nachhaltigkeitsforschung?
Hier gibt es weitere Informationen zum Geographie-Studium an der RPTU. Und hier zur Forschung der Arbeitsgruppe Geoökologie & Physische Geographie, die von Prof. Dr. Hermann Jungkunst geleitet wird: Das Forschungsteam untersucht, wie Umweltfaktoren und Lebewesen zusammenwirken.

