Unsere RPTU Story
Zurück in die Zukunft: Von der Börse ins Fernstudium Quantum Technologies

Als Informatiker, Mathematiker und Leiter eines Teams für quantitative Modelle bei der Deutschen Börse bildet sich Bernhard Milla seit mehr als zwanzig Jahren stetig weiter. Im Fernstudiengang Quantentechnologien an der RPTU knüpft er heute an eine Faszination an, die ihn bereits während seiner Promotionszeit begleitet. Sein Werdegang zeigt, wie wissenschaftliche Neugier und kontinuierliches Lernen einen Berufsweg über Jahrzehnte prägen können.
Als Bernhard Milla 2005 an der heutigen RPTU promoviert, stößt er auf ein Forschungsfeld, das ihn sofort fasziniert: Quantencomputing. Sein Doktorvater Prof. Stefan Heinrich forscht zur Quantenkomplexitätstheorie und begeistert ihn für die Idee, dass sich quantenphysikalische Phänomene eines Tages für völlig neue Formen der Informationsverarbeitung nutzen lassen könnten. Gleichzeitig ist das Gebiet damals noch weit entfernt von praktischen Anwendungen. „Quantencomputing war damals Science Fiction“, erinnert sich Milla.
Für seine Promotion entscheidet er sich deshalb für einen anderen Schwerpunkt: Er möchte nach seiner Zeit an der Universität in die Industrie wechseln und hält ein praxisnäheres Thema für sinnvoller. Die Faszination für das Quantencomputing verliert er jedoch nie aus den Augen.
Ein starkes wissenschaftliches Fundament
Nach seinem Abschluss führt ihn sein Weg zunächst in die Finanzbranche. Er arbeitet in einer Unternehmensberatung im Bereich Financial Engineering, später bei der DZ Bank, anschließend bei BASF und heute in leitender Funktion bei der Deutschen Börse in Frankfurt. Sein Studium sieht er als Basis, um sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten.
„Wissenschaftliche Ausbildung heißt für mich, dass man ein Fundament bekommt, auf das aufbauend man sich in jedes andere Thema einarbeiten kann.“
„Wissenschaftliche Ausbildung heißt für mich, dass man ein Fundament bekommt, auf das aufbauend man sich in jedes andere Thema einarbeiten kann“, sagt er. Ein Leitsatz, der seinen Werdegang prägt. Vieles von dem Wissen, das er in seiner beruflichen Laufbahn benötigt, eignet er sich erst später an. Die analytischen Methoden, das mathematische Denken und die wissenschaftliche Herangehensweise aus Studium und Promotion bilden dabei die Grundlage.
Der richtige Zeitpunkt für eine alte Leidenschaft
Auch nach seinem Wechsel in die Wirtschaft beschäftigt sich Milla regelmäßig mit wissenschaftlicher Literatur und neuen Entwicklungen in seinem Fachgebiet. Während der Corona-Pandemie entsteht dafür plötzlich mehr Raum: Homeoffice, geschlossene Fitnessstudios und ausfallende Konzertbesuche verschaffen ihm zusätzliche Zeit. Gleichzeitig merkt er, wie viel Freude ihm wissenschaftliches Arbeiten nach wie vor bereitet. „Ich habe bis zum Rentenalter noch mindestens zwei Jahrzehnte vor mir. Da habe ich mir gesagt: Vielleicht ist das jetzt der richtige Zeitpunkt, an die Uni zurückzugehen und mein wissenschaftliches Fundament auf den aktuellen Stand zu bringen.“
Für Fernstudiengang an der RPTU entschieden
Auf der Suche nach einem passenden Angebot stößt er auf den Fernstudiengang Quantentechnologien an der RPTU. „Quantum Computing hat mich schon immer fasziniert. Nun war der richtige Zeitpunkt für das Studium gekommen“, sagt er.
Der weiterbildende Masterstudiengang verbindet Inhalte aus Physik, Mathematik, Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnologie. Im Mittelpunkt stehen die Themenfelder Quantenkommunikation, Quantencomputing, Quantenmesstechnik und Quantensimulation.
Wenn aus Science Fiction Realität wird
Besonders reizvoll findet Milla, dass sich die Quantentechnologien derzeit an einem spannenden Wendepunkt befinden.
„Jahrzehntelang ist die Quantenphysik vor allem eine Grundlagenwissenschaft gewesen. Heute entstehen daraus zunehmend Technologien, die auch außerhalb von Forschungslaboren relevant werden.“
„Jahrzehntelang ist die Quantenphysik vor allem eine Grundlagenwissenschaft gewesen“, erklärt er. „Heute entstehen daraus zunehmend Technologien, die auch außerhalb von Forschungslaboren relevant werden.“ Quantencomputer können nicht grundsätzlich mehr Probleme lösen als klassische Computer. Für bestimmte Probleme können sie Berechnungen jedoch erheblich beschleunigen. Aufgaben, die auf klassischen Rechnern sehr viel Zeit benötigen, könnten dadurch künftig deutlich schneller bearbeitet werden. Anwendungen sieht Milla unter anderem in der Materialforschung, der chemischen Industrie und bei komplexen Simulationen. „Es ist spannend mitzuerleben, wie aus dieser Grundlagenwissenschaft immer stärker eine Disziplin wird, die ganz konkrete, in der Industrie nutzbare Dinge hervorbringt“, sagt er.
Auch für seinen eigenen beruflichen Bereich könnten Quantentechnologien künftig eine wichtige Rolle spielen. Einen beruflichen Neustart plant Milla deshalb nicht. „Ich möchte auf jeden Fall das weitermachen, was ich derzeit tue. Aber auch die Finanzbranche wird sich durch die Quantentechnologien verändern. Da möchte ich vorbereitet sein.“ Mit dem Studium eignet er sich frühzeitig das nötige Wissen an, um diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten.
Studieren zwischen Beruf und Familie
Das Studium absolviert Bernhard Milla parallel zu seiner Führungsposition und seinem Familienleben. Zwei kleine Kinder, Beruf und Fernstudium unter einen Hut zu bringen, sei dabei nicht immer einfach. „Wenn abends meine Kinder im Bett sind, setze ich mich noch einmal hin“, erzählt er. „Dafür braucht es natürlich eine gewisse Selbstdisziplin.“ Wichtig sei es besonders im Fernstudium, dauerhaft dranzubleiben. Dabei helfe ihm auch die Struktur der Universität. „Es hat mich beeindruckt, wie sich die Qualität der Studienmaterialien, die Organisation des Studiums und die Betreuung weiterentwickelt haben.“
Studieninteressierten empfiehlt er vor allem, ihren Interessen zu folgen. Dazu gehörten in diesem Fall Mathematik, Physik und Informatik sowie die Bereitschaft, sich selbst zu organisieren. Der Studiengang eigne sich besonders für Menschen, die sich für mathematisch-naturwissenschaftliche Fragestellungen begeistern.
Eine Begeisterung, die auch Bernhard Milla mitbringt. Was während seiner Promotion noch wie Science Fiction wirkt, entwickelt sich heute Schritt für Schritt in Realität. Für ihn ist das Studium vor allem die Gelegenheit, eine langjährige Faszination weiterzuverfolgen – und das wissenschaftliche Fundament zu stärken, das ihn seit Beginn seiner Karriere trägt.
Weiterkommen mit einem Fernstudium der RPTU
Das Distance and Independent Studies Center (DISC) der RPTU bietet seit 30 Jahren berufsbegleitende, weiterbildende Master- und Zertifikatsstudiengänge in den Bereichen Sozial-, Wirtschafts-, Rechts-, Natur- und Ingenieurwissenschaften im Fernstudienformat an – unter anderem den Master in Quantum Technologies. Zur Realisierung der Angebote arbeitet das DISC mit den Fachbereichen und anderen zentralen Einrichtungen der RPTU, Lehrbeauftragten sowie externen Kooperationspartnern und -partnerinnen zusammen.

