Unsere RPTU Story
Für mehr Inklusion: Forschung trifft Unternehmertum
Wie schafft man es, gleichzeitig zu promovieren, ein Unternehmen aufzubauen, als Content Creatorin tätig zu sein und dabei noch ein klares gesellschaftliches Ziel zu verfolgen? Pauline Langhals zeigt, dass genau das möglich ist – mit viel Leidenschaft, Mut und dem Wunsch, etwas zu verändern.
Pauline Langhals, ehemalige RPTU-Studentin des Förderschullehramts, schlug nach ihrem Studium einen Weg ein, der nicht dem klassischen Muster folgte. Nach ihrem Masterabschluss entschied sie sich gegen den direkten Einstieg ins Referendariat und verfolgt stattdessen gleich mehrere Projekte, die alle ein gemeinsames Ziel haben: mehr Inklusion in der Gesellschaft, insbesondere in der Arbeitswelt.
Aktuell promoviert Pauline als externe Doktorandin an der RPTU am Fachbereich Erziehungswissenschaften. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit inklusiven Unternehmensgründungen und der Frage, wie Menschen mit Behinderungen stärker in Gründungsprozesse und den Arbeitsmarkt eingebunden werden können.
Der Wunsch, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen, führte schließlich zur Gründung ihres eigenen Unternehmens. Gemeinsam mit ihrem Partner baut Pauline Langhals das Sozialunternehmen Incalor auf, das Inklusion nicht nur thematisiert, sondern vorlebt.
Zusätzlich arbeitet sie in Teilzeit als Marketing-Managerin und als Content-Creatorin, indem sie Inhalte für Organisationen wie die Aktion Mensch und MoveRLP erstellt. Ein Alltag, der von außen betrachtet kaum zu bewältigen scheint. Pauline sieht das anders: „Es sind alles meine absoluten Traumjobs. Ich fühle mich privilegiert, mir ein Lebensmodell aufgebaut zu haben, bei dem mir jede einzelne Tätigkeit so viel Spaß macht.“
Fragen nach gesellschaftlicher Teilhabe
Schon während ihres Studiums beschäftigte sich Pauline intensiv mit Fragen gesellschaftlicher Teilhabe. Nach ihrem Masterabschluss im Förderschullehramt stand eigentlich der nächste klassische Schritt bevor: das Referendariat. Doch während viele ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen diesen Weg einschlugen, stellte sich Pauline eine grundsätzliche Frage: Warum haben Menschen mit Behinderungen trotz zahlreicher Bemühungen noch immer deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Ihre Erkenntnis: „Menschen mit Behinderung werden häufig nicht als wirtschaftlich relevante Zielgruppe wahrgenommen. Dadurch werden ihre Potenziale oft unterschätzt.“
Doktorarbeit über inklusive Unternehmensgründungen
Diese Beobachtung wurde schließlich zum Ausgangspunkt ihrer Promotion. In ihrer kumulativen Dissertation untersucht sie verschiedene Aspekte inklusiver Unternehmensgründungen. Langfristig möchte sie mit ihrer Forschung dazu beitragen, konkrete Orientierungshilfen für inklusive Gründungen zu schaffen. Doch die Theorie allein reichte Pauline nicht: „Wenn ich überzeugt bin, dass sich etwas ändern muss, warum versuche ich es dann nicht selbst?“
„Wenn ich überzeugt bin, dass sich etwas ändern muss, warum versuche ich es dann nicht selbst?“
Aus dieser Überlegung entstand ihr Unternehmen. Die Geschäftsidee klingt zunächst überraschend schlicht: personalisierte Kerzen. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein größeres gesellschaftliches Konzept. Die Inspiration kam ursprünglich aus dem privaten Umfeld. Pauline verschenkte gerne individuell gestaltete Kerzen an Freundinnen und Freunde und bemerkte, wie persönlich und besonders solche Geschenke wahrgenommen werden.
Heute produziert Incalor personalisierte Kerzen und arbeitet dabei mit verschiedenen regionalen Partnerbetrieben zusammen. Die Keramikgefäße stammen beispielsweise aus einem Familienunternehmen im Westerwald, das ebenfalls inklusiv arbeitet.
Herausstechend ist in ihrem Betrieb das Verständnis von Inklusion: „Menschen mit Behinderung sollten nicht automatisch die einfachsten Aufgaben übernehmen“, sagt sie. „Inklusion bedeutet für mich, Kompetenzen dort einzusetzen, wo sie am besten zur Geltung kommen.“
„Inklusion bedeutet für mich, Kompetenzen dort einzusetzen, wo sie am besten zur Geltung kommen.“
Ein Beispiel dafür ist ihr Mitarbeiter Joshua. Er unterstützt das Unternehmen unter anderem bei IT-Themen, dem Videoschnitt und technischen Aufgaben. Pauline ist klarer Meinung: „Es wäre verschwendetes Potenzial, wenn jemand mit diesen Fähigkeiten Kerzen ziehen würde.“
Gründungsbüro und EXIST-Women-Stipendium sind wichtige Unterstützung
Auf ihrem Weg zur Unternehmensgründung erhielt Pauline umfangreiche Unterstützung durch das Gründungsbüro von RPTU und Hochschule Kaiserslautern. Auf Empfehlung ihres Doktorvaters, Professor Marcel Veber, besuchte sie zunächst ein Gründerfrühstück. Dort entstanden erste Kontakte, die für die weitere Entwicklung ihrer Idee entscheidend wurden. Es folgten regelmäßige Beratungsgespräche, Unterstützung bei der Crowdfunding-Kampagne, Kontakte zu Netzwerken und Möglichkeiten, das Unternehmen öffentlich vorzustellen.
Auch das EXIST-Women-Stipendium, das Frauen aus der Wissenschaft bei Gründungsvorhaben unterstützt, half dabei, die Idee weiterzuentwickeln. „Ohne diese Unterstützung wären viele Dinge deutlich schwieriger gewesen“, sagt Pauline rückblickend.
Mit Authentizität auf Social-Media erfolgreich
Neben Forschung und Unternehmertum ist Pauline auch auf Social Media aktiv. Ursprünglich begann sie damit, um Aufmerksamkeit für Incalor zu schaffen, und erreichte innerhalb weniger Monate eine größere Community. Dabei ist ihr wichtigstes Learning vor allem eines: Authentizität. Die Menschen interessieren sich für echte Persönlichkeiten und für Eigenarten. Dennoch beobachtet sie die Mechanismen sozialer Medien ebenso kritisch. Reichweite hänge oft von Algorithmen ab, die man kaum beeinflussen könne. Dennoch: Der Vorteil, wichtige Themen wie Inklusion sichtbarer zu machen, überwiegen aus ihrer Sicht.
Ihr Tipp: Nicht jeder Schritt muss perfekt sein
Der Weg war nicht immer einfach für Pauline. Besonders die Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung von Incalor sei eine intensive Zeit gewesen. Das Projekt öffentlich vorzustellen, täglich sichtbar zu sein und darauf zu hoffen, dass genügend Menschen die Idee unterstützen, sei herausfordernd gewesen. „Als die Kampagne vorbei war, hatte ich das Gefühl, jemand hätte den Stecker gezogen“, erinnert sie sich. Trotzdem musste es weitergehen. Das Unternehmen wurde aufgebaut, eine Chance, für die sie bis heute dankbar ist.
Heute blickt sie gelassen auf diese Phase zurück. Eine wichtige Erkenntnis, die sie seitdem erlangt hat: Es muss nicht immer alles perfekt laufen. Für sie gehören ruhigere Phasen und Rückschläge mittlerweile dazu, und die Erwartungshaltung an sich selbst hat sich entspannt: „Früher habe ich mir deutlich mehr Druck gemacht. Mittlerweile weiß ich, dass nicht jeder Schritt perfekt sein muss.“
Was Pauline antreibt, lässt sich auf einen zentralen Gedanken zurückführen: Verantwortung. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Privilegien immer auch die Verpflichtung mit sich bringen, etwas Positives daraus zu machen. „Wenn man die Möglichkeiten hat, etwas zu verändern, sollte man sie nutzen“, sagt sie.
Dieser Gedanke prägt ihre Forschung, ihr Unternehmen und ihr gesellschaftliches Engagement. Für die Zukunft hat sie klare Ziele. Incalor soll sich langfristig als stabiles Unternehmen etablieren und zeigen, dass Inklusion wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Gleichzeitig möchte Pauline ihre wissenschaftliche Arbeit fortsetzen und Unternehmen dabei unterstützen, inklusivere Arbeitsstrukturen aufzubauen. So entsteht ein Weg, der Forschung, Gründung und gesellschaftliche Verantwortung zusammenbringt.
