Unsere RPTU Story
Grenzen überwinden: In der Großregion studieren
Der Masterstudiengang Border Studies verbindet Theorie und gelebte Internationalität. Studierende wechseln regelmäßig zwischen Standorten, arbeiten in mehreren Sprachen und erleben im Alltag, was es bedeutet, Grenzen zu überschreiten – fachlich, kulturell und auf dem Weg zur nächsten Vorlesung.
Wer morgens in Metz in den Zug steigt, sitzt im Pendlerstrom: Berufstätige überqueren täglich die französische Grenze nach Luxemburg, um dort zu arbeiten. Auch Paula Tubbenthal gehört dazu. Während die anderen zur Arbeit fahren, ist sie auf dem Weg zur Uni. „Wir reden im Studium ständig über Grenzen – und gleichzeitig überschreiten wir sie jeden Tag“, sagt sie.
Auch Rebecca Frank kennt diesen Wechsel zwischen Wohn- und Studienort. „Das Pendeln gehört in meinem Studiengang einfach dazu. Aber das Schöne ist, dass ich immer mit Kommilitoninnen gemeinsam fahre und wir die Zeit nutzen, um Texte zu lesen oder etwas für die Kurse vorzubereiten“, erzählt sie.
Beide studieren Border Studies im Master – an vier Universitäten, auf drei Sprachen und in drei Ländern: in Frankreich an der Université de Lorraine, in Deutschland an der Universität des Saarlandes sowie an der RPTU Kaiserslautern-Landau und an der Universität Luxemburg. Hinter dem Studiengang steht die „Universität der Großregion“: Dieser Hochschulverbund von sieben Hochschulen in vier Ländern ermöglicht es, grenzüberschreitend zu studieren und zu forschen.
Über Grenzen: Ein vielfältiger Fachbereich
Was Paula Tubbenthal und Rebecca Frank im Alltag zwischen den Ländergrenzen erleben, ist zugleich ihr Studiengegenstand. Im Master Border Studies geht es um Grenzen in ganz unterschiedlichen Dimensionen: politisch, wirtschaftlich, kulturell und sozial. „Wir beschäftigen uns damit, wie sich Grenzen auf Regionen auswirken und welche Herausforderungen durch sie entstehen. Dazu zählen auch konstruierte Grenzen wie soziale Fragen oder Fragen von Zugehörigkeit“, erklärt Paula Tubbenthal.
„Wir beschäftigen uns damit, wie sich Grenzen auf Regionen auswirken und welche Herausforderungen durch sie entstehen. Dazu zählen auch konstruierte Grenzen wie soziale Fragen oder Fragen von Zugehörigkeit."
Rebecca Frank untersucht in ihrer Masterarbeit die ehemalige innerdeutsche Grenze und analysiert, wie sich Pendelbewegungen zwischen Ost und West entwickelt haben. „Die Grenze wirkt in gewisser Weise bis heute nach“, sagt sie. „Man spricht hier von sogenannten Phantomgrenzen“. Paula Tubbenthals Masterarbeit beschäftigt sich dagegen mit transnationaler Gentrifizierung in Luxemburg-Stadt: Sie erforscht, wie internationale Migration städtische Entwicklungen beeinflusst.
Viele Wege, ein Studiengang
Obwohl die beiden Studentinnen aus unterschiedlichen Fachrichtungen stammen, finden sie im gleichen Masterstudiengang zusammen. „Border Studies sind super interdisziplinär“, erzählt Paula Tubbenthal. Sie selbst hat im Bachelor Raumplanung studiert und sich dabei mit der Zusammenarbeit zwischen Ländern beschäftigt, etwa wenn Infrastruktur oder Bauprojekte über Ländergrenzen hinweg abgestimmt werden. Dabei hat sie festgestellt, dass sie genau in diesem Bereich weiterarbeiten möchte. Als Paula Tubbenthal auf den Master Border Studies stößt, ist die Entscheidung schnell gefallen.
Da die Unterrichtssprache neben Deutsch und Englisch auch Französisch umfasst, entscheidet sie sich vorab für einen Auslandsaufenthalt: „Ich habe mich bewusst entschieden, für ein Jahr nach Frankreich zu gehen. Dort habe ich bei einer tollen Gastfamilie in Tours gelebt und meine Sprachkenntnisse verbessert“, sagt sie. „Ein Auslandsaufenthalt ist aber natürlich keine Voraussetzung für den Master. Bei den Sprachkenntnissen gibt es außerdem auch Spielräume. Es wird zwar in allen drei Sprachen unterrichtet, aber Prüfungsleistungen können zum Beispiel in der Sprache abgelegt werden, in der man sich am wohlsten fühlt.“
"Es wird zwar in allen drei Sprachen unterrichtet, aber Prüfungsleistungen können zum Beispiel in der Sprache abgelegt werden, in der man sich am wohlsten fühlt.“
Auch Rebecca Frank hat schon vor dem Master internationale Erfahrungen gesammelt. Für ein Auslandssemester geht sie nach Spanien und erlebt, wie prägend es ist, in einem anderen Land zu studieren und zu leben. Ihr Interesse an interkulturellen Zusammenhängen verstärkt sich dadurch weiter. „Ich wollte unbedingt etwas Interdisziplinäres und Interkulturelles machen", sagt sie.
Was das im Alltag bedeutet, zeigt sich schnell: An allen vier Universitäten sind die Studierenden vollständig eingeschrieben – mit Zugang zu Bibliotheken, Sprachkursen und anderen Angeboten vor Ort. Vor allem aber treffen sie auf Kommilitoninnen und Kommilitonen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen, zum Beispiel aus Frankreich, Deutschland oder Kamerun. „Man lebt Interkulturalität, man lernt sie nicht nur", sagt Rebecca Frank.
Wie bereichernd diese internationale Ausrichtung ist, erfährt auch Paula Tubbenthal: „In der täglichen Arbeit merke ich immer wieder, dass wir alle aus unterschiedlichen akademischen Kulturen kommen. Auch für inhaltliche Diskussionen ist das bereichernd“.
Grenzforschung mit Praxisbezug
Neben dem Studium sammeln die Studentinnen auch praktische Erfahrungen in internationalen Kontexten. Rebecca Frank arbeitet im Rahmen ihres Praktikums bei der Universität der Großregion im Bereich Kommunikation: Sie erstellt Inhalte für verschiedene Medien, begleitet Veranstaltungen, arbeitet in einem mehrsprachigen Team, in dem Französisch, Englisch und Deutsch oft im selben Meeting wechseln. „Der Arbeitsalltag war genauso international wie das Studium", sagt sie.
Paula Tubbenthal absolviert ihr Praktikum beim European Migration Network in Luxemburg und arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität des Saarlandes in einem grenzüberschreitenden Forschungsprojekt mit. Darüber hinaus eröffnet ihr der Studiengang weitere Möglichkeiten, sich auch international einzubringen. So nimmt sie gemeinsam mit Dozenten und einer Kommilitonin an der Jahrestagung der Association of Borderlands Studies in den USA teil: einer der wichtigsten Fachkonferenzen im Bereich Grenzforschung weltweit. Dort ist sie an einem Beitrag zu alternativen Lehrmethoden in den Border Studies beteiligt, unterstützt durch ein Stipendium der Konferenz. „Das war eine einzigartige Chance, die ich nie vergessen werde“, sagt sie.
Wie sich Perspektiven ergänzen
Erfahrungen wie diese sind es, die den Master Border Studies prägen. „Der Studiengang richtet sich nicht an eine bestimmte Fachrichtung, sondern an Menschen, die sich für internationale Zusammenhänge interessieren und bereit sind, sich auf unterschiedliche Perspektiven einzulassen“, sagt Rebecca Frank.
„Man bringt immer etwas mit, das auch für die anderen interessant ist“, ergänzt Paula Tubbenthal. „Und genau daraus entsteht dieser besondere Austausch.“ Für beide steht am Ende eines fest: Wer sich auf dieses Studium einlässt, lernt Grenzen nicht nur theoretisch kennen. „Man versteht sie danach anders“, sagt Paula Tubbenthal. „Nicht nur aus Lehrbüchern, sondern weil man sie täglich selbst überschreitet: Ob gedanklich, im Kontakt mit Kommilitoninnen oder auf dem Weg zur nächsten Vorlesung.“
Masterstudiengang Border Studies
Der dreisprachige Master wird von vier Universitäten in Deutschland, Frankreich und Luxemburg angeboten und basiert auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen den Partneruniversitäten: Neben der RPTU Kaiserslautern-Landau sind die Université du Luxembourg, die Université de Lorraine und die Universität des Saarlandes beteiligt. Der Studiengang qualifiziert Absolventen durch seine interdisziplinäre Ausrichtung und mehrsprachige Ausbildung für Schlüsselpositionen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Typische Arbeitsfelder liegen in europäischen Institutionen, Regional- und Planungsbehörden in Grenzräumen sowie im internationalen Kultur- und Projektmanagement. Darüber hinaus eröffnen sich Karrierewege in der Politikberatung, bei NGOs, in der Wirtschaft oder in der universitären Forschung und Wissenschaft.
Universität der Großregion: Im Ausland studieren – ganz unkompliziert
Die Universität der Großregion (UniGR) ist ein grenzüberschreitender Hochschulverbund, der Studierenden vielfältige Möglichkeiten für Studium, Mobilität und internationale Vernetzung bietet. Zum Verbund gehören die RPTU Kaiserslautern-Landau, die Université de Lorraine (Frankreich), die Universität Luxemburg, die Universität Lüttich (Belgien), die Universität des Saarlandes und die Universität Trier; die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) ist assoziierter Partner.
Mit dem UniGR-Studierendenstatus können Studis Lehrveranstaltungen an den Partnerhochschulen besuchen und gleichzeitig an ihrer Heimathochschule eingeschrieben bleiben. Zudem erhalten sie Zugang zu Sprachkursen sowie zu grenzüberschreitenden Studienangeboten, die teilweise Doppel- oder Mehrfachabschlüsse ermöglichen.


