Unsere RPTU Story
Lehre neu gedacht: Literatur im Zeitalter von KI

Vom 28.09. bis 02.10.2026 steht an der RPTU die „Woche der Lehre“ im Mittelpunkt: Lehrende, Studierende und Hochschulakteurinnen und -akteure kommen in verschiedenen Veranstaltungen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Perspektiven zu entwickeln und die Hochschullehre von morgen zu gestalten. Wie vielfältig Lehre an der RPTU gelebt wird, zeigt das Engagement von Janin Aadam: Die Dozentin verbindet Literaturwissenschaft und Künstliche Intelligenz (KI) zu einem Lehrkonzept, das aktuelle Herausforderungen aufgreift.
RPTU-Dozentin Dr. Janin Aadam hat im Wintersemester 2023/24 erstmals ein Seminar angeboten, das Lehramtsstudierende auf einen Zustand vorbereitet, der längst Realität im schulischen Alltag geworden ist: Sie entwickelte ein innovatives Lehrkonzept, das KI im Kontext der Literaturwissenschaft auf den Zahn fühlt.
Bereits in ihrer Doktorarbeit hat sich die Literaturwissenschaftlerin intensiv mit Form und Funktion von Lyrik im medialen Zeitalter auseinandergesetzt. „Ich sehe durchaus die Probleme, die KI in der Lehre und im Schulalltag mit sich bringt. Die Vorzüge sehe ich aber auch. Deswegen habe ich mich für einen Ansatz entschieden, der weder alarmistisch noch unkritisch ist“, beschreibt sie ihre Herangehensweise als Hochschullehrende.
„Ich sehe durchaus die Probleme, die KI in der Lehre und im Schulalltag mit sich bringt. Die Vorzüge sehe ich aber auch. Deswegen habe ich mich für einen Ansatz entschieden, der weder alarmistisch noch unkritisch ist.“
Der Wunsch, KI als Werkzeug in der Literaturwissenschaft zu vermitteln, einen kritischen Umgang zu lehren und gleichzeitig spannende Vorzüge ihres Einsatzes herauszuarbeiten, brachte Janin Aadam auf die Idee ihrer später preisgekrönten Seminare. In ihnen hat sie KI nicht nur thematisiert, sondern systematisch in die literaturwissenschaftliche Lehre integriert.
Innovative Lehrformate
Im Seminar „Kollektive Intelligenz? KI und Literatur“ verband die Dozentin technisches Grundlagenwissen mit literaturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Perspektiven. Die Studierenden arbeiteten sich nicht nur in die Funktionsweisen von KI-Tools ein, sondern lernten zugleich, diese kritisch zu hinterfragen.
Technische, ethische und bildungspolitische Fragen
Ein zentrales Element des Seminars war das „KI-WorldCafé“. An vier thematischen Stationen – Chancen, Risiken, Stärken und Schwächen – diskutierten die Studierenden wissenschaftliche Thesen und ordneten Begriffe wie „Bias“, „Demokratisierung von Wissen“, „Bildungsgleichheit“, „Manipulation“ oder „Deepfake“ ein.
Durch die dynamische Struktur des Formats entstanden intensive Gespräche, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar wurden. Die Teilnehmenden lernten, technische, ethische und bildungspolitische Fragestellungen miteinander zu verknüpfen und komplexe Zusammenhänge differenziert zu bewerten.
Mensch oder KI: Wer ist eigentlich der Autor?
Einen besonders anschaulichen Zugang zur Frage nach Autorschaft eröffnete der „Turing-Test der Literatur“. Ausgehend von Alan Turings Überlegungen zur Unterscheidbarkeit von Mensch und Maschine übertrugen die Studierenden das Konzept auf literarische Texte.
Grundlage bildete unter anderem Fabian Navarros „poesie.exe“, ein Band mit KI-generierten Gedichten. Ergänzt durch eigene Experimente – die Studierenden ließen selbst Texte von KI erstellen und stellten sie menschlichen Originalen gegenüber – entwickelte sich eine intensive Diskussion: Woran lässt sich Autorschaft überhaupt noch festmachen? Welche Kriterien tragen noch? Und was bedeutet das für den Literaturunterricht? „Die Irritation, die dabei entsteht, ist didaktisch wertvoll“, sagt die Dozentin. „Sie führt dazu, dass scheinbar selbstverständliche Kategorien neu gedacht werden.“
Wissen, wie die Maschine tickt
„Die Grundlage für diese Art der kritischen Auseinandersetzung ist unbedingt ein Grundwissen darüber, wie KI funktioniert“, ist Aadam überzeugt. Das ist einer der Gründe, warum sie ihre Seminare mit einer Einführung in KI, ihre Funktionsweise und ihre Grenzen beginnt. So schulte sie zu Beginn unter anderem den Blick der Studierenden. „Wenn wir wissen, wie die Maschine tickt, können wir leicht entlarven, wann wir beispielsweise ein KI-generiertes Bild vorgesetzt bekommen.“ Diese Kompetenz zu vermitteln, sieht Aadam als zentrales Element für alle Bereiche, in denen Menschen mit KI konfrontiert sind.
Interdisziplinär denken
Was zunächst im Seminarraum begann, entwickelte schnell eine größere Dynamik. Die dort angestoßenen Diskussionen wurden in weitere Formate getragen – etwa in eine interdisziplinäre Ringvorlesung, die Janin Aadam gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen organisierte. Unter dem Titel des InterAct-Projekts „Weitergedacht – interdisziplinärer Diskurs zum Verhältnis von Wissenschaft und KI“ kamen Beiträge aus Informatik, Philosophie, Psychologie, Germanistik und weiteren Disziplinen zusammen.
KI wird die Bildung weiter verändern
Der Blick richtet sich dabei klar nach vorn: KI wird die Bildung weiter verändern – und damit auch die Anforderungen an Lehrende und Lernende. „Wir müssen lernen, KI sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig ihre Grenzen zu erkennen“, sagt Aadam.
Ihre literaturwissenschaftlichen Seminare zeigen, wie dieser Balanceakt gelingen kann. Die angestoßenen Diskussionen sind deshalb kein abgeschlossener Prozess, sondern der Beginn einer Entwicklung. Wenn KI dauerhaft Teil des Bildungssystems bleibt, wird es entscheidend sein, wie früh und wie fundiert Kompetenzen im Umgang mit ihr vermittelt werden. Die Arbeit von Janin Aadam liefert dafür einen wichtigen Impuls und zeigt, dass aus einzelnen Seminaren Entwicklungen entstehen können, die weit in die Zukunft der Lehre hineinwirken.
Woche der Lehre an der RPTU
Eine Woche voller Impulse für die Lehre von morgen: Vom 28.09. bis 02.10.2026 steht an der RPTU die Woche der Lehre im Mittelpunkt. Lehrende, Studierende und Hochschulakteurinnen und -akteure kommen in verschiedenen Veranstaltungen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Perspektiven zu entwickeln und die Hochschullehre von morgen zu gestalten.
📅 29.09. | Verleihung der Landeslehrpreise
Zwei der begehrten Landeslehrpreise Rheinland-Pfalz gehen an Lehrende der RPTU
📅 30.09. | Tag der Lehre
Unter dem Motto „Gesund lehren – gesund lernen“ stehen Gesundheit, Austausch und neue Perspektiven für Studium und Lehre im Mittelpunkt
📅 02.10. | Summer School Lehre
Die Summer School bietet Raum für Austausch, Vernetzung und neue Ideen, um Bildung für nachhaltige Entwicklung in Studium und Lehre weiter zu stärken
Wir freuen uns auf eine inspirierende Woche voller Austausch, neuer Perspektiven und gemeinsamer Impulse.
