Unsere RPTU Story
Mit dem Humboldt-Stipendium für die Umweltforschung nach Deutschland
Cremes, Medikamente, Babywindeln: Stoffe aus Alltagsprodukten wie diesen gelangen täglich in die Umwelt. An der RPTU untersucht Dr. Ruifang Hu, wie sich das auf Pflanzen, Mikroorganismen und ökologische Prozesse in der Nähe von Gewässern auswirkt. Ermöglicht wird ihre Forschung durch ein Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung, das internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Arbeit an eigenen Projekten in Deutschland eröffnet.
Ruifang Hu ist gerade im Urlaub, als sie auf die Ausschreibung für eine Postdoc-Stelle in Deutschland stößt. Die Stellenanzeige lässt sie nicht los, also öffnet sie diese ein paar Tage später erneut – und stellt fest, dass die Bewerbungsfrist gleich endet: „Ich hatte nur noch 30 Minuten", erzählt sie. „Mir war klar, dass ich die Unterlagen in dieser kurzen Zeit nicht vollständig vorbereiten kann."
Ruifang Hu lädt ihren Lebenslauf trotzdem hoch, schreibt eine kurze E-Mail, erklärt die Situation und klickt auf „absenden“. Jun.-Prof. Dr. Peter Müller, Juniorprofessor für Biodiversität und Ökologie der Pflanzen an der RPTU, meldet sich und lädt sie zu einem Interview ein. „Dann ging plötzlich alles ganz schnell“, erzählt Ruifang Hu. „Im Gespräch wurde klar, dass mein Profil noch besser zu einem anderen Projekt passt. Dr. Müller hat mich an Professor Mirco Bundschuh vermittelt, der zu den Auswirkungen von Schadstoffen auf aquatische Ökosysteme forscht.“ Mirco Bundschuh schlägt Ruifang Hu schließlich für ein Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung vor – und sie erhält das Stipendium.
Stipendium ermöglicht Forschung in Deutschland
Das Henriette-Herz-Scouting-Programm, über das Hu gefördert wird, ist ein besonderes Format innerhalb der Alexander von Humboldt-Stiftung: In diesem Programm werden internationale Forschende nicht über das reguläre Bewerbungsverfahren ausgewählt, sondern von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland gezielt vorgeschlagen. Die Stiftung, die seit Jahrzehnten internationale Wissenschaftskooperationen fördert und heute ein Netzwerk von 30.000 Forschenden weltweit unterhält, unterstützt die Geförderten monatlich finanziell sowie mit zusätzlichen Leistungen wie Sprachkursen.
Das Forschungsstipendium bedeutet für Ruifang Hu vor allem eines: die Freiheit, ihrer eigenen Forschung nachzugehen. „Ich kann mich auf meine Fragen konzentrieren und mein Projekt ohne finanziellen Druck weiterentwickeln", sagt sie. Gleichzeitig wird sie Teil eines internationalen Netzwerks. „Dass ich nach Deutschland kommen und Forschende mit ganz unterschiedlichen Hintergründen treffen kann, ist eine große Chance“, sagt sie. „Das bringt viele neue Perspektiven.“
„Dass ich nach Deutschland kommen und Forschende mit ganz unterschiedlichen Hintergründen treffen kann, ist eine große Chance. Das bringt viele neue Perspektiven“, berichtet Ruifang Hu über ihren Aufenthalt an der RPTU.
Seit Februar 2026 forscht Ruifang Hu an der RPTU in Landau und untersucht, welche Spuren synthetische Stoffe in Gewässern und angrenzenden Ökosystemen hinterlassen. Ein Projekt, das auf ihrer bisherigen Forschung aufbaut.
Drei Stationen, ein wissenschaftlicher Fokus
Ruifang Hu wächst in China auf und studiert Chemie an der Wuhan University. Schon dort interessiert sie sich dafür, wie sich chemische Stoffe in natürlichen Systemen verhalten. Nach ihrem Abschluss entscheidet sie sich, zunächst praktische Erfahrungen zu sammeln. Sie arbeitet in der Industrie, unter anderem in Wuhan und Shenzhen. Doch ihr Interesse an der Forschung bleibt bestehen.
Ruifang Hu entscheidet sich für den Weg zurück in die Wissenschaft und geht in die USA. An der University of Delaware promoviert sie in Bodengeochemie. Sie untersucht, wie Schwermetalle wie Cadmium oder Arsen in landwirtschaftliche Systeme gelangen und was das für den Menschen bedeutet. „Reis ist ein Grundnahrungsmittel für einen großen Teil der Weltbevölkerung", sagt sie. „Wenn Schwermetalle in das Korn gelangen, kann das ab einer bestimmten Konzentration ein Risiko für die Gesundheit darstellen."
Auch in den folgenden Stationen bleibt sie diesem Themenfeld treu: An der University of Idaho untersucht Ruifang Hu Stoffkreisläufe in Böden, an der University of Maryland richtet sie ihren Blick auf Feuchtgebiete. Dort beschäftigt sie sich damit, wie Pflanzenwurzeln Sauerstoff in den Boden abgeben, wie Mikroorganismen darauf reagieren und welche Rolle diese Prozesse für die Entstehung von Methan spielen. Damit untersucht sie bereits das Zusammenspiel von Pflanzen, Mikroorganismen und Stoffkreisläufen in komplexen Ökosystemen.
Was Alltagsstoffe bewirken
Neben natürlichen Stoffen beginnt Ruifang Hu, sich zunehmend für synthetische Materialien zu interessieren, genauer gesagt für sogenannte synthetische hydrophile Polymere. „Man findet diese Stoffe überall", erklärt sie. „In Kosmetik, in Medikamenten, in Farben oder auch in Babywindeln. Sie werden in der Industrie, in der Landwirtschaft und im Haushalt eingesetzt. Kaum jemand denkt darüber nach, was mit ihnen passiert, wenn sie in die Umwelt gelangen."
Über sogenannte synthetische hydrophile Polymere, zu denen sie forscht, sagt die junge Wissenschaftlerin: „Sie werden in der Industrie, in der Landwirtschaft und im Haushalt eingesetzt. Kaum jemand denkt darüber nach, was mit ihnen passiert, wenn sie in die Umwelt gelangen.“
Genau hier setzt Ruifang Hus Forschung an der RPTU an. Sie konzentriert sich auf sogenannte Riparianzonen, also die Uferbereiche entlang von Flüssen und Bächen. „Diese Bereiche bilden eine Schnittstelle zwischen Land und Wasser und sind besonders wichtig, weil sie alles aufnehmen, was vom Land in die Gewässer gelangt", sagt sie.
Ökosysteme unter dem Mikroskop
Um die Auswirkungen dieser Polymere auf Riparianzonen zu untersuchen, bringt Ruifang Hu das Ökosystem ins Labor. Sie arbeitet mit typischen Pflanzen aus Uferzonen und mit Bodenproben. Unter kontrollierten Bedingungen fügt sie gezielt bestimmte Stoffe hinzu, etwa Polyvinylpyrrolidon (PVP) oder Polyethylenglykol (PEG), die in vielen Alltagsprodukten stecken.
Ruifang Hu beobachtet, wie sich das System über die Zeit verändert: ob die Pflanzen Stresssymptome zeigen, ob sich die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft im Boden verändert und ob Prozesse wie Nährstoffkreisläufe oder die Freisetzung von Treibhausgasen aus dem Gleichgewicht geraten. „Man kann beobachten, wie Pflanzen mit ihrer Umgebung interagieren, und direkt sehen, welche Prozesse sie in ihrer unmittelbaren Umgebung auslösen", sagt sie. Dass sie diese Forschung in Landau umsetzen kann, sieht sie als große Chance.
Ankommen in Landau
Deutschland ist für Ruifang Hu die erste Station in Europa. Vieles ist ihr unbekannt, doch die ersten Herausforderungen lösen sich schneller als erwartet. Bei der Wohnungssuche bieten Kolleginnen und Kollegen ihr spontan ein Zimmer an, vermitteln Kontakte und unterstützen sie. „Ich hätte nicht erwartet, dass so viele Menschen einfach so anbieten, mir zu helfen", sagt sie. „Sowohl bei privaten als auch bei beruflichen Fragen hatte ich jederzeit Unterstützung.“
„Sowohl bei privaten als auch bei beruflichen Fragen hatte ich jederzeit Unterstützung“, sagt Ruifang Hu, die sich an der RPTU sehr willkommen fühlt.
Auch im Alltag fühlt sich Ruifang Hu schnell wohl. Sie fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit, schätzt die kurzen Wege und die wertschätzende, strukturierte Arbeitsumgebung. „Meine bisherige Erfahrung ist, dass es hier für nahezu jeden Bereich eine Lösung gibt und dass für alle Projekte klare Abläufe bestehen. Das hilft mir sehr.“
Mut, der sich auszahlt
Was Ruifang Hu anderen mitgeben möchte, die einen ähnlichen Weg gehen wollen, ist eng mit ihrer eigenen Geschichte verbunden. Gerade in der Wissenschaft, sagt sie, sei es entscheidend, aktiv zu werden und Chancen zu ergreifen. Was sich aus Eigeninitiative entwickeln kann, zeigt ihre Bewerbung bei der RPTU. „Wenn man eine Stelle sieht, die einen interessiert, sollte man nicht zu lange zögern", sagt sie. „Ich hatte nur diese 30 Minuten. Ich habe sie genutzt – und das hat mir Türen geöffnet."
