Unsere RPTU Story

Mut zum Pitch: „Was soll schon schiefgehen?"

Doktorandin der RPTU
Doktorandin der RPTU bei Vortrag
Emma Herbst während ihres Vortrags. Copyright: Martin Koch

Drei Minuten – mehr Zeit blieb Emma Herbst nicht, um ihre Forschung beim Falling Walls Lab Rheinland-Pfalz zu erklären. Die Physik-Doktorandin pitchte sich auf den zweiten Platz und ging als „Local Hero“ der RPTU von der Bühne. Wichtiger als der Preis ist für sie aber die Erfahrung, die sie gesammelt hat. Rückblickend berichtet sie, was sie anderen Nachwuchsforschenden rät. 

„Warum nicht?“, habe sie sich gedacht, als sie in einer Rundmail der Uni vom Wettbewerb las, erzählt Emma Herbst. „Mich hat vor allem die Herausforderung gereizt. Ich wollte mal ausprobieren, wie ich mein Forschungsthema einem breiten Publikum erklären kann. Meistens spricht man darüber ja mit Menschen, die sich ohnehin dafür interessieren. Da geht es oft um Details. Aber wenn man nur drei Minuten hat, muss man sich fragen: Welche Geschichte steckt eigentlich in meiner Forschung?“

Dass sie beim Falling Walls Lab, einem internationalen Pitch-Wettbewerb, der im April erstmals in Kaiserslautern stattfand, am Ende als Preisträgerin von der Bühne gehen würde, hatte die 25-Jährige nicht unbedingt erwartet. Schließlich ist es wahrlich keine leichte Aufgabe, ihre Forschung zum Nachweis freier Radikale mithilfe von Nanodiamanten auf den Punkt zu bringen, wenn die Uhr tickt.

Diamanten als Quantensensoren

Die Physikerin verwendet Quantensensoren auf Basis von Nanodiamanten: „Wir nutzen Fehlstellen in den winzigen Diamanten, die bei Schmuckdiamanten für Farbe sorgen, als hochempfindliche Messinstrumente“, erklärt sie.

„Wir nutzen Fehlstellen in den winzigen Diamanten, die bei Schmuckdiamanten für Farbe sorgen, als hochempfindliche Messinstrumente“, berichtet Emma Herbst über ihre Forschungsarbeit.

Damit lassen sich freie Radikale nachweisen – das sind hochreaktive Moleküle, die sowohl bei chemischen Prozessen als auch im menschlichen Körper entstehen und bislang äußerst schwer zu beobachten sind. Freie Radikale spielen etwa bei Krankheiten oder in Energieprozessen eine Rolle. „Dass ich Einblicke in Vorgänge bekomme, die normalerweise verborgen bleiben, finde ich total faszinierend.“

Im Veranstaltungsort 42Kaiserslautern gelang es der Doktorandin, diese Begeisterung auf das Publikum zu übertragen. Für ihren Drei-Minuten-Pitch hatte sie ein Beispiel aus der Energieforschung gewählt. Sie erklärte, warum freie Radikale bei der Herstellung von grünem Wasserstoff mittels photokatalytischer Prozesse – das sind durch Licht ausgelöste chemische Reaktionen – eine wichtige Rolle spielen und wie ihre Quantensensoren helfen könnten, die zugrunde liegenden Prozesse besser zu verstehen.

Statt mit Formeln und Fachbegriffen zu hantieren, rückte sie einen grundsätzlichen Gedanken in den Vordergrund: Wie kommt man etwas auf die Spur, das nur für Sekundenbruchteile auftaucht? Ein Problem, das dem Publikum einleuchtete – und dessen ungewöhnliche Lösung mit den Nanodiamanten, die Emma Herbst live auf der Bühne präsentierte, für Aha-Momente sorgte.

Das überzeugte auch die Jury, die neben der Präsentation vor allem den Innovationsgrad und ein mögliches Durchbruchspotenzial der vorgestellten Ideen bewertete. Am Ende stand für Herbst der zweite Platz. Zusätzlich zeichnete der Freundeskreis der RPTU sie als „Local Hero“ aus.

Professionelles Coaching und mehr Sichtbarkeit

„Die Resonanz danach war unglaublich groß“, berichtet sie. Sowohl ihre Arbeit als auch sie selbst als Forscherin seien durch den Wettbewerb deutlich sichtbarer geworden: „Ich habe inzwischen mehrere Anfragen bekommen, mein Thema auch bei anderen Veranstaltungen und Konferenzen vorzustellen.“

Wichtiger als der Preis ist für sie aber die Erfahrung, die sie gesammelt hat. Das Gründungsbüro der RPTU und der Hochschule Kaiserslautern, die das Falling Walls Lab gemeinsam ausrichteten, haben einen super Job geleistet. „Egal welche Fragen man hatte, es wurde immer sehr schnell geholfen.“ Die Organisatoren hatten eigens eine erfahrene Pitch-Trainerin engagiert, die einen Vorbereitungstag anbot. „Das hat dabei geholfen, herauszufinden, in welche Richtung man gehen will.“

Mit den Tipps, die sie hier bekam, feilte Emma Herbst dann zu Hause an ihrer Präsentation, entwickelte ihre Folien und nahm sich immer wieder mit dem Handy auf. „Die Trainerin hat sich auch nach dem Workshop noch mal Zeit für ein Feedback genommen: Habe ich leicht genug gesprochen? Muss man Dinge weiter herunterbrechen oder irgendwo mehr Betonung setzen? Das war richtig gut.“

Die Nervosität verflog schnell

„Ich bin jetzt nicht die Person, die einfach auf die Bühne geht. Ich war super nervös und wusste nicht, ob ich überhaupt meine Worte gerade rauskriege.“ Die Nervosität verflog schnell. „Die Atmosphäre war unfassbar wertschätzend, das hat es leicht gemacht. Normalerweise bekommt man auf Konferenzen vor allem Feedback von Leuten aus ähnlichen Bereichen. Dass mein Thema auch außerhalb meines Fachgebiets auf ein größeres Interesse stößt, war schon überraschend.“

„Die Atmosphäre war unfassbar wertschätzend, das hat es leicht gemacht.“

Tatsächlich hätten ihr nach dem Pitch sogar mehrere Leute ihre Visitenkarten gegeben und angeboten, dass sie sich gerne melden könne, wenn sie sich irgendwann ausgründen wolle. „Dass das Thema so großen Anklang findet, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.“

„Meldet euch einfach mal an“

Dass drei Minuten so viel verändern können, hätte Emma Herbst nicht erwartet. Alleine für die Erfahrung, die eigene Forschung verständlich zu erzählen, hätten sich die Vorbereitung und die Aufregung gelohnt. Sie rät auch anderen Nachwuchsforschenden, einfach mal bei einem solchen Format mitzumachen – „einfach mal anmelden“. Wenn man in die Auswahl komme, könne man das Beste daraus machen. „Man knüpft in jedem Fall Kontakte und lernt daraus. Was soll schon schiefgehen?“

Über das Falling Walls Lab

Das Falling Walls Lab ist Teil der globalen Falling-Walls-Initiative, die sich dem Austausch wissenschaftlicher Ideen und der Förderung von Innovationen mit gesellschaftlicher Relevanz widmet. Ziel ist es, junge Talente zu vernetzen und ihre Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Frühjahr 2026 fand im 42Kaiserslautern erstmals das Falling Walls Lab Rheinland-Pfalz statt. Das internationale Pitch-Format brachte Promovierende, Studierende und Nachwuchsforschende aus verschiedenen Disziplinen zusammen. In jeweils drei Minuten präsentierten sie ihre innovativen Projekte vor einer interdisziplinären Jury aus Wissenschaft, Wirtschaft und Startup-Szene.

Doktorandin der RPTU
Doktorandin der RPTU bei Vortrag
Emma Herbst während ihres Vortrags. Copyright: Martin Koch