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Pressemitteilung

Seelische Gesundheit im Fokus: Das RPTU „Mental Health First Aid Programm"

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Die Hochschulzeit ist eine spannende Lebensphase, geprägt von Wachstum, Herausforderungen und neuen Erfahrungen. Doch hinter den Vorlesungen, Prüfungen und sozialen Interaktionen verbirgt sich oft ein Aspekt, der genauso entscheidend ist wie das Fachwissen selbst: die psychische Gesundheit der Studierenden. In einer Welt, die von ständigem Wandel und hohen Erwartungen geprägt ist, gewinnt das Bewusstsein für die Bedeutung der mentalen Verfassung zunehmend an Relevanz. Denn psychische Erkrankungen sind nicht selten. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer psychischen Erkrankung zu leiden, liegt bei rund 28 Prozent. 75 Prozent aller Betroffenen entwickeln bereits vor dem 24. Lebensjahr erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Daher hat die RPTU ein Programm ins Leben gerufen, das die seelische Gesundheit der Studierenden in den Mittelpunkt stellt. Das „Mental Health First Aid"- Programm. Es bietet Studierenden eine wichtige Ressource, um bei seelischen Herausforderungen Unterstützung zu finden.

Sara Braun arbeitet seit 2020 am Kompetenzzentrum für Studium und Beruf (KSB), das Studierenden aller Studiengänge überfachliche und studienergänzende Veranstaltungen bietet und die Selbstkompetenz von Studierenden fördert. Sie entdeckte die Notwendigkeit für ein solches Programm, als sie sich eingehend mit den Stressfaktoren im Studium und insbesondere der Prüfungsangst auseinandersetzte. Das australische „Mental Health First Aid"-Programm (MHFA) erschien ihr als die passende Antwort auf diese Herausforderungen. Um das Programm für den Standort Landau zu etablieren, absolvierte Sara Braun im Jahr 2021 zuerst selbst die Ersthelfer-Ausbildung. Im Frühjahr 2023 führte sie es am Standort Landau ein. Im Sommer 2022 initiierte Diana Neben, Projektmitarbeiterin im Studentischen Gesundheitsmanagement CampusPlus das MHFA-Programm in Kaiserslautern. Anlass für die Einführung des Programms war der University Health Report, welcher 2021 am Campus in Kaiserslautern durchgeführt wurde und eine deutliche Verschlechterung der psychosozialen Gesundheit der Studierenden zeigte. Studierende der RPTU finden dadurch an beiden Standorten eine Anlaufstelle, wenn ihre seelische Gesundheit aus der Balance zu geraten droht.

„Mental Health First Aid" wird weltweit angeboten. Jedes Land kann die Lizenz dafür erwerben, um das Programm auf nationaler Ebene umzusetzen. In Deutschland ist das Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim dafür zuständig. Die Ausbildung zu Ersthelfenden wird von Instruktoren im Auftrag des ZI durchgeführt und erstreckt sich über mehrere Termine, bei denen verschiedene psychische Erkrankungen und die Gesprächsführung thematisiert und auch gleich praktisch geübt werden. Am Ende der Ausbildung erhalten die Teilnehmenden den Titel „zertifizierter Ersthelfer für psychische Gesundheit".

Große Nachfrage für die begrenzten Plätze in den MHFA-Kursen

Gleichzeitig mit dem Startschuss zur RPTU Anfang dieses Jahres startete auch das Programm für mentale Gesundheit am Standort Landau, sodass ausgebildete Ersthelfende für psychische Gesundheit an beiden Standorten zur Verfügung stehen. Im Vorhinein konnten sich Studierende, die sich für eine Ersthelferausbildung interessieren, auf die begrenzten Plätze bewerben. Die Motivation, sich um diese Ausbildung zu bemühen ist ganz unterschiedlich und individuell. Was sie jedoch alle gemeinsam haben: Sie möchten eine offene Plattform und Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen schaffen, weiß Sara Braun. Die Ersthelfenden haben erste Erfahrungen mit psychischen Belastungen im eigenen Umfeld. Ihr Ziel ist es, Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen.

Bei der Auswahl der Bewerbungen haben die „Mental First Aid Programm“-Teams in Landau und Kaiserslautern darauf geachtet, dass die künftigen Ersthelferinnen und Ersthelfer aus verschiedenen Fachbereichen stammten. „Damit wollten wir sicherstellen, dass für jeden suchenden Studierenden ein Ansprechpartner aus seinem eigenen Fachbereich verfügbar ist“, unterstreicht Sara Braun. So können individuelle Herausforderungen der Hilfesuchenden besser nachvollzogen werden, weil die Ersthelfenden sie aus eigener Erfahrung kennen und einschätzen können. Auf die 14 Plätze am Standort Landau gingen 80 Bewerbungen ein, die mit Studierenden aus verschiedenen Fachbereichen besetzt werden konnten. In Kaiserlautern konnten seit Ausbildungsbeginn über 20 Studierenden aus unterschiedlichen Fachschaften ausgebildet werden. Seit 2023 gibt es an der RPTU einen eigenen Instruktor für MHFA-Schulungen. Daher können nun hausintern regelmäßig Kurse angeboten werden, um noch mehr interessierte Studierende zu Ersthelfenden auszubilden.

Das „Roger-Prinzip“

Das Grundprinzip des „Mental Health First Aid"-Programms wird als das „Roger-Prinzip" bezeichnet, bei dem „R" für Reagieren, „O" für Offenheit, „G" für Unterstützung und Information, „E" für Ermutigung und „R" für die Reaktivierung von Ressourcen stehen. Dieses Prinzip wurde von MHFA Ersthelfer des ZI Mannheim entwickelt und betont die Bedeutung der ersten Hilfe: Gemeinsam sucht man nach bereits vorhandenen Ressourcen, um akut zu helfen. Dies kann beispielsweise ein Aufenthalt bei den Eltern oder das Wiederaufnehmen von Aktivitäten sein, die der hilfesuchenden Person Freude bereiten. Zusätzlich erfolgt eine Aufklärung über verschiedene psychische Erkrankungen und deren Symptome, um die Betroffenen zu sensibilisieren und den ersten Schritt zur Hilfe anzuleiten. „Es geht darum, Betroffene proaktiv zur professionellen Unterstützung zu ermutigen“, so Braun.

Wenn Studierende Unterstützung durch das Team des „Mental Health First Aid"-Programms in Anspruch nehmen möchten, stehen ihnen verschiedene Wege zur Verfügung. In Kaiserslautern können die Fachschaften direkt kontaktiert und individuelle Termine vereinbart werden. In Landau gibt es eine offene Sprechstunde und auch die Möglichkeit, per Mail Termine zu vereinbaren.

Vorrangig soll das Angebot Studierenden zeigen, dass sie nicht allein sind und dass es Ansprechpartner gibt, mit denen sie über ihre Anliegen und Probleme sprechen können. „Die Ersthelferinnen und Ersthelfer hören aufmerksam zu und arbeiten gemeinsam mit den betroffenen Personen daran, herauszufinden, welche Unterstützung benötigt wird und vermitteln zum Unterstützungsangebot“, erklärt Sara Braun. „Sie sind durch die Ausbildung für das Thema mentale Gesundheit mit den häufigsten psychischen Erkrankungen sensibilisiert“, ergänzt Diana Neben. In der Ausbildung lernen die Ersthelfenden auch, wie sie Betroffene bei der Suche nach einem Therapieplatz unterstützen können. Sie werden über das regionale und lokale Angebot informiert und können Studierende so gezielt weiterverweisen.

Von Studierenden für Studierende

Die geschulten Ersthelfenden sind nicht nur einfache Ansprechpartner, sondern ein Bestandteil des Studierendenlebens. „Dies ermöglicht es ihnen, vor Ort zu sein, wenn Erste Hilfe bei mentalen Fragen benötigt wird“, erläutert Sara Braun den Vorteil dieses Ansatzes. Jedes Gespräch wird strikt vertraulich behandelt. Das Ziel besteht darin, dass Studierende sich bei den ausgebildeten Ersthelfenden ihres Alters leichter öffnen können als bei universitären Angehörigen. Die Ersthelfenden arbeiten ehrenamtlich und wechseln sich bei den Sprechstunden ab.

Inzwischen läuft das Programm über CampusPlus, unter der Leitung von Malte Prietz und Diana Neben und hat sich an beiden Standorten erfolgreich etabliert. CampusPlus ist ein Projekt der RPTU für studentisches Gesundheitsmanagement, das zum Ziel hat, bio-psycho-soziale Gesundheit zu fördern und somit zu einem attraktiven Campusleben und einem gesunden Studium beizutragen. „Seit der Etablierung von ‚Mental Health First Aid‘ wurde der Zulauf der Studierenden, die ein Gespräch in Anspruch nehmen, stetig mehr“, berichtet Malte Prietz. Die größte Herausforderung der Teams besteht aktuell darin, das Angebot besser sichtbar zu machen, damit es von noch mehr Studierenden, die Bedarf spüren, in Anspruch genommen werden kann. „Es ist oft nicht leicht, in schwierigen Situationen Hilfe anzunehmen, vor allem wenn die Probleme persönlicher Natur sind“, bekräftigt Malte Prietz. Wichtig sei zu erkennen, dass dies keine Schwäche darstelle, sondern ein mutiger und richtiger Schritt hin zu Heilung und Wohlbefinden sei, so Prietz weiter. Die Belastungen des Studienalltags und des Lebens im Allgemeinen können zu psychischen Herausforderungen führen, die nicht ignoriert werden sollten. Umso schöner ist es, dass es eine Reihe an Studierenden gibt, welche sich für eine positive Campuskultur einsetzen, die die psychische Gesundheit im Studium im Blick hat. Das Suchen von Hilfe und Unterstützung ist ein Zeichen von Selbstfürsorge und Stärke. Ähnlich wie bei körperlichen Beschwerden bedarf es auch bei psychischen Belastungen der fachlichen Hilfe. „Indem sich Studierende öffnen und Unterstützung in Anspruch nehmen, werden die Grundsteine zur Verbesserung der mentalen Gesundheit gelegt und somit der Weg für ein erfolgreiches und erfülltes Studium geebnet“, motiviert Diana Neben, das „Mental Health First Aid“-Programm wahrzunehmen.

Wichtiger Beitrag für Studierende

Als Anerkennung für den herausragenden Einsatz für die Belange der Studierenden, hat der Freundeskreis der RPTU in Landau das Programm am 30.10.2023 mit dem diesjährigen Preis für Campuskultur ausgezeichnet.

Anfang 2024 werden neue Ersthelfer-Ausbildungskurse angeboten, um noch mehr Studierenden helfen zu können – ein wichtiger Schritt in herausfordernden Zeiten. Alle Informationen hierzu folgen demnächst über die Website und Instagram von CampusPlus und per Rundmail an alle Studierende. Wer sich als studentischer MHFA-Ersthelfer ausbilden lassen möchte, kann sich per Mail an Malte Prietz (LD) oder Diana Neben (KL) wenden.

Terminvereinbarung

MHFA Landau: Offene Sprechstunde und Termine nach Vereinbarung über campusplus-mhfa-ld(at)rptu.de

Weitere Infos hier

MHFA Kaiserslautern: individuelle Gespräche nach Vereinbarung über die Fachschaften. Alle Infos dazu findest du hier

 

Text: Sara Pipaud

Bild: Pixabay

 

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