Unsere RPTU Story

Als Erste in der Familie an die Universität: Mit einer Mentorin sicher ins Studium starten

Zwei junge Frauen, die auf einen Bildschirm schauen
Masterstudentin und Mentorin: Lara unterstützt Julia bei Fragen und hilft ihr, sicher ins Studium zu starten. Foto: RPTU, Thomas Koziel

Als Julia ihr Studium der Wirtschaftschemie an der RPTU beginnt, steht ihr Lara als Mentorin zur Seite. Beide sind die Ersten in ihrer Familie, die studieren. Lara kennt viele der Fragen, die Julia beschäftigen. Als Mentorin begleitet sie Julia auf einem Weg, den sie selbst vor wenigen Jahren gegangen ist.

Wie finde ich mich an der Universität zurecht? Was erwartet mich in den ersten Wochen? Und an wen kann ich mich wenden, wenn ich unsicher bin? Als Julia ihr Studium der Wirtschaftschemie an der RPTU beginnt, hat sie jede Menge Fragen im Kopf. Zuhause allerdings kann ihr darauf niemand eine Antwort geben: Sie ist die Erste in ihrer Familie, die studiert.

Unterstützt haben ihre Eltern sie bei der Entscheidung für die Universität trotzdem. Nach dem Abitur beginnt Julia zunächst eine Ausbildung zur Chemikantin. Schon nach einem Jahr merkt sie jedoch, dass sie sich mehr zutraut und fachlich tiefer einsteigen möchte. „Die Ausbildung hat mich unterfordert“, erzählt sie. „Dann habe ich gesagt: Okay, jetzt mache ich doch einfach das Studium.“

Eine Ansprechpartnerin findet Julia im Mentoring-Programm für Studienanfängerinnen der RPTU. Dort wird ihr Lara zur Seite gestellt: eine Masterstudentin der Lebensmittelchemie. Lara unterstützt Julia bei Fragen und hilft ihr, sicher ins Studium zu starten. Sie kennt die Abläufe im Studium, studiert in einem ähnlichen Fachbereich und teilt gleichzeitig die Erfahrung, als Erste in der Familie an die Universität zu gehen. 

Tandems, die zueinander passen

Dass die beiden gut zueinander passen, ist kein Zufall. „Im Mentoring-Programm begleitet jeweils eine Studentin aus einem höheren Semester eine Studienanfängerin“, erklärt Christine Klein, die das Mentoring-Programm an der RPTU koordiniert. „Beide studieren dasselbe oder ein verwandtes Fach.“ Ergänzt wird das Angebot durch Campusführungen, gemeinsame Treffen und Informationsveranstaltungen, etwa zu Prüfungsvorbereitungen.

„Julia wurde wie fast alle Studienanfängerinnen schon vor den Ersti-Tagen persönlich angeschrieben“, erzählt Lara. „So konnte sie sich früh melden. Wir haben uns schon vor Beginn der Vorlesungen kennengelernt und ich konnte ihre Fragen beantworten.“ 

Auch nach dem Studienstart schreiben sich die beiden regelmäßig Nachrichten oder treffen sich auf dem Campus. Vor allem vor der Prüfungsphase gibt es viel zu besprechen. „Für mich ist es wichtig, eine Person zu haben, die sich im Uni-Alltag auskennt“, sagt Julia. „Diese Erfahrungen hatte bei mir in der Familie eben noch niemand.“

„Für mich ist es wichtig, eine Person zu haben, die sich im Uni-Alltag auskennt. Diese Erfahrungen hatte bei mir in der Familie eben noch niemand“, erzählt Julia.

Denn im Mentoring geht es nicht nur um Klausuren oder Stundenpläne. Viele Mentees studieren als Erste in ihrer Familie und stellen fest, dass sie ähnliche Erfahrungen teilen. Der Klassiker sei immer die Frage von Anderen: "Wann willst du denn mal arbeiten gehen?“, erzählt Lara. Wenn die Studentinnen merken, dass andere solche Fragen ebenfalls kennen, nehme das oft Druck heraus. „Dann wissen sie: Ich bin damit nicht allein.“

Von der Mentee zur Mentorin

Dass Lara heute selbst Studienanfängerinnen begleitet, ist das Ergebnis ihres eigenen Studienwegs, der nicht immer einfach war: Als sie 2020 ihr Studium beginnt, bestimmt die Corona-Pandemie den Alltag. Vorlesungen finden online statt, viele Veranstaltungen bestehen aus hochgeladenen Videos. Den Campus sieht sie monatelang kaum.

„Ich habe als Studienanfängerin selbst am Mentoring-Programm teilgenommen und hatte damals eigentlich nur meine Mentorin als Kontakt zur Universität“, erinnert sie sich. Auch wenn die Umstände schwer sind, gibt diese ihr Halt und das Gefühl, mit ihren Unsicherheiten nicht allein zu sein. „Ich glaube nicht, dass ich es ganz allein geschafft hätte.“ Denn auch abseits der Corona-Pandemie hätte sich Lara ihren Studienstart einfacher vorgestellt.

Rückschläge gehören zum Studium

Denn in der Schule ist Lara gewohnt, mit wenig Lernaufwand sehr gute Noten zu schreiben. Im ersten Semester besteht sie dann allerdings nicht alle Klausuren im ersten Anlauf. Hinzu kommt, dass sie wichtige Voraussetzungen für Laborpraktika zunächst übersieht und dadurch länger studiert als geplant.

Mit der Zeit verändert sich ihr Blick auf das Studium. Rückschläge gehören für sie inzwischen genauso dazu wie Erfolge. Aus der ehemaligen Mentee wird eine Mentorin. Seit mehreren Jahren begleitet sie Studienanfängerinnen, organisiert Veranstaltungen im Mentoring-Programm und arbeitet dort zusätzlich als studentische Hilfskraft.

Erfahrungen weitergeben und Netzwerke schaffen

Für Christine Klein ist der Zusammenhalt einer der größten Vorteile des Programms. „Eine ganz wichtige Sache im Studium ist, dass man es schafft, sich seine Netzwerke aufzubauen“, sagt sie. Das gelte nicht nur für die ersten Semester, sondern oft weit darüber hinaus. 

„Eine ganz wichtige Sache im Studium ist, dass man es schafft, sich seine Netzwerke aufzubauen“, sagt Christine Klein, die das Mentoring-Programm koordiniert.

Viele ehemalige Teilnehmerinnen des Mentoring-Programms bleiben miteinander in Kontakt, berichteten später von ihrer Promotion oder ihrem Berufseinstieg und geben ihre Erfahrungen weiter. „Die Rolle der Mentorinnen ist unheimlich wichtig“, betont Christine Klein. „Das Projekt kann nur so erfolgreich sein, weil sie sich mit so großem Engagement einbringen.“

Auch Lara ist sehr gerne Mentorin und freut sich darüber, ihre Mentee zu unterstützen. Neben dem Mentoring arbeitet sie auch noch im Fachschaftsrat. Nicht nur, aber auch wegen dieses ehrenamtlichen Engagements erhält sie im Master mehrere Stipendien, darunter das Deutschlandstipendium. Nach ihrem Master wird Lara an der RPTU promovieren. Ein Weg, der Julia beeindruckt: „Man sieht, wie andere mit Druck umgehen und es trotz anfänglicher Schwierigkeiten schaffen“, sagt sie über ihre Mentorin. „Das nimmt einem ein bisschen die Angst.“

Unterstützung kennen und nutzen

Die Mentorinnen informieren bei Treffen auch über viele Unterstützungsangebote, zum Beispiel über Förderprogramme für Auslandsaufenthalte wie das Erasmus+-Programm oder Stipendien wie das Deutschlandstipendium. Sie geben ihre Erfahrungen weiter und ermöglichen so einen wertvollen Austausch auf Augenhöhe. „Ich dachte immer, man bekommt ein Stipendium nur, wenn man ausschließlich Bestnoten hat“, erzählt Lara. Erst durch die Treffen erfährt sie, dass auch ehrenamtliches Engagement oder persönliche Lebensumstände berücksichtigt werden können. Heute gibt sie dieses Wissen an ihre Mentees weiter und ermutigt sie, sich frühzeitig über Fördermöglichkeiten zu informieren.

„Die Herkunft ist eigentlich nicht das, was einem im Weg steht, sondern die Selbstzweifel“, erzählt Lara, die sich als Mentorin engagiert.

Aus ihren eigenen Erfahrungen hat Lara vor allem eines gelernt: „Die Herkunft ist eigentlich nicht das, was einem im Weg steht, sondern die Selbstzweifel“, sagt sie. Auch für Julia spielt es keine Rolle, ob die Eltern selbst studiert haben oder nicht: „Man sollte einfach mutig sein, an sich glauben und das machen, was einen interessiert.“ Die vielen Fragen, mit denen ihr Studium begonnen hat, sind längst nicht alle verschwunden. Der Unterschied ist: Julia weiß heute, an wen sie sich wenden kann. 

 

Das Mentoring-Programm für Studienanfängerinnen an der RPTU

Der Start ins Studium bringt viele neue Herausforderungen mit sich. Das kostenlose Mentoring-Programm der RPTU unterstützt Studienanfängerinnen dabei, sich an der Universität zurechtzufinden, wichtige Kontakte zu knüpfen und von den Erfahrungen anderer Studentinnen zu profitieren.

Zwei junge Frauen, die auf einen Bildschirm schauen
Masterstudentin und Mentorin: Lara unterstützt Julia bei Fragen und hilft ihr, sicher ins Studium zu starten. Foto: RPTU, Thomas Koziel