Freundeskreis der RPTU in Kaiserslautern vergibt neun Preise an exzellenten Forschungsnachwuchs
Der Freundeskreis der RPTU in Kaiserslautern baut Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Ausdruck dieses Engagements ist es unter anderem, dass der Verein jährlich Preise für ausgezeichnete Abschlussarbeiten an den Forschungsnachwuchs der RPTU vergibt. Am 18. Juni standen in Kaiserslautern neun junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rampenlicht. Verbunden mit der Auszeichnung nahmen sie ein Preisgeld von je 1.000 (Dissertation) bzw. 500 Euro (Masterarbeit) entgegen.
Zu Beginn der Veranstaltung sorgte eine fünfköpfige ruandische Trommelgruppe der RPTU für einen furiosen Auftakt. „Die Gruppe steht für das internationale Gesicht der RPTU“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Freundeskreises Marlies Kohnle-Gros.
Sie übergab nach der Begrüßung der Gäste das Wort an Beate Kimmel: „Kaiserslautern feiert 2026 die Verleihung der Stadtrechte vor 750 Jahren. Das tun wir das ganze Jahr über mit einem abwechslungsreichen Programm, um die vielfältigen Facetten unserer Stadt sichtbar zu machen“, so die Oberbürgermeisterin. Sie freue sich sehr, dass sich der Freundeskreis daran beteilige. „Das ist ein wichtiger Beitrag, das Wirken der RPTU in die Stadt zu tragen und auf die Bedeutung von Forschung und Lehre für die Zukunft aufmerksam zu machen.“ Für die Preisträgerinnen und Preisträger brachte sie „Jubiläums-Dubbegläser“ als Geschenk der Stadt mit.
Vizepräsident Werner R. Thiel moderierte die Urkundenübergabe und hob mit Blick auf die Auszuzeichnenden hervor: „Sie alle haben in Ihren Arbeiten hervorragende Leistungen gezeigt, wissenschaftliche Ansätze weiterentwickelt und neue Erkenntnisse gewonnen, die teils auch international gewürdigt werden.“ Die neun Preisträgerinnen und Preisträger repräsentierten dabei das technisch-naturwissenschaftliche, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fächerspektrum der RPTU.
Für ihre Dissertationen wurden ausgezeichnet:
- Dr. Jan-Eric Bökenkamp, Fachbereich Biologie,
Thema „Integrative multi-omics meta-analysis to uncover aneuploidy-induced vulnerabilities in cancer“:
In seiner Forschungsarbeit verbindet der ursprünglich in der Mathematik ausgebildete Nachwuchsforscher modernste computergestützte Datenanalyse mit molekular-biologischer Krebsforschung. Krebszellen tragen zahlreiche genetische Mutationen und Veränderungen, die ihnen einerseits die Fähigkeit zu nahezu unbegrenztem Wachstum verleihen, andererseits jedoch auch spezifische Verwundbarkeiten schaffen – die Achillesfersen des Tumors. Mit klugen Algorithmen und kreativen Ansätzen in der Analyse großer Krebsdatensätze gelang es Bökenkamp, Strategien zu entwickeln, um genau diese Schwachstellen systematisch aufzuspüren. Seine innovativen Datenanalysen eröffnen nicht nur neue Einsichten für die Grundlagenforschung, sondern könnten langfristig auch neue Möglichkeiten für die Krebsbehandlung schaffen.
- Dr. Lucas Lang, Fachbereich Chemie,
Thema „Struktur-Funktions-Analysen von Glutathion und glutathionabhängigen Enzymen":
Im Zentrum der Promotion von Lucas Lang stand die Frage, wie Redoxenzyme Peroxide und Disulfide genau umsetzen. Derartige Verbindungen entstehen natürlicherweise im Stoffwechsel, können im Einzelfall bei hohen Konzentrationen jedoch auch Zellbestandteile schädigen oder Regulationsprozesse beeinträchtigen. Der Nachwuchsforscher untersuchte verschiedene Redoxenzyme, um deren Funktionsweisen und Mechanismen auf molekularer Ebene aufzuklären und besser zu verstehen, warum es in Organismen oft mehrere, scheinbar ähnliche Enzymvarianten gibt. Seine Studien ergaben, dass die zelluläre Redoxbiochemie deutlich komplizierter ist als das weitverbreitete und viel zu stark vereinfachte Modell des oxidativen Stresses. Bestimmte Redoxmetabolite sind bei physiologischen Konzentrationen nicht unbedingt schädlich. Deren Umwandlung ist äußerst variabel, hängt vom Enzymrepertoire des Organismus ab und geht weit über einfache „Entgiftungsprozesse“ hinaus.
- Dr. Lars Franke, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik,
Thema "MEMS-Integrated Metasurface for Real-Time Manipulation of Guided Spoof Surface Plasmon Polaritons":
Lars Franke entwickelt neuartige mikrotechnische Bauelemente, mit denen sich hochfrequente elektromagnetische Signale in Echtzeit präzise steuern lassen. Er trägt damit zu einer Schlüsseltechnologie für zukünftige Kommunikations-, Radar- und Sensorsysteme bei. Seine Forschung verbindet Grundlagenwissenschaft mit konkreter technologischer Umsetzung und zeigt, wie aus innovativen Konzepten praxistaugliche Komponenten entstehen. Damit bestehen enge Anknüpfungspunkte zur Industrie, insbesondere in den Bereichen Hochfrequenztechnik, Mikrosystemtechnik, Sensorik und moderne Fertigungstechnologien.
- Dr. Svenja Ehmsen, Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik,
Thema "Untersuchung der Nachhaltigkeit des Hochgeschwindigkeits-Laserauftragsschweißens – Ein Modell zur Prognose spezifischer Umweltauswirkungen“:
Svenja Ehmsen befasste sich in ihrer Promotion mit der Nachhaltigkeit des Hochgeschwindigkeits-Laserauftragschweißens. Diese junge und besonders schnelle 3D-Drucktechnologie für Metalle besitzt ein hohes industrielles Potenzial, doch ihre tatsächlichen Umweltauswirkungen waren bislang weitgehend unbekannt. Die Nachwuchsforscherin schließt diese Lücke, indem sie ein umfassendes Modell zur Prognose des kumulierten Energieaufwands und des Erderwärmungspotenzials beim Laserauftragschweißen entwickelt hat. Die Arbeit besticht durch einen doppelten wissenschaftlichen Durchbruch: Zum einen entsteht eine methodische Basis, die sich auch auf andere Fertigungsverfahren übertragen lässt. Zum anderen stellt sie neue, verlässliche Daten zur Pulverherstellung und zum Fertigungsprozess bereit. Unternehmen erhalten durch das entwickelte Modell ein präzises Werkzeug, um den Energiebedarf und die CO₂-Emissionen der Bauteilfertigung bereits vor Produktionsbeginn abzuschätzen. Dadurch wird es möglich, Umweltauswirkungen bereits in der Prozessgestaltung als Entscheidungsfaktor zu berücksichtigen.
- Dr. Marie Roth, Fachbereich Mathematik,
Thema “Character sheaves and modular representations of finite reductive groups – On the triangularity of their decomposition matrices":
Marie Roth hat in einem Bereich der reinen Mathematik promoviert, der sich mit der Untersuchung von Symmetrien natürlicher oder abstrakter Objekte befasst. Sie konnte hier eine zentrale, seit 30 Jahren offene Vermutung beweisen – dabei waren zuvor schon viele Forschende weltweit gescheitert. Im Verlauf ihrer Arbeit entdeckte sie unter anderem eine Lücke in einem Resultat eines renommierten Wissenschaftlers, die sie durch eigene Überlegungen schließen konnte.
- Dr. Felix Paries, Fachbereich Physik,
Thema "Novel approaches in terahertz spintronics and field-resolved spectroscopy":
Die Forschungsarbeit von Felix Paries verbindet die Behandlung fundamentaler physikalischer Fragestellungen im Bereich der optischen Messtechnik mit methodischer Pionierleistung. Im Rahmen der Promotion ist es ihm gelungen, grundlegende Vorstöße in der Präzisions-Spektroskopie zu erzielen, welche eine drastische Steigerung der Messgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Rauschminimierung ermöglichen und damit das Fundament einer neuen Generation von Laser-basierten Spektroskopie-Systemen für die Infrarot- und Terahertz-Bereiche bilden. Diese Technologien könnten in der Zukunft z.B. an Kliniken für neuartige, extrem schnelle, quantitative molekulare Analysen in der Intensivmedizin eingesetzt werden, welche aufgrund eines tieferen Einblickes in den Krankheitsverlauf eine Reduktion der Sterberate in Aussicht stellen.
- Dr. Julia Wahlen, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften,
Thema "Contributions to Exact Algorithms for Optimization in Warehousing and Flexible Manufacturing":
In ihrer Promotion hat Julia Wahlen neue mathematische Verfahren entwickelt, mit denen sich komplexe Planungsaufgaben wesentlich effizienter lösen lassen. Solche Aufgaben entstehen täglich beispielsweise in Logistikzentren, Produktionsbetrieben oder Lieferketten, wenn Waren, Aufträge oder Ressourcen optimal organisiert werden müssen. Mit den von ihr entwickelten Algorithmen können Unternehmen Planungsprozesse verbessern, Ressourcen effizienter nutzen sowie Zeit-, Kosten- und Energieaufwand reduzieren. Dies trägt zugleich dazu bei, wirtschaftliche Prozesse nachhaltiger zu gestalten. Neben diesen konkreten Erfolgen liefert die Arbeit neue, allgemeine methodische Konzepte, die auch für viele andere Planungs- und Optimierungsprobleme vielversprechend sind.
Für ihre Masterarbeiten wurden ausgezeichnet:
- Svenja Anne Christine Brehm, Fachbereich Architektur,
Thema „Haus für die Jugend“:
Die Arbeit entstand im Kontext der drängenden Fragen zu Bauen im Bestand. Der Grundgedanke dahinter: So viel wie sinnvoll, aber so wenig wie möglich, klima- und ressourcenschonend konstruieren. So wurden am Standort des Klinikum Karlsruhe für Kinder- und Jugendpsychiatrie zwei bislang als Schwesternheim genutzte Gebäude in das Haus für die Jugend transformiert. Dabei konzipierte die Nachwuchsforscherin einen Entwurf aus vorgefundenen und wiederverwendeten Materialien. Sie thematisierte damit den Umbau bestehender Gebäude im Sinne der notwendigen Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Die Konzeption kann als prototypisch für die weitergehende Entwicklung architektonischen Umgangs mit Bestandgebäuden gesehen werden.
- Fabian Imbusch, Fachbereich Raum- und Umweltplanung,
Thema „Die Regionale Planungsoffensive als Schlüssel zur Beschleunigung?! – Eine Untersuchung der Beschleunigungspotenziale und Hemmnisse bei der Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergie in Baden-Württemberg":
In seiner Masterarbeit hat Fabian Imbusch die Beschleunigung regionaler Planungsprozesse zur Ausweisung von Flächen für Windenergieanlagen in Baden-Württemberg untersucht. Bisher waren die Verfahren häufig von langen Verfahrensdauern von teilweise über fünf Jahren geprägt. Aufgrund der Energiekrise im Jahr 2022 besteht jedoch die bundespolitische Vorgabe, bis 2032, mit einem Zwischenschritt bis 2027, zwei Prozent der deutschen Landesfläche für die Windenergienutzung zu reservieren. Baden-Württemberg hat seitdem mit der „Regionalen Planungsoffensive“ zahlreiche rechtliche und verfahrensbezogene Beschleunigungsmaßnahmen umgesetzt. Ziel der Arbeit war es, den Umfang der Beschleunigung zu untersuchen, Schwierigkeiten und Hemmnisse zu ermitteln und daraus Empfehlungen abzuleiten. Die Ergebnisse zeigen, dass eine deutliche Beschleunigung der Planungsverfahren erreicht wurde, ohne dass dabei Beteiligungsmöglichkeiten oder wichtige Verfahrensschritte abgeschafft wurden. Eine gelingende Energiewende ist für Gesellschaft und Wirtschaft von hoher Relevanz. Die Forschungsuntersuchung bietet Übertragungsmöglichkeiten für andere Bundesländer.
Über den Freundeskreis der RPTU in Kaiserslautern
Seit seiner Gründung im Jahr 1969 hat es sich der Freundeskreis der RPTU in Kaiserslautern (ehemals TU Kaiserslautern) zu seiner Aufgabe gemacht, die Integration der Universität und ihrer Angehörigen in Stadt und Region voranzutreiben sowie diese in Bereichen, wo öffentliche Mittel nicht oder nur unzureichend zur Verfügung stehen, zu unterstützen. Der Freundeskreis fördert sowohl Studierende als auch Alumni. Zu seinen Mitgliedern zählen inzwischen knapp 1.300 Einzelpersonen sowie 130 Firmen. Weiterhin finanziert bzw. beteiligt er sich an der Finanzierung von Fachtagungen, kulturellen Veranstaltungen, Wettbewerben, studentischen Events, etc.



