Freundeskreis der RPTU in Landau vergibt Universitätspreise 2025

Gruppenfoto mit den Preisträgerinnen und -trägern der Universitätspreise 2025 mit ihren Betreuerinnen und Betreuern und dem Vorstand des Freundeskreise der RPTU in Landau. Foto: Stadt Landau
Die Verleihung der diesjährigen Universitätspreise des Freundeskreises der RPTU in Landau fand im Gemeindesaal der Augustinerkirche statt und klang anschließend im Kreuzgarten aus. Foto: Stadt Landau

Der Freundeskreis der RPTU in Landau zeichnete in diesem Jahr sechs hervorragende Arbeiten aus 2025 aus. Die Universitätspreise wurden am 22. Juni 2026 um 18 Uhr im Gemeindesaal der Augustinerkirche durch die Vorsitzende Eva Schübel, die RPTU-Vizepräsidentin Melanie Steffens und die Beigeordnete Lena Dürphold übergeben. Die Feier klang im herrlichen Kreuzgang und Garten aus. 

Ausgezeichnet wurden drei Dissertationen, eine Master- und zwei Bachelorarbeiten. Das Preisgeld für die besten Dissertationen beträgt je 1000 Euro, für die besten Abschlussarbeiten jeweils 500 Euro. Langjährige Spender sind die Sparkasse Südpfalz, VR Bank Südpfalz und die Energie Südwest AG. Neu hinzu gekommen ist die Vulcan Energie Ressourcen GmbH. 

Naturwissenschaftliche Themen stehen im Vordergrund

Uferökosysteme erfüllen eine wichtige Funktion für den Biodiversitätsschutz, die Nährstoffkreisläufe und Gewässerregulation. Nina Röder zeigt in ihrer preiswürdigen Dissertation auf, dass Stressoren wie Pestizide, Schwermetalle und hydrologische Veränderungen nicht nur kurzfristige Veränderungen in Artengemeinschaften und Nahrungsnetzen bewirken, sondern auch rasche genomische Anpassungsprozesse innerhalb weniger Generationen auslösen können. Die Arbeit, die Molekular- und Evolutionsbiologie, Ökologie, Bioinformatik und Umweltwissenschaften verbindet, beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen, die eine unmittelbare Bedeutung für Umweltpolitik, Naturschutzpraxis und nachhaltiges Gewässermanagement haben. Zudem ist die Untersuchung nicht-zielgerichteter Effekte von biologischer Stechmückenbekämpfung in hohem Maß praktisch relevant.

Die Dissertationsschrift von Ken M. Mauser behandelt eine ähnliche zentrale Umweltfrage: Warum gehen Insekten und andere Tierarten in unserer Kulturlandschaft zurück, und welche Rolle spielen dabei menschliche Einflüsse? 

Im Mittelpunkt stehen Pestizide aus der Landwirtschaft, veränderte Wasserstände durch den Klimawandel sowie der Einsatz eines Biozids zur Mückenbekämpfung, das am Oberrhein seit Jahrzehnten großflächig eingesetzt wird. Ken Mauser hat untersucht, wie sich diese Stressoren auf Organismen auswirken, die einen Teil ihres Lebens im Wasser und einen Teil an Land verbringen.

Die Ergebnisse der Arbeit, die Messungen in der Landschaft mit Labor-Experimenten unter kontrollierten Bedingungen kombiniert, zeigen auf, dass im Oberrheingebiet Pestizide nahezu überall nachweisbar sind und meist als Mischung vieler verschiedener Substanzen auftreten. Das bedeutet, dass Organismen auch außerhalb der behandelten Felder mit einer Vielzahl von Chemikalien in Kontakt kommen und in ihrer Entwicklung gestört werden können. Bei einer Libellenart traten Veränderungen zum Beispiel an den Flügeln auf, die für die Flugkoordination entscheidend sind und Folgen für den Paarungserfolg und damit langfristig für die Stabilität der Population haben können. Die prämierte Arbeit zeigt, dass Umweltbelastungen oft komplexer sind, als es einzelne Grenzwerte oder Laborprüfungen vermuten lassen, und macht deutlich, dass Klimawandel, Landwirtschaft und Naturschutz eng miteinander verknüpft sind.

Im naturwissenschaftlichen Unterricht ist es oft schwierig, Phänomene zu erklären, wenn man sie nicht nur „sichtbar“ auf der Stoffebene, sondern auf der unsichtbaren Teilchenebene deuten soll. Weil man Teilchen nicht direkt beobachten kann, sind solche Erklärungen sehr abstrakt – deshalb arbeitet man mit Modellen, doch vielen Lernenden fällt der gedankliche Übergang von dem, was man sieht, zu Teilchen- und Modellvorstellungen schwer.

Genau das hat Tobias Bier in seiner Dissertation untersucht und dafür aus Theorien aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Biologie und Physik ein Messinstrument zur Bestimmung der Qualität naturwissenschaftlicher Anschauungsmodelle entwickelt: In einer Studie mit 292 Achtklässlerinnen und Achtklässlern hat er getestet, wie unterschiedliche Modellarten beim Verstehen helfen. Das Ergebnis: Augmented-Reality-Modelle und illustrative Modelle verbesserten das Modellverständnis signifikant, haptisch-interaktive Modelle dagegen nicht.

Sophia Brengel hat in ihrer Masterarbeit erforscht, wie sich Kompost und Pflanzenkohle auf Waldboden und auf das Überleben junger Eichen auswirken. Zwar verbesserten beide Stoffe einige Bodeneigenschaften, zum Beispiel die Wasserspeicherung, die Nährstoffverfügbarkeit und die mikrobielle Aktivität, trotzdem überlebten die Setzlinge darin schlechter als in normalem Waldboden. Wahrscheinlich war der Salzgehalt im Kompost für die jungen Pflanzen zu hoch; Pflanzenkohle konnte diesen Stress etwas mindern. Auf Grundlage der Ergebnisse wird von einer Verwendung von Kompost und Pflanzenkohle bei der Anzucht junger Eichen in diesem Szenario jedoch abgeraten. Die Arbeit unterstreicht die starke Kontextabhängigkeit der Bodenverbesserung und verdeutlicht den Bedarf an weiteren Untersuchungen zur optimalen Anwendung.

Ist ein Bildungsverständnis, das stark auf Vernunft und selbstständiges Denken setzt, auch aus post- und dekolonialer Sicht noch sinnvoll? Johanna Brauckmann geht es in ihrer Bachelorarbeit dabei um die Frage, ob solche Bildungsideen zu sehr von europäischem Denken geprägt sind und dadurch andere Perspektiven ausblenden.

Das Ergebnis ist differenziert: Einerseits zeigt die Arbeit, dass Ruhloffs Bildungsbegriff tatsächlich stark eurozentrisch geprägt ist und problematische Seiten haben kann, etwa weil Vernunft sehr stark in den Mittelpunkt gestellt wird. Andererseits sieht die Autorin auch Chancen: Gerade das kritische, fragende und selbstreflektierte Denken kann helfen, koloniale Denkmuster zu hinterfragen und Bildung neu zu denken.

Insgesamt kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Ruhloffs Bildungsverständnis weder einfach abzulehnen noch unkritisch zu übernehmen ist. Es enthält sowohl problematische als auch nützliche Elemente und kann deshalb als möglicher Ausgangspunkt für eine kolonialitätskritische Bildungsdiskussion dienen. Weitere Forschung ist aber nötig, vor allem mit mehr nicht-europäischen Perspektiven auf Bildung.

Beeinflussen sogenannte Angsträume im öffentlichen Raum die Nutzung des Nahverkehrs in Landau? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Bachelorarbeit von Tim-Martin Melchert. Im Fokus standen insbesondere Bereiche rund um den Hauptbahnhof sowie einzelne Straßenabschnitte, die von Befragten als unsicher wahrgenommen wurden.

Die Untersuchung zeigt, dass fast die Hälfte der befragten ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer bestimmte Wege oder Zeiten meidet oder den Nahverkehr nur unter Unsicherheit nutzt. Als Ursachen wurden unter anderem schlechte Beleuchtung, fehlende soziale Kontrolle und die Anwesenheit bestimmter Menschengruppen genannt. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass bisherige Maßnahmen nicht ausreichen, um diese Angsträume wirksam zu entschärfen. Vorgeschlagen werden daher ergänzende Ansätze wie mehr Bürgerbeteiligung, niedrigschwellige Meldeangebote und eine gezielte städtische Koordination.

Quelle: Pressemeldung des Freundeskreises der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau in Landau in der Pfalz e.V.

Gruppenfoto mit den Preisträgerinnen und -trägern der Universitätspreise 2025 mit ihren Betreuerinnen und Betreuern und dem Vorstand des Freundeskreise der RPTU in Landau. Foto: Stadt Landau
Die Verleihung der diesjährigen Universitätspreise des Freundeskreises der RPTU in Landau fand im Gemeindesaal der Augustinerkirche statt und klang anschließend im Kreuzgarten aus. Foto: Stadt Landau