Unsere RPTU Story

Mitten im Leben ins Lehramt

Mitvierziger blickt voller Zuversicht in die Zukunft
„Ich habe viel Verständnis dafür erfahren, dass ich neben den Seminaren und der Prüfungsvorbereitung berufstätig war“, berichtet Martin Rühl, der mit über vierzig ein Studium an der RPTU absolviert hat. Foto: Alexander Dupps

Neue Lehrkräfte? Her damit. Mit Lebenserfahrung? Umso besser. Den Abschluss aus dem Berufsleben heraus stemmen? Nicht einfach – aber machbar. Martin Rühl hat mit über vierzig genau das getan. Er hat als selbstständiger Schlagzeuglehrer einen Master in Sonderpädagogik an der RPTU absolviert und ist heute im Referendariat. Sein Fazit nach der Doppelbelastung aus Arbeit und Studium: dranbleiben, vernetzen und vor allem offen kommunizieren.

„Das Unterrichten als Schlagzeuglehrer hat mir immer großen Spaß gemacht. Ich habe gemerkt, dass der Umgang mit den ganz unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern einfach mein Ding ist. Das war für mich letztendlich der Ansporn, zu sagen: Ich will es noch einmal wissen und eine Tätigkeit im pädagogischen Bereich auf solide Füße stellen“, erzählt Martin Rühl.

Der selbstständige Schlagzeuglehrer aus Karlsruhe steht seit vielen Jahren auch als Musiker mit Bands auf der Bühne. Dass er sich mit über vierzig dafür entschied, noch einmal einen Masterstudiengang für das Lehramt an Förderschulen an der RPTU in Angriff zu nehmen, war zwar eine späte Entscheidung – passt aber gut zu seinem bisherigen Weg: Martin war bereits in mehreren pädagogischen Einrichtungen tätig und hat einen Bachelorabschluss. „Schon mein Zivildienst in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung war eine positive und prägende Erfahrung. Dort habe ich früh gemerkt, dass mir die Arbeit mit Menschen liegt.“

„Wenn man aus einem eingespielten Berufsleben heraus noch einmal an die Uni geht, bringt das einige spezielle Herausforderungen mit sich."

„Wenn man aus einem eingespielten Berufsleben heraus noch einmal an die Uni geht, bringt das einige spezielle Herausforderungen mit sich“, sagt Martin. Das fängt bei Fragen rund um Finanzierung und Versicherung an, bei denen es in solchen Fällen kompliziert werden kann. Und natürlich ist es nicht immer einfach, Studium und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Das wäre ohne das Verständnis und den Support meiner Familie und meiner Schlagzeugschülerinnen und -schüler nicht möglich gewesen, wofür ich sehr dankbar bin.“

„Doppelleben“ mit Vorteilen

Gleichzeitig habe sein „Doppelleben“ als Schlagzeuglehrer und Student Vorteile geboten: „Ich konnte weiterhin ein Einkommen erzielen und mir als Selbstständiger meine Zeiten flexibel so einteilen, dass ich die Termine in Landau wahrnehmen konnte.“

Während des Masterstudiums am Institut für Sonderpädagogik in Landau belegte Martin die Schwerpunkte Förderung der motorischen Entwicklung sowie Förderung der ganzheitlichen Entwicklung. Seine Masterarbeit verfasste er über Unterstützte Kommunikation. „Ich habe viel Verständnis dafür erfahren, dass ich neben den Seminaren und der Prüfungsvorbereitung berufstätig war. Die Dozierenden hatten immer ein offenes Ohr für mich“, sagt er. „Wenn es organisatorische Fragen gab, haben wir gemeinsam und auf Augenhöhe nach Lösungen gesucht.“

Entscheidend: selbst aktiv werden

Neben der guten Betreuung sieht Martin die eigene Herangehensweise als entscheidend dafür an, dass er gut durch das Studium und die Prüfungen gekommen ist. „Mir war wichtig, so oft wie möglich vor Ort zu sein. Wenn das nicht möglich war, habe ich aktiv und frühzeitig kommuniziert und zum Beispiel die Sprechstunden genutzt.“ Vieles konnte er am Institut direkt mit den Dozierenden klären, unkompliziert und auf kurzem Wege.

Eine wichtige Rolle spielt für Martin die Vernetzung unter den Studierenden und auch jetzt mit den anderen Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern. „Der Austausch mit den Kommilitonen ist total wichtig“, sagt er. Man habe sich gegenseitig unterstützt, etwa mit Informationen und Lerninhalten. Diese Kontakte wirken bis heute weiter und helfen Martin auch während seines Referendariats, das er Anfang des Jahres an einer Schule mit Förderschwerpunkt motorische Entwicklung angetreten hat.

„Es wäre gelogen, zu sagen, dass es kein Kraftakt ist, in meinem Alter die Weichen noch einmal neu zu stellen – zu studieren, einen Abschluss zu machen, zu pendeln und gleichzeitig den Lebensunterhalt zu verdienen.“ Anderen, die einen ähnlichen Weg gehen wollen, gibt der angehende Lehrer und Musiker mit: „Es gibt einige Schwierigkeiten und es gibt auch Tage, an denen alles zu viel ist. Das lässt sich nicht vermeiden. Es ist dann einfach wichtig, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sich selbst um einen Umgang damit zu kümmern und vor allem aktiv zu kommunizieren. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und am Institut für Sonderpädagogik viel Offenheit und Verständnis erfahren. Und dann hat sich eigentlich immer eine Lösung gefunden.“

Mitvierziger blickt voller Zuversicht in die Zukunft
„Ich habe viel Verständnis dafür erfahren, dass ich neben den Seminaren und der Prüfungsvorbereitung berufstätig war“, berichtet Martin Rühl, der mit über vierzig ein Studium an der RPTU absolviert hat. Foto: Alexander Dupps