„Wer zu lange in den Abgrund blickt…“

Ein Rückblick auf ein einzigartiges Theatererlebnis

Theater, das unter die Haut geht – und unter die Erde: Studierende des Studiengangs Darstellendes Spiel/Theater am Zentrum für Kultur- und Wissensdialog (ZKW) der RPTU in Landau haben die unterirdischen Gänge der Lunette 41 im Savoyenpark im Mai 2026 in eine außergewöhnliche Bühne verwandelt. Am 30. und 31. Mai 2026, jeweils um 14:00, 15:30 und 17:00 Uhr erwartete das Publikum ein immersives Theatererlebnis, bei dem die klassische Zuschauerrolle aufgelöst wurde.

Statt auf festen Plätzen zu sitzen, bewegten sich die Besucher in Kleingruppen selbst durch das Tunnelsystem und waren so mittendrin im Geschehen. Angelehnt an das Theater der Grausamkeit von Antonin Artaud lud die Inszenierung dazu ein, sich auf eine intensive, körperliche Theatererfahrung einzulassen, bei der die Grenzen zwischen Bühne und Publikum verschwommen.

Im Zentrum des Stücks stehen existenzielle Fragen: Was passiert, wenn der Mensch dem eigenen Abgrund begegnet? Wie fühlt sich die eigene Finsternis an? Und welche Konsequenzen hat es, die schützende Macht der Ordnung in Brand zu stecken und sich dem Chaos hinzugeben?

In der besonderen Atmosphäre der unterirdischen Anlage entfaltete sich ein Szenario, das mit Dunkelheit, Enge und unmittelbarer Nähe arbeitete. Das Publikum wurde Teil einer Inszenierung, die nicht nur beobachtet, sondern erlebt werden wollte – eindringlich, verstörend und zugleich faszinierend.

Nach den 17-Uhr-Aufführungen luden die Studierenden die Zuschauenden zu einem offenen Erfahrungsaustausch ein. In kurzen Gesprächen berichteten sie von der künstlerischen Arbeit unter ungewöhnlichen Bedingungen und gaben Einblicke in ihr Studium. In kleinen von einem Ensemblemitglied angeleiteten Try-Outs konnten anschließend Elemente des Theaters der Grausamkeit spielerisch ausprobiert werden, eine seltene Gelegenheit, Theater aus der Perspektive der Darstellenden kennenzulernen.