Unsere RPTU Story

Forschen, wachsen, weiterdenken: Internationale Nachwuchswissenschaftlerin mit Humboldt-Stipendium an der RPTU

Frau vor Landschaft
Von Neuseeland nach Landau: Dr. Laura Zantis arbeitet in den Laboren der RPTU an Biofilmen. Weil diese besonders schnell auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren, eignen sie sich gut als Frühwarnsystem. Foto: privat.

Temperaturveränderungen und Schadstoffe verändern Lebensräume für Pflanzen und Mikroorganismen. Gefördert von der Alexander von Humboldt-Stiftung, erforscht Dr. Laura Zantis an der RPTU, wie Stressoren auf Gewässer wirken und warum Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten. 

Ein Boot hält vor der Küste Neuseelands. Vor ihm treibt eine rosa Wolke im Wasser: Es sind die Ausscheidungen eines Wals, gefärbt vom Krill, den er gefressen hat. Laura Zantis beugt sich über die Reling und nimmt Proben. Später im Labor sucht sie darin nach Mikroplastik. „Ich habe Meeres- und Süßwasserbiologie an der Universität Glasgow in Schottland studiert“, erzählt sie. „In meinem Auslandsjahr in Neuseeland konnte ich dann zum ersten Mal richtig forschen. Dass ich ausgerechnet mit Walen arbeiten durfte, das war wie ein Traum."

Mit Neugier in die Wissenschaft

Dass Laura Zantis einmal in der Forschung landet, zeichnet sich bereits in ihrer Kindheit ab: Sie sitzt stundenlang da und beobachtet Tiere, verschlingt Bücher über das Meer und träumt von einer Arbeit für den Umweltschutz. Aufgewachsen in Luxemburg, besucht sie eine mehrsprachige Schule und bewegt sich früh zwischen Sprachen und Kulturen. Ein Hintergrund, der ihren Werdegang prägt.

Für ihr Studium geht Laura Zantis nach Glasgow und studiert Meeres- und Süßwasserbiologie. Die Seminare und Vorlesungen, die sie an der Universität besucht, geben ihr das Fundament für ihre spätere Forschung. Wirklich begeistert ist sie jedoch von der Arbeit draußen: auf Exkursionen, bei eigenen Messungen, im direkten Kontakt mit den Ökosystemen. Als sich die Gelegenheit bietet, ein Jahr in Neuseeland zu forschen, zögert sie nicht. Dort arbeitet sie erstmals eigenständig an einem Projekt und merkt: Genau das ist es.

Pflanzen unter Stress

Ihre Faszination für die Forschung treibt Laura Zantis an, nach ihrem Masterstudium weiterzumachen. Ein Wissenschaftler, ein assoziierter Professor, von der Universität Leiden in den Niederlanden, der zu Mikroplastik in Böden und Pflanzen forscht, macht ihr das Angebot, bei ihm zu promovieren. „Ich fand es sehr spannend zu untersuchen, wie Mikroplastik in anderen Ökosystemen wirkt", sagt sie. „Und was mich wirklich überrascht hat: Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kaum Forschung über Mikroplastik an Land, obwohl wir so viel Plastik produzieren."

Im Labor untersucht Laura Zantis, wie Salat, Karotte, Gerste und Weizen auf Mikroplastik reagieren und stößt auf ein Ergebnis, das sie bis heute beschäftigt: „Die Pflanzen waren sehr gestresst. Unabhängig davon, wie stark sie Mikroplastik ausgesetzt waren." Von außen blieb das oft unsichtbar. In den Zellen aber zeigten sich klare Veränderungen: veränderte Photosynthese, biochemische Spuren im Gewebe. 

Je tiefer Laura Zantis in die Materie eindringt, desto klarer wird: Einzelne Stoffe isoliert zu untersuchen reicht nicht aus. In der Natur wirken verschiedene Stressoren gleichzeitig auf ein Ökosystem ein – wie beispielsweise Temperatur, Niederschlag, Pestizide und Plastik. „Genau das macht es so komplex", sagt Zantis. „Zwei Stressoren können sich gegenseitig verstärken oder aufheben.“ Die Suche nach Antworten führt sie schließlich zurück zum Thema Wasser.

Biofilme als Frühwarnsystem

Über ein gemeinsames EU-Forschungsprojekt lernt Laura Zantis Professor Mirco Bundschuh von der RPTU kennen, der sie auf das Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung aufmerksam macht. Das Stipendium fördert überdurchschnittlich qualifizierte Forschende aus dem Ausland für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland. 

Das Stipendium ermöglicht ihr den Wechsel an die RPTU und gibt ihr etwas, das in der Forschung besonders wertvoll ist: echte Freiheit. „Ich kann mein Projekt so gestalten, wie ich es für richtig halte", sagt sie. „Und ich habe Zugang zu neuen Laboren, neuen Methoden, neuen Perspektiven. Das bereichert die eigene Arbeit enorm."

„Ich kann mein Projekt so gestalten, wie ich es für richtig halte. Und ich habe Zugang zu neuen Laboren, neuen Methoden, neuen Perspektiven. Das bereichert die eigene Arbeit enorm." 

In Landau arbeitet Laura Zantis mit Biofilmen: Gemeinschaften aus Mikroorganismen, die auf Steinen, Sedimenten und Pflanzen in Gewässern leben. Sie zersetzen organisches Material, regulieren Nährstoffkreisläufe und bilden die Grundlage für viele Nahrungsketten. Weil sie besonders schnell auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren, eignen sie sich gut als Frühwarnsystem für den Zustand eines Gewässers. Gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken, hat das Folgen für das ganze System. Im Labor setzt Laura Zantis diese Biofilme gezielt Stressoren aus – veränderte Temperatur, anderes Licht, andere Nährstoffbedingungen – und beobachtet, wie sie reagieren. „Diese Organismen sind winzig", sagt sie. „Aber wenn sich in ihrem Umfeld etwas verändert, hat das Folgen für das ganze System."

Forschung, die etwas bewegt

Mit ihrer Arbeit möchte Laura Zantis dazu beitragen, diese Folgen abzumildern. Wo beispielsweise Schadstoffe ins Wasser gelangen und nachweislich schaden, sollen ihre Ergebnisse helfen, das Ökosystem zu schützen. 

Für dieses Ziel ist Laura Zantis mehrfach umgezogen: Schottland, Neuseeland, die Niederlande, jetzt Deutschland. „Jeder Ortswechsel bedeutet, neu anzufangen, sich einzufinden, eine neue Forschungskultur kennenzulernen", sagt sie. „Und trotzdem bereue ich keinen davon. Ich habe durch diese Erfahrungen so viel gelernt: über andere Länder, über die Wissenschaft, über mich selbst." 

„Jeder Ortswechsel bedeutet, neu anzufangen, sich einzufinden, eine neue Forschungskultur kennenzulernen. Und trotzdem bereue ich keinen davon. Ich habe durch diese Erfahrungen so viel gelernt: über andere Länder, über die Wissenschaft, über mich selbst."

Einer dieser Orte bleibt Laura Zantis besonders nah. Vor der Küste Neuseelands, über einer rosa Wolke im Pazifik, hat sie zum ersten Mal gespürt, dass sie in der Forschung bleiben möchte. Dorthin kehrt sie in Gedanken immer wieder zurück. Auch heute noch, wenn sie im Labor in Landau die nächsten Proben auswertet.

Weitere Informationen zum Humboldt-Forschungsstipendium:

Das Humboldt-Forschungsstipendium unterstützt internationale Postdoktorandinnen und Postdoktoranden sowie erfahrene Forschende bei einem Forschungsaufenthalt in Deutschland. Postdocs können das Stipendium beispielsweise für einen Zeitraum von sechs bis 24 Monaten beantragen. Weitere Informationen zu den Voraussetzungen und zum Auswahlverfahren

Frau vor Landschaft
Von Neuseeland nach Landau: Dr. Laura Zantis arbeitet in den Laboren der RPTU an Biofilmen. Weil diese besonders schnell auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren, eignen sie sich gut als Frühwarnsystem. Foto: privat.