Unsere RPTU Story
Zwischen Formeln und Flüssen: Studieren und forschen in den Umweltwissenschaften
Victoria Juston ist im siebten Fachsemester, schreibt aktuell ihre Bachelorarbeit und belegt parallel bereits erste Module im internationalen Masterstudiengang Ökotoxikologie. Neben der Theorie ist ihr Studium geprägt von Praxiserfahrungen: im Gelände, im Labor und im Austausch mit internationalen Forschenden. Ihr Werdegang macht sichtbar, wie vielseitig das Studium der Umweltwissenschaften ist und was möglich wird, wenn man seinen Interessen folgt.
Victoria Juston steht an einem Flusslauf und beobachtet Libellen. Sie misst, notiert, verfolgt Flugbewegungen. Die Beobachtungen sind Teil ihrer Bachelorarbeit, in der sie untersucht, welchen Einfluss Brücken auf das Wanderverhalten der Insekten haben.
Dass sie sich bereits im Bachelor intensiv mit einer eigenen Feldstudie beschäftigt, ist kein Zufall. Victoria Juston hat sich bewusst für das Studium der Umweltwissenschaften an der RPTU am Campus Landau entschieden, weil sie nicht nur theoretisch lernen will: „Ich wollte verstehen, wie Forschung in der Praxis funktioniert“, sagt sie.
Wenn Begeisterung den Weg bestimmt
Das Interesse an Gewässern begleitet Victoria Juston schon lange. Bereits in der Schulzeit, etwa im Biologie-Leistungskurs, haben sie Flüsse, Seen und deren Lebensräume besonders fasziniert. Ursprünglich überlegt sie Meeresbiologie zu studieren. „Ich habe mich dann allerdings bewusst für Umweltwissenschaften entschieden, weil ich mich fachlich breiter aufstellen und erst später gezielt spezialisieren wollte“, erklärt sie.
Bei der Wahl der Universität spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Wichtig sind ihr ein inhaltlich tiefgehender Studiengang, spannende Forschungsfragen und die Möglichkeit, Praxiserfahrungen zu sammeln. Am Ende überzeugt sie die RPTU nicht nur fachlich, sondern auch organisatorisch. „Die schnelle Rückmeldung, die Nähe zu meinem Heimatort und die Möglichkeit, früh praxisnah zu arbeiten, haben am Ende den Ausschlag gegeben.“
Ein anspruchsvoller Start in einem starken Team
Nach einem Freiwilligen Ökologischen Jahr muss sich Victoria Juston zunächst wieder an den universitären Lernalltag gewöhnen. „Der Anfang war ehrlich gesagt schwer“, erinnert sie sich. „Die ersten Semester in den Umweltwissenschaften bringen viele Prüfungen und ein hohes Arbeitspensum mit sich.“
Der enge Austausch mit ihren Mitstudierenden hilft ihr, die herausfordernde Anfangszeit zu überwinden. „Wir Studierenden haben von Beginn an zusammengehalten und uns gegenseitig unterstützt“, sagt sie. „Wir sind gemeinsam in die Vorlesungen gegangen, haben Lerngruppen gebildet und uns durch die Prüfungsphasen getragen.“ Dieser Zusammenhalt habe ihr geholfen, dranzubleiben.
Weil ihr der Austausch innerhalb des Studiengangs Halt gibt, entscheidet sie sich, in der Fachschaft aktiv zu werden. Dort knüpft sie Kontakte zu höheren Semestern, erhält praktische Tipps zum Lernen und gibt ihre Erfahrungen an jüngere Studierende weiter. „Das hat mir nicht nur fachlich geholfen, sondern auch das Gefühl gegeben, wirklich Teil einer Gemeinschaft zu sein.“
Erste Schritte in die Forschung
Als die besonders lernintensiven ersten Semester hinter ihr liegen, sucht sie gezielt nach Möglichkeiten, praktische Forschungserfahrung zu sammeln. Der Wunsch, in die Forschung zu gehen, begleitet Victoria Juston von Beginn des Studiums an.
An der RPTU erlebt sie dabei eine Kultur, die Eigeninitiative unterstützt. „Ich bin einfach bei meinem Dozenten vorbeigegangen und habe gesagt: Ich würde gerne in einem Forschungsprojekt mitarbeiten, hast du eine Idee?“, erzählt sie. „Er hat meinen Wunsch sofort ernst genommen und mir Türen geöffnet.“
„Ich bin einfach bei meinem Dozenten vorbeigegangen und habe gesagt: Ich würde gerne in einem Forschungsprojekt mitarbeiten, hast du eine Idee?“
Victoria Juston über die Kultur der Eigeninitiative an der RPTU
Dr. Jakob Wolfram bringt Victoria Juston mit dem Forschungsverbund SystemLink in Kontakt, der an der RPTU ökologische Prozesse in vernetzten Projekten untersucht. Als studentische Hilfskraft beginnt sie an der Mesokosmenanlage (RSM-Gelände) in Landau zu arbeiten: einer Versuchsanlage mit künstlichen Flussläufen, in der ökologische Zusammenhänge unter realitätsnahen Bedingungen erforscht werden.
Forschung im Feld, im Labor, im Austausch
Die Arbeit an der Anlage führt Victoria Juston zunächst ins Feld, später auch ins Labor. Sie unterstützt Experimente, hilft bei der Betreuung der Anlage und sitzt stundenlang über Petrischalen, um Spinnen für eine Nahrungsnetzanalyse zu sortieren. So erlebt sie Forschung in all ihren Facetten.
Ein besonders prägender Moment ergibt sich, als internationale Forschende aus dem SystemLink-Verbund zu Besuch sind. Victoria Juston darf an Vorträgen teilnehmen, mitdiskutieren und beim gemeinsamen Abendessen Kontakte knüpfen. „Der Austausch mit den Forschenden war unglaublich interessant und sie haben sich sehr für uns Studierende interessiert“, sagt sie. „Die Gespräche haben mir neue Blickwinkel eröffnet. Da wurde mir nochmal bewusst, dass ich tiefer in die Forschung einsteigen will.“
Forschung für die Bachelorarbeit
Für ihre Bachelorarbeit entscheidet sich Victoria Juston bewusst für eine eigene Feldstudie. Sie will draußen arbeiten und ihre Daten selbst erheben. In mehreren Fließgewässern der Region beobachtet sie Libellen und untersucht, ob Brücken ihre Flugrouten unterbrechen oder umlenken.
Die Arbeit ist in eine laufende Doktorarbeit eingebettet – ein Rahmen, den sie gezielt wählt. Durch die enge Anbindung an ein größeres Forschungsprojekt kann sie ihre Ergebnisse einordnen und mit anderen Forschenden austauschen.
Betreuung auf Augenhöhe
Die enge Begleitung zieht sich für Victoria Juston durch das gesamte Studium. „Man ist hier sehr schnell per Du und hat das Gefühl, dass Fragen wirklich erwünscht sind“, sagt sie. Gerade in anspruchsvollen Phasen habe ihr diese Offenheit Sicherheit gegeben.
Studierenden empfiehlt Victoria Juston, aktiv auf Dozenten und Mitstudierende zuzugehen. Außerdem hält sie es für wichtig, sich Zeit zu geben und sich nicht unter Druck zu setzen. „Am Ende kommt es nicht darauf an, ob man ein paar Semester länger gebraucht hat“, sagt sie. „Entscheidend ist, Interesse an den Inhalten zu haben und den eigenen Weg aktiv zu gestalten.“
Wohin ihr Weg sie langfristig führt, ist für Victoria Juston noch nicht klar. Sie kann sich gut vorstellen, zu promovieren und auch künftig in Bereichen zu arbeiten, in denen Forschung, Praxis und gesellschaftliche Fragestellungen zusammenkommen.
Dass sie dafür an der RPTU früh die nötigen Einblicke und Erfahrungen sammeln konnte, sieht Victoria Juston als großen Vorteil. „Ich habe hier gemerkt, wie viele Möglichkeiten es bereits im Studium gibt, sich auszuprobieren“, sagt sie. „Und wenn ich auf meine bisherigen Semester zurückblicke, kann ich sagen: Ich hatte die ganze Zeit großen Spaß!“

