Unsere RPTU Story

Neugier als Kompass: Zwischen Forschung, Gründung und Energieinnovation

Julius Remmlinger
Julius Remmlinger hat an der RPTU Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Chemie studiert. Foto: privat

Wie plant man einen geradlinigen Lebenslauf? Am besten gar nicht – zumindest, wenn man Julius Remmlinger zuhört. Sein Weg zeigt, wie sehr es sich lohnt, seinen Interessen nachzugehen, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen und passende Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten. 

Als Julius Remmlinger 2016 einen Studiengang sucht, steht er vor einer Herausforderung: Etwas Naturwissenschaftliches soll es werden, aber mit Praxisbezug. Zwar interessiert ihn Chemie, eine Karriere ausschließlich im Labor kann er sich jedoch nicht vorstellen. An der RPTU Kaiserslautern entdeckt er schließlich den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Chemie – und seine Entscheidung ist gefallen. Hier bleibt er nicht in der Theorie stehen, sondern findet heraus, wie sich chemisches Wissen in die Praxis übertragen lässt.

Schon in den ersten Semestern merkt Julius Remmlinger, wie sehr ihn die Vielseitigkeit des Studiums anspricht. „Ich fand es spannend, an einem Tag zwischen Marketing, Verfahrenstechnik und organischer Chemie zu springen und mich in völlig unterschiedliche Themen einzuarbeiten“, erzählt er. Gleichzeitig erfüllt sich sein Wunsch, auf die Praxis vorbereitet zu werden – mit Präsentationen, mündlichen Prüfungen und intensivem Austausch. „Später geht es schließlich nicht darum, ob man jede Formel auswendig aufsagen kann, sondern darum, ob man sich in komplexe Themen einarbeiten und gute Fragen stellen kann.“ 

Lernen, wie man lernt – von Kaiserslautern bis Paris

Was Julius im Studium besonders prägt, ist die Erkenntnis, dass Lernen mehr ist als Stoffaufnahme. Dieser Gedanke verstärkt sich in seinem Auslandssemester an der Institut Mines-Télécom Business School südlich von Paris, wo er Kurse auf Französisch belegt. Unterschiede in Methoden, Struktur und Herangehensweisen eröffnen ihm neue Perspektiven und bestätigen, was er an der RPTU bereits erfahren hat: Lernprozesse leben von eigener Aktivität und vom Blick über Fächergrenzen hinweg.

Leidenschaft trifft Unternehmergeist

Nicht nur im Studium arbeitet sich Julius Remmlinger gerne in neue Themen ein. Auch jenseits der Hörsäle prägt ihn sein praktisches Denken. Gemeinsam mit zwei Freunden aus seiner Jugend gründet er während des Studiums ein Kletter-Start-up. Ausgangspunkt der „Banana Climbing GmbH“ ist eine kleine Werkstatt im Saarland, in der ein Freund Holzelemente für Kletterhallen baut. „Irgendwann wollten die Leute das kaufen“, erzählt Julius Remmlinger. „Wir waren Anfang 20 und mussten plötzlich ein Unternehmen anmelden, um Rechnungen schreiben zu können. Wir haben uns nicht so viel dabei gedacht, haben einfach gemacht und sind plötzlich echt groß geworden.“ 

Einstieg in die Energiewirtschaft

Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer macht Julius Remmlinger Praktika im Maschinenbau und in der Kunststoffverarbeitung, bis sich im Master ein neuer Impuls ergibt: In einer Entrepreneurship-Vertiefung bei Prof. Dr. Dennis Steininger, Inhaber der Professur für BWL mit Schwerpunkt Entrepreneurship, entwickelt er Geschäftsmodelle und schreibt eine Seminararbeit darüber, wie Investor:innen auf Start-ups blicken. 

Die Beschäftigung mit Innovations- und Investitionslogiken führt schließlich zu seiner Masterarbeit. Für diese arbeitet er sechs Monate in der Strategieabteilung der EnBW AG. „Eine Masterarbeit in so einem Konzern ist eine riesige Chance und ein bisschen wie ein Praktikum“, erzählt Julius Remmlinger. „Man bekommt viele Einblicke, lernt Leute kennen und arbeitet an realen Fragestellungen.“ Seine Arbeit bei der EnBW fällt in eine Zeit intensiver energiewirtschaftlicher Debatten. „Es gab zu dieser Zeit unglaublich viele Neuentwicklungen und gleichzeitig viele Meinungen, die wissenschaftlich nicht immer sauber hinterlegt sind.“ Ein Spannungsfeld aus Forschung, Praxis und gesellschaftlicher Relevanz, das ihn sofort begeistert und seinen weiteren Weg prägen wird.

Berufsstart mit Startup-Investments

Nach seinem Masterabschluss wechselt Julius zur EnBW New Ventures, dem Venture-Capital-Arm des Konzerns. Dort analysiert er zwei Jahre lang Start-ups im Klima- und Energietechnologie-Bereich, führt Gespräche mit Gründer:innen und begleitet Investments. Besonders beeindruckt ihn die Energie der Teams: „Man arbeitet mit Leuten, die super motiviert sind und total für ihre Idee brennen.“

In dieser Zeit kehrt Julius Remmlinger zweimal als Gastredner in die Vorlesung von Prof. Dr. Steininger zurück. „Vorlesungen zu halten hat mir richtig Spaß gemacht. Vielleicht war das auch der entscheidende Kick, um wieder in die Forschung zu gehen“, sagt er.

Energiesysteme von morgen: Promotion im EU-Netzwerk

Heute promoviert Julius Remmlinger in einem Marie-Skłodowska-Curie-Doktorandennetzwerk zu Consumer Demand Flexibility in zukünftigen Energiesystemen. Er untersucht, wie erneuerbare Energien auf Stadt- und Landesebene integriert werden können und welche Rolle das Verbraucherverhalten dabei spielt. „Die Promotion ist eine perfekte Gelegenheit, drei, vier Jahre tief in ein Thema einzutauchen und eigene Ideen daraus zu entwickeln.“ 

Wohin ihn die Promotion führen wird, lässt Julius offen. Die Energiewirtschaft begeistert ihn, die Forschung erlaubt Tiefe, und die Gründungserfahrung bleibt immer im Hintergrund präsent. Vielleicht entsteht irgendwann wieder eine Idee, die groß genug ist, um ihr nachzugehen.

Netzwerken und gelassen bleiben 

Wenn Julius Remmlinger an seine Zeit an der RPTU zurückdenkt, erinnert er sich besonders gerne an den Campus-Charakter der Universität: „Man sieht die gleichen Leute wieder und wieder, kann ins Gespräch kommen und über Fächergrenzen hinweg diskutieren“, erzählt er. „Auch beim Unisport entstehen Freundschaften und Netzwerke. Natürlich ist es eine Hürde, da erstmal hinzugehen, wenn man niemanden kennt. Aber es lohnt sich.“

Was er Studierenden mitgibt, ist keine Schritt-für-Schritt-Karriereanleitung, sondern eine Haltung. „Es gibt immer viele Optionen, aber ich habe nie die erste genommen, die sich aufgetan hat“, sagt er. Vielmehr rät er dazu, Gespräche zu suchen, sich Zeit zu nehmen und herauszufinden, welche Arbeitsumgebung zur eigenen Persönlichkeit passt. „Es kann nicht schaden, die eigenen Bedürfnisse kennenzulernen, bevor man sich entscheidet.“ Auch im Studium sei Gelassenheit hilfreich. „Die Welt geht nicht unter, wenn man etwas nicht sofort versteht. Und meist ist man nicht die einzige Person im Raum, der es so geht.“

Was Julius Remmlinger Studierenden empfiehlt, hat er selbst gelebt: Er hat die Möglichkeiten der RPTU genutzt und dabei ein Umfeld gefunden, das seinen Berufsweg bis heute prägt. Sein Werdegang macht deutlich, wie viel entstehen kann, wenn man sich von Neugier leiten lässt und offen bleibt für das, was sich entwickelt.

Julius Remmlinger
Julius Remmlinger hat an der RPTU Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Chemie studiert. Foto: privat