Unsere RPTU Story
Sozioinformatik: Ein Studiengang, der Technologie und Gesellschaft zusammenbringt
Wie verändert sich die Sichtbarkeit von Inhalten von Parteien auf TikTok durch Interaktion? Mit dieser Frage beschäftigt sich Benjamin Stopp in seiner Bachelorarbeit in der Sozioinformatik. Ein Studiengang mit großer Relevanz für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft – denn im digitalen Zeitalter wird es immer wichtiger, die technologische und gesellschaftliche Perspektive nicht mehr isoliert voneinander zu betrachten. Das hat uns Benjamin Stopp im Interview erzählt.
Wie bist du auf den Studiengang Sozioinformatik gekommen?
Ich habe mich schon in der Schule für Gesellschaftswissenschaften interessiert, aber auch für Technik. Da habe ich mir gedacht: Gibt es eine Möglichkeit, beides zusammenzubringen? Dann hat eine Freundin meiner Mutter zufällig einen Zeitungsartikel über Prof. Dr. Katharina Zweig gelesen, die den Studiengang hier an der RPTU mitentwickelt hat. Offensichtlich haben sich die beiden über meine Interessen unterhalten und dass ich vor der Studienwahl stand. So habe ich den Tipp bekommen, mir den Bachelorstudiengang Sozioinformatik anzuschauen.
Unter dem Begriff Sozioinformatik konnte ich mir zunächst nicht ganz so viel vorstellen. Aber das, was ich über den Studiengang und seine Inhalte gelesen habe, klang für mich sehr interessant. Beim Studieninfotag habe ich mich dann mit Studierenden des Studiengangs ausgetauscht und da wusste ich: Das wird’s.
Sozioinformatik… Was ist das eigentlich genau?
In der Sozioinformatik geht es um die Vernetzung der Informatik mit den Gesellschaftswissenschaften. Das ist notwendig, weil Technik bzw. Software zunehmend tief in spezifischen sozialen Kontexten und Prozessen verankert ist. Neben dem Entwickeln von Software geht es also darum, wie Technik und Gesellschaft gegenseitig in Wechselwirkung stehen. Der Hauptteil des Sozioinformatik-Studiums macht die Informatik zu 60 Prozent aus, wobei es sich hier eher um die angewandte Informatik handelt. Die restlichen 40 Prozent setzen sich aus verschiedenen Inhalten der Soziologie, Psychologie, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften zusammen.
So erhalten wir einen guten Überblick über die jeweiligen Wissenschaften, was dabei hilft, die Auswirkungen von Technologien auf die verschiedenen Bereiche zu verstehen. Auch für den späteren Beruf ist es von Vorteil, wenn man mit Menschen aus diesen Bereichen zusammenarbeitet, weil man ihre Beweggründe für Handlungsentscheidungen grundsätzlich versteht. Sozioinformatikerinnen und Sozioinformatiker sind sozusagen ein Bindeglied, das sehr viele Disziplinen zusammenbringt.
Ich habe damals ähnliche Studiengänge anderer Unis und Hochschulen miteinander verglichen, aber tatsächlich nichts Vergleichbares gefunden.
Der Studiengang Sozioinformatik ist in seiner Art also einzigartig, weshalb es für dich nur die RPTU in Kaiserslautern sein konnte. Wie gefällt es dir hier?
Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Ort in Baden-Württemberg und hatte ehrlich gesagt, wie wahrscheinliche viele andere auch, kein besonders gutes Bild von Kaiserslautern. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, den Studiengang zu studieren und dafür nach Kaiserslautern zu ziehen. Die Stadt überrascht, ich habe viele Dinge hier und in der Umgebung lieben gelernt. Ich finde die Weinfeste toll und dass der Pfälzerwald direkt vor der Tür ist, weil ich gerne in der Natur unterwegs bin zum Wandern. Auch die Angebote von CampusPlus und vom Unisport sind sehr vielfältig und fachlich ist die RPTU in der Informatik einfach sehr gut aufgestellt.
Andere Städte bieten andere Möglichkeiten, aber letztendlich sind es die Freunde, die man im Studium kennenlernt und um sich hat, die den Unterschied ausmachen. Dabei ist es egal, wo man was zusammen macht: Für mich sind die Leute entscheidender und meine Freunde habe ich auf jeden Fall hier gefunden. An der RPTU spürt man den Zusammenhalt und dass wir eine Community sind. Das gefällt mir extrem gut. Es war also definitiv die richtige Entscheidung.
Jetzt hast du dein Studium fast abgeschlossen und schreibst an deiner Bachelorarbeit. Im Kern geht es um den TikTok-Algorithmus und die Frage, wie Interaktionen die Sichtbarkeit von Inhalten politischer Parteien beeinflussen. Wie genau sieht deine Untersuchung aus? Und mal ehrlich: Wie oft schaust du dir aus Spaß doch TikTok an, obwohl du eigentlich gerade arbeiten solltest?
(Benjamin lacht) Tatsächlich habe ich mir TikTok extra wieder für meine Bachelorarbeit heruntergeladen. Ich bin eher auf anderen Social-Media-Plattformen unterwegs, weshalb es mir nicht ganz so schwerfällt, TikTok ausschließlich für die Bachelorarbeit zu nutzen. Zunächst schaue ich mir an, wie oft mir TikTok Inhalte einer Partei auf der „Für dich“-Seite anzeigt. Anschließend simuliere ich mithilfe von Computerprogrammen verschiedene Nutzerinteraktionen wie Likes und Watch-Time, also wie lange ein Inhalt angeschaut wird. Diese Interaktionen stellen unterschiedliche Parteienpräferenzen dar: Je mehr Interaktion, desto höher scheint die Partei favorisiert zu sein. Und danach schaue ich mir immer wieder an, wie sich die Häufigkeit der angezeigten Inhalte aufgrund der Nutzerinteraktionen verändert und welche Unterschiede es zwischen den Parteien gibt.
Wieso gerade TikTok?
Weil es dazu im Vergleich zu Facebook oder X (ehemals Twitter) noch nicht so viele Untersuchungen gibt. Und weil TikTok eine der reichweitenstärksten Social-Media-Plattformen ist, gerade im Hinblick auf den Einfluss und die Beeinflussbarkeit von jungen Menschen. Da sie Nachrichten zum Teil nur noch über Social Media beziehen, haben Parteien das auch erkannt, sodass TikTok zunehmend mehr Relevanz im Wahlkampf hat.
Und was kommt danach: Hast du schon Pläne, wie es nach deinem Bachelorabschluss weitergehen soll?
Ich möchte auf jeden Fall im Bereich der Sozioinformatik bleiben und mich spezialisieren. Ein besonderes Anliegen von mir ist das Thema Fake News, Botnetz-Aktivitäten und die systematische Manipulation von Diskursen durch koordinierte Interaktion von ausländischen Troll-Fabriken auf Social Media. Mich interessiert, wie politische Meinungen gebildet werden, wie politische Inhalte bereitgestellt werden und wie wir Menschen sie konsumieren. Gerade durch generative KI, also zum Beispiel die Text-, Bild- und Videogenerierung durch künstliche Intelligenz, wird es immer wichtiger, die technologische und die gesellschaftliche Seite zusammenzubringen und nicht mehr einzeln isoliert zu betrachten. Das funktioniert nicht mehr. Denn auch wenn etwas technisch gut gemacht oder robust ist, kann es sich gesellschaftlich negativ auswirken.
Genau deshalb müssen wir die Themenfelder zunehmend zusammendenken und das machen wir im Studium. Der Bachelorstudiengang Sozioinformatik an der RPTU bietet eine gute Grundlage, um den Einfluss technologischer Entwicklungen auf die Gesellschaft zu bewerten und künftig noch tiefer in diesen Bereich einzutauchen.
Für wen ist dieser Studiengang geeignet? Welche Skills sollte man mitbringen?
Logisches Denken ist hilfreich, da der Informatik-Anteil im Studium der größte ist. Aber grundsätzlich sollte man breit interessiert sein. Man muss in der Schule nicht extrem gut in Mathe gewesen sein oder sehr gute Noten in Sozialkunde gehabt haben. Ich hatte auch keine Vorkenntnisse im Programmieren und an meiner Schule wurde Informatik auch nicht als Fach angeboten. Aber wenn man ein wirkliches Interesse hat, schafft man das auch so – da bin ich mir sicher. Außerdem gibt es parallel zu den Ersti-Wochen, vor Beginn der Vorlesungen, auch einen Mathe-Vorkurs. Dieser hilft sehr gut für den Mathe-Anteil im Studium, sodass man auch bei Null in der Sozioinformatik starten kann.
Welchen Tipp hast du sonst noch für Studienanfängerinnen und Studienanfänger?
Sucht euch direkt am Anfang Leute, mit denen ihr zum Beispiel gemeinsam Übungen bearbeiten könnt. Dem einen liegt ein Thema besser, während man selbst dafür woanders seine Stärken hat. So ergänzt man sich richtig gut und kann sich gegenseitig unterstützen. Außerdem mein Tipp: Macht ein Auslandssemester. Ich war in Oulu in Finnland, der nördlichsten Großstadt Europas.
Warum ausgerechnet Oulu?
Ich wusste von Anfang an, dass ich in den Norden will in eines der skandinavischen Länder. Ein wichtiges Kriterium war auch, dass es eine Uni sein sollte, die wie hier in Kaiserslautern Studierendenwohnheime für internationale Studis hat, sodass ich mir nichts Privates suchen musste. Das hat meine Auswahl eingegrenzt und dann habe ich geschaut, welche der angebotenen Kurse und Studieninhalte mich am meisten angesprochen haben. Am Ende ist es Oulu geworden. Die Lebenshaltungskosten sind in Finnland zwar etwas teurer als in Deutschland, etwa für Essen und Trinken. Aber tatsächlich habe ich dort für ein Zimmer im Wohnheim mit 300 Euro ungefähr genauso viel bezahlt wie hier in Kaiserslautern. Und Kaiserslautern ist schon sehr günstig, was die Mietkosten für Studierende betrifft.
Es war eine tolle Erfahrung, die ich jedem empfehlen würde, unabhängig vom Studiengang und egal, ob man wie ich in den Norden oder doch in den Süden möchte. Man entwickelt im Auslandssemester seine Social Skills weiter und lernt ein anderes Land, eine andere Kultur kennen. Es macht einfach Spaß, mit Studis aus verschiedenen Nationen an einem neuen Ort Uni zu erleben – und auch mal das Partyleben dort kennenzulernen. Das gehört einfach zu einer Erasmus-Erfahrung dazu! 😊
