Unsere RPTU Story
Studieren in zwei Welten: Auf Lehramt in Deutschland und Frankreich vorbereitet
Wenn Emma Brück von ihrem Studium erzählt, fällt ein Wort immer wieder – Entscheidungsspielraum: Wo möchte ich leben? Wo möchte ich unterrichten? Und vor allem, wie möchte ich lernen, Lehrerin zu sein? Der deutsch-französische Studiengang der RPTU hat ihr genau diesen Raum eröffnet – fachlich, kulturell und persönlich. Ein Highlight ihres Werdegangs: In Frankreich ist das Bestehen der zentral organisierten CAPES-Prüfung die Voraussetzung, um überhaupt ins Referendariat starten zu dürfen. Emma belegte dabei den zweiten Platz landesweit – ein herausragendes Ergebnis.
Emma studiert an der Université Sorbonne Nouvelle in Paris. Von dort aus begann sie den Deutsch-Französischen Studiengang, der in Kooperation mit der RPTU angeboten wird – ein Studium, das Studierende gezielt auf das Lehramt in Deutschland und Frankreich vorbereitet. Wer später einmal Deutsch und Französisch am Gymnasium unterrichten möchte, kann hier innerhalb von sechs Semestern einen Bachelor- und Licence-Doppelabschluss erwerben. Anschließend besteht die Möglichkeit, einen Master anzuschließen – genau diesen Weg ist die angehende Lehrkraft für Deutsch und Französisch gegangen. Ihren Master schließt sie an der Sorbonne Nouvelle ab.
Lehramtsstudium mit Erlebnisgarantie
Schon früh war ihr klar: Sie möchte mehr als ein klassisches Lehramtsstudium: „Das Besondere am Doppelstudium ist, dass man sofort in einem Daueraustausch zwischen Frankreich und Deutschland steckt“, berichtet Emma. Ein Austausch, der den Studienalltag prägt. Zwei Hochschulsysteme, zwei Bildungskulturen, zwei Perspektiven auf Schule – und mittendrin Studierende, die lernen, sich sicher in beiden Welten zu bewegen. In Seminaren und Vorlesungen sitzen die Studierenden aus beiden Ländern gemeinsam und brüten über dieselben Inhalte.
Emma verbrachte, wie alle französischen Studierenden, zwei Semester während des Bachelors in Landau: „Ich war meine beiden letzten Semester hier. Diejenigen, die von Landau aus studieren verbringen das 3. und 4. Semester in Paris.“ Das anschließende Masterstudium sei eine intensive Zeit gewesen – aber eine, in der sie sich nie alleingelassen fühlte. „Hier in Landau ist die Betreuung super persönlich“, erzählt sie. „Das Romanistik-Team ist unglaublich empathisch, nah an den Studierenden und wirklich interessiert an uns.“
Unterstützung: Vom Sprache lernen bis zur Wohnungssuche
In Landau bekam Emma direkt einen Tandempartner vermittelt, Unterstützung bei organisatorischen Fragen und Hilfe bei der Wohnungssuche. Außerdem werden die obligatorischen Schulpraktika vollständig für die Studierenden des Deutsch-Französischen Studiengangs organisiert. Vergleichbare Unterstützung erhalten deutsche Studierende im Gegenzug auch in Paris – ein gelebtes Partnerschaftsmodell.
Besonders prägend war für Emma das atelier interculturel. „Das war wie eine Ersti-Woche-Spezial “, erzählt sie lachend. Kennenlernen, Diskussionen, Austausch über Universität, Kultur und Erwartungen – ein Raum, in dem Interkulturalität nicht theoretisch blieb, sondern Alltag wurde. Gerade dieser niedrigschwellige Einstieg habe ihr geholfen, sich schnell in Landau zu Hause zu fühlen.
Die Studienganggröße ist überschaubar: „Kleiner, als eine Schulklasse und jeder kennt jeden“, fasst es Emma zusammen. Das schafft Nähe, Vertrauen und eine wertschätzende Lernatmosphäre, in der Fragen erlaubt sind. Für sie ist genau das ein entscheidender Vorteil: „Man wird nicht einfach durchgeschleust.“
Ziemlich verschieden: Schulsysteme in Deutschland und Frankreich
Inhaltlich erlebt sie deutliche Unterschiede zwischen dem Lehramtsstudium in Deutschland und Frankreich. In Frankreich nehmen Pädagogik und Recht einen wesentlich größeren Raum ein. Das Unterrichtsfach Religion gibt es nicht – stattdessen gibt es das Fach enseignement moral et civique, eine Mischung aus Ethik und Gemeinschaftskunde. Der Deutschunterricht in Frankreich behandelt Themen wie den Mauerfall, das Dritte Reich, aber auch kulturelle Aspekte wie Fasching, Oktoberfest oder Berufsorientierung.
Ohne CAPES kein Referendariat in Frankreich
Ein zentraler Punkt im französischen System ist die CAPES-Prüfung. Sie ist staatlich zentral organisiert und Voraussetzung, um überhaupt ins Referendariat – das stage de titularisation – eintreten zu können. Ohne CAPES kein Referendariat. Die Prüfung ist anspruchsvoll: zwei sechs-stündige schriftliche Prüfungen, gefolgt von zwei mündlichen. Wer unter fünf Punkten bleibt, scheidet aus – unabhängig von der Studienleistung. „Dann hat man quasi umsonst studiert“, sagt Emma offen.
In Emmas Jahrgang haben alle, die die Prüfung bestanden haben einen Referendariatsplatz erhalten. Die Vergabe erfolgt streng nach Rangliste, die vom besten Ergebnis abwärts zählt. Emma belegte den zweiten Platz landesweit – ein herausragendes Ergebnis. „Ich glaube, ich war einfach sehr entspannt, weil ich wusste, in Deutschland kann ich genauso gut ins Referendariat. Auch das ist ein großer Vorteil des Deutsch-Französischen Studiengangs. Mir zumindest hat es den Druck genommen.“ Nach dem Referendariat, das in Frankreich ein Jahr dauert, folgt erst der reguläre Einstieg in den Schuldienst. Da die CAPES nur zeitlich begrenzt gültig ist, muss sich Emma entscheiden: Wird sie Lehrerin in Frankreich oder in Deutschland?
Entscheidungsfreiheit: Côte d‘Azur oder Bodensee
„Auch wenn mir die Entscheidung für ein Land schwerfällt, empfinde ich das als großes Geschenk: Ich kann zwischen zwei mir so nahen Ländern entscheiden. Schwer fällt mir das, weil ich, vor allem durch das Studium, mich in beiden Ländern zu Hause fühle.“ Fünf Jahre lang habe sie Interkulturalität nicht nur studiert, sondern gelebt.
Ins kalte Wasser: Unterrichten schon während des Masters
Im letzten Masterjahr arbeitete sie bereits fest an einer französischen Schule – eine Verpflichtung für alle Studierenden. Wer keine der begehrten und bezahlten Lehrerstellen ergattern kann, muss im Rahmen von Hospitationen unterrichten. Emma hat in dieser Zeit eigenständig unterrichtet. Ihre Tutorin sah sie in diesem Jahr nur fünf Mal. Verantwortung, Vertrauen und Realitätsschock inklusive.
Obwohl das Studieren in zwei Welten seine Herausforderungen mit sich bringt, ist ihr Fazit eindeutig: „Ich würde es sofort wieder machen.“ Der Deutsch-Französische Studiengang sei anspruchsvoll, aber lohnend – besonders für sprachbegeisterte, kulturell interessierte Menschen mit Freude am Lernen. Oder wie Emma es zusammenfasst: für alle, die mehr wollen als nur ein Studium.
Der deutsch-französische Studiengang der RPTU ist ein Weg, der Türen öffnet – zwischen Ländern, Systemen und Lebensentwürfen.
Hier gibt es weitere Informationen zu den Deutsch-Französischen Studiengängen an der RPTU .
